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21.12.2012

14:08 Uhr

Konjunktur

Frankreichs Wirtschaft bleibt in der Krise

Von Aufschwung wird in Frankreich auch 2013 noch keine Rede sein. Davon geht zumindest die französische Statistikbehörde aus. Sie prognostiziert der Wirtschaft für die ersten beiden Quartalen nur minimales Wachstum.

Die französische Konjunktur wird Präsident Francois Hollande auch 2013 weiter Sorgen bereiten. Reuters

Die französische Konjunktur wird Präsident Francois Hollande auch 2013 weiter Sorgen bereiten.

ParisDie Aussichten für die französische Wirtschaft bleiben auch im kommenden Jahr düster: Das Wirtschaftswachstum dürfte in den ersten beiden Quartalen 2013 jeweils nur 0,1 Prozent betragen, wie die französische Statistikbehörde Insee am Donnerstagabend mitteilte. Die Prognose für die ersten sechs Monate des kommenden Jahres lasse sich kurz zusammenfassen, sagte Insee-Konjunkturexperte Cédric Audenis: „Immer noch kein Aufschwung.“

Im letzten Quartal dieses Jahres dürfte die französische Wirtschaft laut Insee sogar um 0,2 Prozent schrumpfen. Für das gesamte Jahr 2012 senkten die Statistiker ihre Wachstumsprognose von 0,2 auf 0,1 Prozent. Die Regierung geht noch von einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,3 Prozent aus.

Vergleich: Deutschland vs. Frankreich

Wachstum

Frankreich: Die Wirtschaft wächst viel langsamer. Die EU-Kommission traut der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone in diesem Jahr lediglich ein Plus von 0,2 Prozent zu, das 2013 mit 0,4 Prozent nur einen Tick größer ausfallen soll. Grund dafür ist der maue Konsum: Er dürfte sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr angesichts der hohen Arbeitslosigkeit stagnieren.
Deutschland: Jeweils 0,8 Prozent Wachstum sagt die EU-Kommission für 2012 und 2013 voraus. Garant dafür ist der private Konsum. Er wird nach der Prognose in beiden Jahren um jeweils ein Prozent zulegen. Dafür sollen die Rekordbeschäftigung und spürbare Lohnzuwächse sorgen.

Schulden

Frankreich: Frühestens 2015 wird die EU-Grenze für die Neuverschuldung von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes wieder eingehalten. Das erwartet zumindest die EU-Kommission. Demnach wird das Defizit in diesem Jahr bei 4,5 Prozent liegen, 2013 und 2014 bei jeweils 3,5 Prozent. Der Schuldenberg soll im kommenden Jahr auf 93,8 Prozent der Wirtschaftsleistung anschwellen.
Deutschland: Das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts rückt in greifbare Nähe. 2012 und 2013 soll das Defizit angesichts rekordhoher Steuereinnahmen jeweils 0,2 Prozent betragen, ehe 2014 ein Haushalt ohne neue Schulden stehen soll. Der Schuldenstand soll bis dahin auf 78,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes fallen.

Wettbewerbsfähigkeit

Frankreich: In Sachen Wettbewerbsfähigkeit rutschte Frankreich in diesem Jahr um drei Ränge auf den 21. Platz ab, wie das World Economic Forum bei seinem weltweiten Standortvergleich befand. Die kleineren Nachbarn Niederlande (5.) und Belgien (17.) liegen noch vor der "Grande Nation". Zwar gehört die Infrastruktur in Frankreich weiter zu den besten der Welt. Aber der Arbeitsmarkt wird als zu starr empfunden, das Steuersystem als zu wirtschaftsfeindlich: Hier belegt Frankreich nur die Ränge 111 und 128.
Deutschland: Trotz der Euro-Krise hat Deutschland im globalen Standortvergleich des World Economic Forum seinen sechsten Platz behauptet und damit erstmals die USA überholt. Als Pluspunkte gelten die ausgezeichnete Infrastruktur und innovative Unternehmen, die alle Stufen der Wertschöpfung leisten können - von der Produktion bis hin zu Marketing und Vertrieb. Minus-Punkte gab es dagegen für den Arbeitsmarkt, der als zu starr gilt. Kritisiert wird vor allem die mangelnde "Flexibilität der Lohnfindung": Hier landet Deutschland auf Platz 139 von 144.

Industrie

Frankreich: Zwar kann unser Nachbarland mit großen Unternehmen wie den Autobauern Renault und Peugeot Citroen oder der Atomkonzern Areva aufwarten. Allerdings fehlt es an einem breiten und exportstarken Mittelstand, der die Absatzkrise im Euro-Raum durch wachsende Geschäfte in Asien und anderen Boomregionen ausgleichen kann. Die Industrie ist deshalb auf dem Rückzug: Nur noch 12,6 Prozent trägt sie zur Bruttowertschöpfung bei.

Deutschland: Hierzulande haben viele "hidden champions" ihre Heimat - also unbekannte mittelständische Unternehmen, die Nischen besetzt haben und mit ihren Produkten zu den Weltmarktführern gehören. Die Industrie erlebt in Deutschland eine Renaissance, weil diese Firmen in den Boomregionen aktiv sind. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung kletterte 2011 auf 26,2 Prozent, während er zwischen 2000 und 2010 im Schnitt nur 25,1 Prozent betrug.

Arbeitskosten

Frankreich: 34,20 Euro kostet eine Arbeitsstunde in der französischen Privatwirtschaft im Schnitt. In der EU ist Arbeit nur in Belgien, Schweden und Dänemark noch teurer. In der Industrie sind es sogar 35,91 Euro.

Deutschland: Im Schnitt kostet eine Stunde Arbeit in der deutschen Privatwirtschaft 30,10 Euro - das ist der siebthöchste Wert der 27 EU-Mitglieder. Der Euro-Zonen-Schnitt liegt bei 27,70 Euro. In der im internationalen Wettbewerb stehenden Industrie liegen die Arbeitskosten bei 35,66 Euro pro Stunde.

Für das kommende Jahr hofft Paris auf ein Wachstum von 0,8 Prozent, das auch nötig ist, um das Staatsdefizit wie zugesagt auf drei Prozent des BIP zu drücken. Ein Ziel, das laut Insee aber nur schwer zu erreichen sein dürfte. Denn bei einem Wachstum von nur jeweils 0,1 Prozent in den ersten beiden Quartalen 2013 müsste die Wirtschaft in den beiden letzten Quartalen um jeweils ein Prozent wachsen, damit die Regierungsprognose wahr wird.

Die schlechte Wirtschaftslage wird in Frankreich auch zu einer weiteren Vernichtung von Arbeitsplätzen führen. Insee rechnet mit dem Verlust von 75.000 Jobs im ersten Halbjahr 2013. Die Arbeitslosigkeit, die laut der Statistikbehörde im dritten Quartal 2012 bei 9,9 Prozent lag, dürfte im zweiten Quartal 2013 auf 10,5 Prozent anwachsen.

Staatschef François Hollande bestätigte am Freitag im Sender Europe 1, die Arbeitslosigkeit werde bis zum Ende des kommenden Jahres stetig ansteigen. Dann solle die Wende am Arbeitsmarkt aber gelingen, wiederholte Hollande ein bereits mehrfach gemachtes Versprechen. 2013 werde ein „hartes“ Jahr für die Franzosen, dem Land werde es aber gelingen, die Krise hinter sich zu lassen.

Von

afp

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

21.12.2012, 14:37 Uhr

Sagen wir es einmal so. Die Schuldenquote steigt von 64 auf 92% vom BIP, das ist ein Zuwachs von fast 50%. Die Wachstumsprognose ist viel zu optimistisch, weil sogar das deutsche Wachstum auf 0,4% zurück genommen wurde. Fazit: Frankreich wird 2013 zum Problemfall und Zypern, Portugal und Spanien sind eh pleite, vgl. www.fortunanetz. Ein Schuldenschnitt wird kommen.

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