Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.11.2016

19:39 Uhr

Konjunktur

EZB-Chefökonom warnt vor Gefahren

Der EZB-Chefökonom Peter Praet sieht nach wie vor Gefahren für die Konjunktur in der Euro-Zone. Aus diesem Grund werde die Euro-Notenbank auch weiterhin billiges Geld in den Markt pumpen.

Der EZB-Chefvolkswirt sieht weiterhin Gefahren für die Konjunktur in der Euro-Zone. AFP; Files; Francois Guillot

Peter Praet

Der EZB-Chefvolkswirt sieht weiterhin Gefahren für die Konjunktur in der Euro-Zone.

FrankfurtEZB-Chefvolkswirt Peter Praet sieht nach wie vor Risiken für die wirtschaftliche Genesung im Euro-Raum. Zwar gebe es Anzeichen dafür, dass die Erholung gegen Widerstände gefeit sei, sagte der oberste Ökonom der Europäischen Zentralbank (EZB) in New York laut Redetext. „Es bleiben aber wesentliche Gefahren bestehen, die vor allem vom externen Umfeld und erheblichen Unsicherheiten nach dem Ergebnis des britischen Referendums herrühren.“ Die Notenbank werde deshalb weiter ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung leisten.

Die Euro-Notenbank wird laut Praet „das sehr erhebliche Ausmaß an geldpolitischer Unterstützung“ beibehalten, welches zum Erreichen ihres Inflationsziels von knapp zwei Prozent nötig ist. Auf der geldpolitischen Sitzung Anfang Dezember werde die EZB in einer guten Position sein, die Inflationsaussichten abzuschätzen, sagte Praet.

Auf dem Treffen am 8. Dezember werden den Währungshütern neue Inflations- und Konjunkturprognosen der hauseigenen Experten vorliegen. Praet zufolge haben dann auch die EZB-Ausschüsse ihre Vorschläge unterbreitet, wie das billionenschwere Anleihekauf-Programm weiterhin reibungslos umgesetzt werden kann.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Die EZB pumpt seit März 2015 über den Kauf von Staatsanleihen massiv Geld ins Bankensystem, um die Kreditvergabe anzukurbeln. Das auf 1,74 Billionen Euro angelegte Programm – weitere Wertpapiere eingeschlossen – soll noch bis mindestens Ende März 2017 laufen.

Es wird erwartet, dass der EZB-Rat im Dezember sich mit der Frage befasst, ob die Zentralbank auch danach noch Bonds kaufen soll.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×