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08.06.2012

11:54 Uhr

Konjunktur

Exporte brechen ein, aber Bundesbank bleibt optimistisch

Ist es Zweckoptimismus? Bundesbank-Präsident Jens Weidmann glaubt, dass die deutsche Wirtschaft auf Wachstumskurs bleibt. Die Statistik spricht eine andere Sprache: Sie meldet heute einen Einbruch der deutschen Exporte.

Deutschlands Autoindustrie exportiert munter weiter. dpa

Deutschlands Autoindustrie exportiert munter weiter.

BerlinEigentlich reißt die Serie schlechter Nachrichten für die deutsche Wirtschaft reißt nicht ab: Die Exporte fielen im April zum ersten Mal in diesem Jahr. Auch Produktion, Industrieaufträge und Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe waren zu Beginn des zweiten Quartals gesunken.

"Die Dynamik lässt wegen der Schuldenkrise in der Eurozone nach", sagte der Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. Nach dem starken Jahresauftakt trauen Experten der Wirtschaft im Frühjahr nur noch ein Mini-Wachstum zu.

Die Unternehmen verkauften 1,7 Prozent weniger ins Ausland als im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Das war der erste Rückgang nach drei Anstiegen in Folge. Analysten hatten lediglich mit einem kalender- und saisonbereinigten Minus von 1,0 Prozent gerechnet.

Wie Deutschland für den Abschwung gerüstet ist

Staatshaushalt

Im internationalen Vergleich steht Deutschland mit seinem Staatshaushalt gut da. Auf Pump finanzierte Konjunkturprogramme lehnt die Bundesregierung ab. Nach dem aktuellen deutschen EU-Stabilitätsprogramm kommt der Gesamtstaat aus Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen schon in zwei Jahren ohne neue Schulden am Finanzmarkt aus. Schon 2011 hatte das Defizit nur noch bei einem Prozent gelegen. Auch strukturell - also unabhängig vom Auf und Ab der Konjunktur - schließt sich die Lücke zwischen den Einnahmen und Ausgaben.
Damit einher geht, dass der in Jahrzehnten angehäufte Schuldenberg allmählich an Bedeutung verliert: Die Schuldenstandsquote soll von 82 Prozent des BIP 2012 auf 73 Prozent in 2016 zurückgehen. Fazit: Der Staat ist weit davon entfernt, wegen eines moderaten Abschwungs in die Knie zu gehen.



Sozialkassen

Die mit dem Aufschwung der vergangenen Jahre einhergegangene Rekordbeschäftigung hat die Lage der Sozialkassen erheblich entspannt. So erwartet die Bundesagentur für Arbeit (BA) dieses Jahr einen Überschuss von 1,3 Milliarden Euro. Allerdings warnen die Arbeitgeber bereits, bei einer Konjunkturabkühlung könnte die BA schnell wieder auf Zuschüsse des Bundes angewiesen sein. Rosiger schätzt das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel die Aussichten für die BA ein: Es erwartet 2012 einen Überschuss von fast drei Milliarden Euro.
Alle Sozialkassen zusammen - also Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung - könnten dem IfW zufolge in diesem Jahr auf einen Überschuss von 15 Milliarden Euro kommen. Damit hätten sie zumindest ein kleines Polster für den Abschwung.

Unternehmen

Noch sind die Auftragsbücher der Unternehmen gut gefüllt. Wie schnell die im Aufschwung angelegten Puffer aber schmelzen können, hat die Finanzkrise 2008/09 gezeigt. Auch ihr ging ein jahrelanger Aufschwung voraus, der in die schwerste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit mündete. Und dennoch: Nie hatten so viele Deutsche einen Job wie jetzt. Viele Unternehmen werden selbst bei einem Konjunktureinbruch versuchen, ihre Mitarbeiter zu halten. Denn Fachkräfte sind in Deutschland rar.
Auch der Bauboom dürfte die Wirtschaft selbst bei einem plötzlichen Konjunktureinbruch noch eine Weile stützen. Im ersten Quartal zog die Bauindustrie 12,5 Prozent mehr Aufträge an Land als ein Jahr zuvor. Bis die abgearbeitet werden können, vergehen Monate und Jahre, und bis dahin kann sich die Wirtschaft schon wieder erholt haben.

Politik

Paradoxerweise ist es von Vorteil, dass der jüngste scharfe Konjunktureinbruch nur drei Jahre zurückliegt: Die Erfahrung der handelnden Politiker ist frisch, und sie können auf Konzepte wie die Kurzarbeit zurückgreifen, die sich damals bewährt haben. Allerdings hat mit dem Aufschwung 2010/11 der Reformwille in der Politik nachgelassen. Dabei gäbe es noch immer genug zu tun, um den Standort fitzumachen für den demografischen Wandel und künftige Flauten. So bemängelt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), höhere Beiträge zur Kranken- und Arbeitslosenversicherung hätten die Arbeitskosten 2011 erhöht. Unter den OECD-Ländern wird nur in Belgien der Faktor Arbeit noch stärker belastet.

Insgesamt setzten die Unternehmen im Ausland 87,1 Milliarden Euro um, ein Plus von 3,4 Prozent gegenüber April 2011. Während die Ausfuhren in die gegen eine Rezession kämpfenden Euro-Länder um 3,6 Prozent zurückgingen, legten sie in Länder außerhalb der Europäischen Union um 10,3 Prozent zu.

Das sind die wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt

Platz 1

Hongkong

Platz 2

USA

Platz 3

Schweiz

Platz 4

Singapur

Platz 5

Schweden

Platz 6

Kanada

Platz 7

Taiwan

Platz 8

Norwegen

Platz 9

Deutschland

Platz 10

Katar

Quelle

IMD-„World Competitiveness Ranking“ 2012.

Die Schweizer Business-School IMD veröffentlich seit 1989 jährlich ihr Wettbewerbsranking. Dazu befragen die Wissenschaftler mehr als 4200 internationale Geschäftsleute. Die Länder werden nach über 300 Kriterien bewertet.

Trotz dieser schlechten Vorzeichen bleibt die Bundesbank optimistisch und fürchtet für Deutschland nicht mit einem Konjunktureinbruch. "Ich gehe davon aus, dass die expansiven Kräfte die Oberhand behalten, wenn die Staatsschuldenkrise im Euro-Gebiet nicht eskaliert", sagte Bundesbankchef Jens Weidmann zur Vorhersage der deutschen Notenbank. Sie prognostiziert für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent und ist damit optimistischer als die Bundesregierung, die in ihrer Frühjahrsprognose nur 0,7 Prozent veranschlagt.

"Dabei dürfte sich im Jahresverlauf die konjunkturelle Dynamik angesichts einer immer noch soliden Weltwirtschaft und der sehr vorteilhaften Finanzierungsbedingungen verstärken", erklärte die Bundesbank. 2013 werde sich das Wachstum dann auf 1,6 Prozent beschleunigen.

Kommentare (9)

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SabineM

08.06.2012, 11:37 Uhr

Stimmt die Bundesbank also auch schon ein auf die linientreue Propaganda!

Account gelöscht!

08.06.2012, 13:20 Uhr

"Insgesamt setzten die Unternehmen im Ausland 87,1 Milliarden Euro um, ein Plus von 3,4 Prozent gegenüber April 2011."

Sry. aber Überschrift und Inhalt des Beitrags passen m.E. nicht. Sollte der Anspruch des HB nicht ein anderer sein?

F-raum-erkel

08.06.2012, 13:29 Uhr

@AUSLAND: KAUFT NICHT BEI SEXISTEN! KAUFT NICHT BEI FOLTERERN! KAUFT NICHT BEI DEUSTCHEN (Sagt ein Deutscher).
Und zwar weil ich nicht will daß sich dieses Schweieneystem am Leben halten kann durch ausländische Gelder.

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