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16.12.2013

14:43 Uhr

Konjunktur

Europäische Wirtschaft erholt sich

Die Konjunktur im Währungsraum legt zu, der Einkaufsmanagerindex steigt. Die Bundesbank rechnet in Deutschland mit einem kräftigen Wachstum. Schwergewicht Frankreich hingegen wird immer mehr zum Sorgenkind.

Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft wird auch im Winter an Fahrt gewinnen. dpa

Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft wird auch im Winter an Fahrt gewinnen.

BerlinDie Wirtschaft in der Euro-Zone kommt zum Jahresende in Fahrt. Das Schwergewicht Frankreich verliert allerdings zunehmend den Anschluss. „Frankreich schlüpft immer mehr in die Rolle des neuen 'kranken Mannes in Europa'“, sagte am Montag Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson zur Umfrage seines Instituts unter rund 4000 Firmen. Denn bei Deutschlands wichtigstem Handelspartner beschleunigte sich die Talfahrt sowohl in der Industrie als auch bei den Dienstleistern. Trotzdem ging es im gesamten Euroraum im Dezember überraschend stark bergauf. Dazu trug vor allem auch die größte Volkswirtschaft Deutschland bei. Dort sorgte die Industrie für neue Jobs. Die Bundesbank rechnet für das Winterhalbjahr mit kräftigem Wachstum.

Frankreich droht derzeit der Rückfall in die Rezession. Die Wirtschaft schrumpfte im Sommer leicht und kommt seither nicht richtig auf die Beine. Kritiker werfen der Regierung unter Präsident Francois Hollande mangelnden Reformeifer vor. Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, fand dazu am Wochenende harsche Worte: „Die Wettbewerbsfähigkeit bleibt ungenügend und die öffentlichen Finanzen können nicht länger über Steuererhöhungen saniert werden.“

Besser läuft es derzeit im gesamten Euroraum. Vor allem die Industrie erholt sich dank anziehender Aufträge und steigender Produktion schneller als erwartet, während die Dienstleister etwas an Dynamik verlieren. Das Barometer, das beide Sektoren zusammenfasst, stieg im Dezember überraschend deutlich um 0,4 auf 52,1 Punkte. Werte über 50 Zählern signalisieren Wachstum. „Der Aufschwung belebt sich wieder“, sagte Williamson.

So stehen die Euro-Sorgenländer da

Frankreich

Deutschlands wichtigster Handelspartner wächst nicht mehr: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im Sommer überraschend um 0,1 Prozent. Die EU-Kommission traut dem Nachbarn nur einen blutleeren Aufschwung zu. 2014 soll es nur zu einem Plus von 0,9 Prozent reichen, was etwa halb so viel ist wie in Deutschland. "Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet die Kommission, was wiederum den Konsum bremst. Obwohl das Wachstum 2015 auf 1,7 Prozent anziehen soll, dürfte die Arbeitslosenquote bis dahin auf 11,3 Prozent zulegen.

Italien

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion schrumpfte im Sommer nun schon das neunte Quartal in Folge und steckt damit in der längsten Rezession seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Während die Industrie zulegte, gingen die Geschäfte der Dienstleister und Landwirte zurück. Zwei Rezessionsjahren dürfte eine kraftlose Erholung folgen: 2014 wird ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, das sich 2015 auf 1,2 Prozent erhöhen soll. Eine steigende Exportnachfrage dürfte die Unternehmen zwar zu mehr Investitionen ermutigen, erwartet die EU-Kommission. Die Arbeitslosenquote soll aber im kommenden Jahr weiter steigen.

Spanien

Die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone hat sich im Sommer aus der Dauer-Rezession befreit. Anziehende Exporte und der boomende Tourismus ließen das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 Prozent wachsen. Zuvor war es neun Quartale in Folge geschrumpft. 2014 könnte die spanische Wirtschaft nach zwei Rezessionsjahren in Folge erstmals wieder wachsen. Die EU-Kommission erwartet ein Plus von 0,5 Prozent, das sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen soll. "Die großen Anpassungen werden die Erholung einschränken", befürchtet die Kommission. Das reicht nicht, um die Arbeitslosigkeit kräftig zu drücken. Die Quote soll von 26,6 Prozent in diesem Jahr lediglich auf 25,3 Prozent im übernächsten Jahr fallen.

Griechenland

Im Frühjahrsquartal – neuere Daten liegen noch nicht vor – ging es um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bergab. Das am schwersten von der Schuldenkrise betroffene Land wird aber für 2014 ein kleines Comeback zugetraut: Das Bruttoinlandsprodukt soll dann erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. Das reicht nicht annähernd aus, um den für 2013 erwarteten Einbruch von 4,0 Prozent auszugleichen. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission, die dann mit einem Plus von 2,9 Prozent rechnet. Allerdings bleibt die Arbeitslosigkeit hoch. Sie soll von rund 27 Prozent auf 24 Prozent im Jahr 2015 sinken.

Irland

Von allen Krisenländern steht Irland am besten da. Bereits im Frühjahr wurde die Rezession abgeschüttelt mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. 2013 soll die Wirtschaft das dritte Jahr in Folge zulegen, wenn auch nur um 0,3 Prozent. Das Tempo dürfte sich 2014 auf 1,7 Prozent und 2015 sogar auf 2,5 Prozent beschleunigen. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften immer besser in Schwung kommen. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,7 Prozent fallen, nachdem sie 2012 noch bei 14,7 Prozent lag.

Portugal

Das kleine Land ist von Juli bis September bereits das zweite Quartal in Folge gewachsen - und zwar um 0,2 Prozent. 2014 soll nach drei Minus-Jahren wieder ein Plus folgen: Dann dürfte ein Wachstum von 0,8 Prozent herausspringen, das sich 2015 auf 1,5 Prozent nahezu verdoppeln soll. "Die Exporte sind der Wachstumstreiber, während die Binnennachfrage 2014 wieder anziehen wird", prophezeit die EU-Kommission. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 17,3 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen.

Zypern

Der Inselstaat steckt noch mitten im Abschwung: Im dritten Quartal 2013 brach die Wirtschaftsleistung mit 0,8 Prozent so stark ein wie in keinem anderen Euro-Land. Um 8,7 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt im gesamten Jahr 2013 zurückgehen. 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die Kommission. Sowohl der Konsum als auch die Exporte dürften sinken. Erst 2015 wird wieder mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen und erst 2015 wieder leicht auf 18,4 Prozent nachgeben.

Dies gilt umso mehr für die Wachstumslokomotive Deutschland, deren Industrie laut Markit einen „fulminanten Jahresabschluss“ schaffte. Erstmals seit März stellten die Betriebe per Saldo Personal ein, es war der größte Jobaufbau seit zwei Jahren. Die Bundesbank schrieb in ihrem Monatsbericht, die Chancen stünden gut, dass die „lebhafte Binnenkonjunktur“ durch eine „deutliche Verstärkung der Industriekonjunktur ergänzt wird“.

Der Industrieverband BDI traut den deutschen Exporteuren 2014 ein Wachstum von mindestens zwei Prozent zu und damit etwas mehr als für dieses Jahr. China als einer der größten Absatzmärkte schwächelt derzeit allerdings etwas, da die Führung in Peking die Wirtschaft umkrempelt und dafür ein geringes Wachstum in Kauf nimmt. Die Industrie verlor im Dezember an Fahrt, wie aus dem Markit/HSBC-Einkaufsmanagerindex hervorgeht.

In Japan hingegen hellte sich die Stimmung in der Industrie auch im vierten Quartal auf. „Die japanischen Großproduzenten befinden sich dank den Abenomics nach wie vor in Partylaune“, sagte NordLB-Analyst Stefan Große mit Blick auf die Wirtschaftspolitik von Regierungschef Shinzo Abe.

Von

rtr

Kommentare (1)

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NumberCrunsher

16.12.2013, 15:17 Uhr

Bis Ende Mai 2014 (Europawahl) werden wir wohl noch massiv mit pseudo-positiven Europa-Meldungen zugeschüttet.

Lasst euch nicht verarschen ...

Schönen Tag noch ...

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