Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.05.2017

12:29 Uhr

Konjunktur

Euro-Zone wächst doppelt so schnell wie USA

Das Bruttoinlandsprodukt in der Euro-Zone ist im ersten Quartal um 0,5 Prozent gewachsen. Die USA können nicht mithalten. Dennoch kommt die gute Konjunktur nicht überall an: Griechenland steckt wieder in der Rezession.

Gute Konjunktur in der Euro-Zone. dpa

Containerhafen Antwerpen

Gute Konjunktur in der Euro-Zone.

Brüssel/BerlinDie Euro-Zone ist im ersten Quartal mehr als doppelt so schnell gewachsen wie die weltgrößte Volkswirtschaft USA. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Januar bis März erneut um 0,5 Prozent zum Vorquartal, bestätigte das Statistikamt Eurostat am Dienstag eine frühere Schätzung. Die USA hatten dagegen nur ein Plus von 0,2 Prozent geschafft. „Die Wachstumsparty hält also an“, sagte der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger. „Alles in allem kommt der Aufschwung mittlerweile gefestigt daher.“

Das wird bei der deutschen Förderbank KfW genauso gesehen. „Für Europa gibt es gute Gründe, optimistisch in die Zukunft zu blicken“, sagte deren Chefvolkswirt Jörg Zeuner. „Die gute Stimmung in den Unternehmen spricht dafür, dass die Dynamik des Aufschwungs anhält.“ Allerdings müsse die Politik jetzt ihre Hausaufgaben erledigen und das Fundament der Euro-Zone festigen. „Mit der Wahl Emmanuel Macrons zum französischen Präsidenten bietet sich eine Chance, die man nicht ungenutzt verstreichen lassen sollte“, sagte Zeuner.

Ökonomen zum deutschen Export-Rekord

Stefan Kipar (BayernLB)

„Der Export läuft gut. Den Rekordwert sollte man aber nicht überbewerten. Positiv ist, dass es trotz Brexit, Trump und wirtschaftlicher Unsicherheit noch gut läuft. Aber es ist auch keine hochdynamische Entwicklung. Die Produktion verlief zum Jahresanfang insgesamt gut. Wir gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 0,6 Prozent gestiegen ist.“

Alexander Krüger (Bankhaus Lampe)

„Nach den beiden guten Vormonaten bei der Produktion war dies ein Rückgang mit Ansage. Ohne die überraschend gute Bauproduktion wäre der Rückgang stärker ausgefallen. Das gute Quartalsergebnis spricht für merklichen Rückenwind für das BIP im ersten Quartal. Dieser wird im zweiten Quartal aber bereits wohl wieder nachlassen, da die Geopolitik und die hohe wirtschaftspolitische Unsicherheit einem nachhaltigen Industrieaufschwung weiter entgegen stehen.“

Ulrike Kastens (Sal. Oppenheim)

„Deutschland profitiert im Moment ganz deutlich von der Belebung der Weltkonjunktur. Und nach wie vor hat Deutschland anscheinend die richtigen Produkte wie Autos und Maschinen, die weltweit nachgefragt werden. Doch diese guten Zahlen werden den Druck auf Deutschland erhöhen, die hohen Handels- und Leistungsbilanzüberschüsse abzubauen. Nicht nur vom IWF, sondern auch aus Frankreich wird der Druck zunehmen. Steigende öffentliche Investitionen können aber das Problem allein nicht lösen. Mittelfristig bräuchten wir auf jeden Fall auch mehr Ausrüstungsinvestitionen. Nach unseren Berechnungen wird der Leitungsbilanzsaldo gemessen am BIP in diesem Jahr zurückgehen.“

Carsten Brzeski (Ing-Diba)

„Insgesamt sollte die Industrieproduktion trotz des kleinen Rückgangs wieder ein Wachstumstreiber für die deutsche Wirtschaft geworden sein. Zudem gibt es verstärkt Hinweise darauf, dass die Industrieproduktion und die Investitionen zum Rest der Wirtschaft aufholen. Es ist aber noch zu früh, um das lang erwartete – und dann oft nicht eintretende – Anziehen der Investitionen zu feiern. Sollte dies aber kommen, dürfte sich die Konjunkturerholung in Deutschland einmal mehr ausweiten, obwohl Strukturreformen immer noch fehlen.“

Von der besseren Lage in der Euro-Zone profitiert deren größte Volkswirtschaft Deutschland. Das Barometer für die Konjunkturerwartungen von Börsenprofis im kommenden halben Jahr stieg im Mai um 1,1 auf 20,6 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bei seiner monatlichen Umfrage unter 220 Analysten und Anlegern ermittelte. „Allmählich werden auch die Aussichten für das gesamte Euro-Gebiet besser, womit sich das wirtschaftliche Umfeld für die deutschen Exporte weiter festigt“, sagte ZEW-Präsident Achim Wambach.

Am besten ins Jahr gestartet ist Finnland: Hier legte die Wirtschaftsleistung um 1,6 Prozent zu. Von den vier großen Euro-Ländern gelang Spanien mit 0,8 Prozent das kräftigste Wachstum, gefolgt von Deutschland mit 0,6 Prozent, Frankreich mit 0,3 Prozent und Italien mit 0,2 Prozent. Lediglich in Griechenland schrumpfte nach den bisher vorliegenden Daten das Bruttoinlandsprodukt, wenn auch nur um 0,1 Prozent. Da es bereits im Vorquartal ein Minus gegeben hatte, steckt das Land wieder in der Rezession.

EU-Konjunkturprognose: Schönwetter-Vorhersage

EU-Konjunkturprognose

Premium Schönwetter-Vorhersage

Die Wirtschaft brummt wieder in Europa, sogar einstige Krisenherde der Euro-Zone arbeiten sich stetig nach oben. Und Deutschland? So dominant, wie manche glauben, ist die deutsche Volkswirtschaft nicht. Eine Analyse.

Die EU-Kommission hat vorige Woche ihre Wachstumsprognose 2017 für die Euro-Zone angehoben, und zwar auf 1,7 von 1,6 Prozent. Die Exporte sollen angesichts der besseren Weltkonjunktur stärker zunehmen als 2016. Auch der private Konsum dürfte ungeachtet der höheren Inflation anziehen, wenn auch nicht mehr so stark. Zudem dürften die Unternehmen mehr investieren.

Damit steigt der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), angesichts der guten Konjunkturaussichten und der höheren Inflation allmählich einen Einstieg in den Ausstieg aus ihrer extrem lockeren Geldpolitik zu signalisieren. „Die EZB dürfte ihre Risikobeurteilung für die Konjunktur im Juni von 'abwärts' in 'ausgeglichen' ändern“, erwartet Ökonom Krüger vom Bankhaus Lampe. Viele Experten gehen davon aus, dass frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2018 eine Zinserhöhung ansteht.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×