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09.02.2015

13:01 Uhr

Konjunktur Euro-Zone

Boom der deutschen Wirtschaft erwartet

Gute Aussichten für Deutschland und die Euro-Zone: Laut Index der Investmentberatung Sentix erwartet die Euro-Zone einen Aufschwung, Deutschland sogar einen Boom – EZB-Politik, schwachem Euro und Ölpreisverfall sei Dank.

Das Barometer für die deutsche Wirtschaft erreichte den höchsten Stand seit Beginn der Datenerhebung 2009. dpa

„Made in Germany“ boomt

Das Barometer für die deutsche Wirtschaft erreichte den höchsten Stand seit Beginn der Datenerhebung 2009.

BerlinDie Konjunktur in Deutschland und der Euro-Zone zieht nach Ansicht von Börsianern spürbar an. Das entsprechende Barometer der Investmentberatung Sentix für den Währungsraum stieg im Februar um 11,5 auf 12,4 Punkte. Der Teilindex für die Erwartungen erreichte sogar ein Neun-Jahres-Hoch, wie Sentix-Experte Sebastian Wanke am Montag zur Umfrage unter gut 1000 privaten und institutionellen Anlegern sagte.

Das Barometer für die deutsche Wirtschaft kletterte um 8,4 auf 35,0 Zähler und erreichte den höchsten Stand seit Beginn der Datenerhebung 2009. „Der Sentix-Konjunkturindex signalisiert für Deutschland einen ,Boom' – während er für Euroland insgesamt bisher ,nur' einen Aufschwung anzeigt“, fügte Wanke hinzu.

Grund für den steigenden Optimismus sei die extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, die den Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren im Volumen von rund 1,1 Billionen Euro angekündigt hat. „Der schwache Euro und der niedrige Ölpreis dürften ebenfalls geholfen haben.“

Niedrige Inflation: Fluch oder Segen?

Warum ist Preisstabilität so wichtig?

Bei stabilen Preisen bleibt die Kaufkraft des Geldes erhalten. Das stützt den Konsum. Inflation steht hingegen für Geldentwertung: Bei steigenden Preisen können sich alle, die längerfristig gleichbleibende Einkommen beziehen wie Tarifgehälter, Renten oder Sozialleistungen, immer weniger von ihrem Geld kaufen. Auch für Menschen mit Geldvermögen und Sparer ist Inflation schlecht, weil sie am realen Wert des Vermögens knabbert.

Wie weit ist die Notenbank von ihrem Preisziel entfernt?

Das Statistische Bundesamt errechnete für September auf Jahressicht vorläufig einen Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland um 0,8 Prozent. Im Euroraum fiel die Inflation im September sogar auf 0,3 Prozent - den tiefsten Stand seit Oktober 2009. Insgesamt habe die EZB das Versprechen einer stabilen Währung aber eingehalten, betonte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erst am Montag: „In den ersten Fünfzehneinhalb Jahren nach der Euro-Einführung lag die durchschnittliche Inflationsrate bei 2,0 Prozent und damit grosso modo im Einklang mit dem Stabilitätsziel des EZB-Rats.“

Warum strebt die EZB eine höhere Teuerung an?

Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent gewahrt. Damit will die Notenbank ein Abrutschen in eine Deflation verhindern, also einen Preisverfall auf breiter Front. Denn in Erwartung einer weiter nachlassenden Inflation oder gar sinkender Preise könnten Unternehmen und Verbraucher Investitionen und Konsumausgaben zurückstellen. Das würde eine Spirale in Gang setzen, die die Konjunktur abwürgt und Arbeitsplätze kostet. Zudem hat EZB-Präsident Mario Draghi betont, dass der sehr geringe Preisauftrieb schlecht ist für Schuldner: „Ist die Inflation niedrig, sinkt der reale Wert der Schulden von Staaten und Unternehmen langsamer.“ Dadurch werde der Schuldenabbau erschwert.

Wie entwickeln sich die Preise für Nahrungsmittel?

Nach den vorläufigen Zahlen der Statistiker kosteten Nahrungsmittel im September 0,9 Prozent mehr als vor einem Jahr. Seither haben aber Discounter und Supermärkte eine neue Welle für Preissenkungen eingeläutet: So hatte Deutschlands Discount-Marktführer Aldi Anfang Oktober die Preise für Käse-Produkte wie Aufschnitt, Frisch- und Schmelzkäse oder Sahneprodukte zum Teil um mehr als 13 Prozent gesenkt. Der Billiganbieter begründete den Schritt mit gesunkenen Rohstoffpreisen. Seit Monatsmitte sind auch Pommes frites und Zucker billiger.

Was sind die Gründe für die niedrige Teuerung?

Insbesondere weltweit sinkende Energie- und Nahrungsmittelpreise haben die Inflation gedrückt. Zwischenzeitlich verbilligte zudem der starke Euro importierte Waren. Inzwischen hat die EZB eingegriffen und den Euro gegenüber dem Dollar geschwächt. Zwar führe der Rückgang des Ölpreises auch an den Zapfsäulen weiter zu sinkenden Preisen, erklärt der ADAC: Allerdings werde dieser Effekt auf die Spritpreise durch den schwächeren Euro teilweise aufgefangen. Trotzdem: Sprit wird seit Monaten immer billiger. Nach ADAC-Angaben kostete der Liter Diesel im September durchschnittlich 136,2 Cent. Vor einem Jahr mussten Autofahrer demnach noch 144,0 Cent bezahlen, vor zwei Jahren 152,4 Cent. Nach Angaben des Deutschen Mieterbunds sanken auch die Preise für Heizöl von Januar bis Juli um 5,4 Prozent.

Wegen der Euro-Schwäche hatte die Schweizer Notenbank den Kurs des Franken zur Gemeinschaftswährung freigegeben und den Euro-Mindestkurs aufgehoben. Die Folge: Der Konjunkturindex für die Schweiz rutschte nun auf den tiefsten Stand seit Juli 2009 und signalisiert nach Sentix-Angaben die Gefahr einer Rezession.

Von

rtr

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