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24.11.2016

11:18 Uhr

Konjunktur

Deutsche Wirtschaft schaltet etwas zurück

Die Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück, die Exporte sinken. Das hinterlässt Spuren beim deutschen Wirtschaftswachstum. Verlass ist dagegen auf die Konsumfreude der Verbraucher.

Das Votum hat sich stark auf die deutsche Wirtschaft ausgewirkt. Reuters

Brexit

Das Votum hat sich stark auf die deutsche Wirtschaft ausgewirkt.

WiesbadenGebremst von sinkenden Exporten und der Verunsicherung der Unternehmen nach dem Brexit-Schock hat die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal deutlich an Tempo verloren. Der Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) halbierte sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gegenüber dem zweiten Vierteljahr auf 0,2 Prozent.

Die Wiesbadener Behörde bestätigte damit am Donnerstag eine erste Schätzung. Im Frühjahr hatte die Wirtschaftsleistung noch um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal zugelegt, zum Jahresanfang um 0,7 Prozent.

Getragen wurde die Konjunktur von Juli bis September von der Konsumlust der Verbraucher, den Ausgaben des Staates unter anderem für die Versorgung und Unterbringung Hunderttausender Flüchtlinge sowie dem Bauboom. Arbeitslosigkeit und Inflation sind niedrig, Sparbuch und Co. werfen wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab. Das beflügelt die Kauflaune der Menschen in Deutschland.

Die Unternehmen hielten sich im ersten vollen Quartal nach dem Brexit-Votum dagegen mit Investitionen in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge zurück. Die Ausgaben sanken gegenüber dem Vorquartal um 0,6 Prozent. Zudem bremste der Außenhandel die deutsche Wirtschaft: Die Ausfuhren gingen um 0,4 Prozent zurück, die Einfuhren stiegen hingegen um 0,2 Prozent.

So geht's der Wirtschaft in der Euro-Zone

Wirtschaftswachstum

Das Wirtschaftswachstum in Europa hat sich zur Jahresmitte abgeschwächt. Im zweiten Quartal legte die Wirtschaftsleistung in den 19 Ländern der Währungsunion lediglich um 0,3 zu, nachdem sie in den ersten drei Monaten des Jahres 2016 noch um 0,6 Prozent gestiegen war. In der gesamten Europäischen Union wuchs die Wirtschaft um 0,4 Prozent.

Analysten zufolge könnte das Brexit-Votum im Laufe des Jahres das Wirtschaftswachstum weiter dämpfen.

Verbraucherpreise

Die Verbraucherpreise in der Eurozone sind im Juli minimal angestiegen. Wie die Statistikbehörde Eurostat am Freitag nach einer ersten Schätzung mitteilte, erhöhten sich die Lebenshaltungskosten in den 19 Staaten der Währungsunion um 0,2 Prozent. Im Juni waren sie um 0,1 Prozent gestiegen, nachdem sie im April und im Mai zurückgegangen waren. Vor allem die sinkenden Energiepreise dämpfen den Preisanstieg weiterhin. Sie gingen im Juli um 6,6 Prozent zurück.

Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit in Europa ist im Juni stabil geblieben. Sie blieb im Juni mit 10,1 Prozent in der Eurozone und 8,6 Prozent in der gesamten Europäischen Union auf dem Niveau des Vormonats, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat mitteilte. Die höchste Arbeitslosenquote verzeichnete demnach Griechenland nach letzten verfügbaren Angaben im April mit 23,3 Prozent. Dagegen lag die deutsche Erwerbslosigkeit nach den europäischen Berechnungen im Juni bei 4,2 Prozent.

Inflation

Die Verbraucherpreise in der Eurozone sind im Juli minimal angestiegen. Wie die Statistikbehörde Eurostat nach einer ersten Schätzung mitteilte, erhöhten sich die Lebenshaltungskosten in den 19 Staaten der Währungsunion um 0,2 Prozent. Im Juni waren sie um 0,1 Prozent gestiegen, nachdem sie im April und im Mai zurückgegangen waren. Vor allem die sinkenden Energiepreise dämpfen den Preisanstieg weiterhin. Sie gingen im Juli um 6,6 Prozent zurück.

Auch im Vergleich zum Vorjahr verlangsamte sich das Wachstum. Das BIP stieg im dritten Quartal inflationsbereinigt um 1,5 Prozent, nach 3,1 Prozent im Frühjahr und 1,5 Prozent zum Jahresanfang. Insgesamt sei die Entwicklung der deutschen Wirtschaft seit der weltweiten Finanzkrise 2008/2009 aber eindrucksvoll, meinte ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski.

Nach Einschätzung der Bundesbank wird der konjunkturelle Dämpfer im dritten Quartal schnell abgehakt werden. „Im letzten Vierteljahr 2016 dürfte die deutsche Wirtschaft nach der temporären Verlangsamung im Sommer wieder deutlich stärker wachsen“, schrieb die Notenbank in ihrem aktuellen Monatsbericht.

Die Unsicherheit für das kommende Jahr ist allerdings aus Ökonomen-Sicht gewachsen - auch durch die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Der Republikaner hatte sich im Wahlkampf für höhere Zölle gegenüber wichtigen Handelspartnern ausgesprochen. Bereits an seinem ersten Arbeitstag will er das transpazifische Handelsabkommen TPP kippen. Das könnte den schwächelnden Welthandel belasten und die exportorientierte deutsche Wirtschaft empfindlich treffen.

Von

dpa

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