Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.06.2014

12:29 Uhr

Konjunktur

Frankreichs Wirtschaft stagniert im ersten Quartal

Frankreichs Wirtschaft ist zu Jahresbeginn nicht gewachsen. Ein Rückgang der Konsumausgaben privater Haushalte hat das französische Wachstum gebremst. Allerdings geben neueste Daten zum Konsum der Franzosen Hoffnung.

Die französische Flagge weht in der Nähe von Cannes: Frankreichs Wirtschaft tritt auf der Stelle. dpa

Die französische Flagge weht in der Nähe von Cannes: Frankreichs Wirtschaft tritt auf der Stelle.

ParisFrankreichs Wirtschaft ist zu Jahresbeginn nicht über eine Stagnation hinausgekommen. Im ersten Quartal habe sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone zum Vorquartal nicht verändert, teilte die französische Statistikbehörde Insee am Freitag in Paris nach endgültigen Daten mit. Volkswirte hatten diese Bestätigung der ersten Schätzung erwartet. Im vierten Quartal 2013 hatte die Wirtschaftsleistung noch um 0,2 Prozent zugelegt.

Unter anderem bremste ein Rückgang der Konsumausgaben privater Haushalte das französische Wachstum. Neueste Daten zum Konsum der Franzosen geben aber Anlass zur Hoffnung auf ein stärkeres Wachstum im zweiten Quartal. Wegen der Konjunkturflaute entwickelt sich Frankreich immer stärker zum Sorgenfall in der Eurozone. Trotz jüngster Reformbemühungen der Regierung in Paris fällt die französische Wirtschaft etwa im Vergleich zur Wachstumslokomotive Deutschland immer weiter zurück.

Woran Frankreich krankt

Wettbewerbsfähigkeit

In Frankreich sticht die ungünstige Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit hervor. Auch deshalb ist der Weltmarktanteil des Exportsektors des Landes deutlich gesunken; die Leistungsbilanz hat sich seit Beginn der Währungsunion kontinuierlich verschlechtert– von einem Überschuss von 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu einem Defizit von zuletzt etwa 2 Prozent. Im Durchschnitt der zurückliegenden drei Jahre hat Frankreich damit das höchste Leistungsbilanzdefizit aller Kernländer aufgewiesen. Im „Global Competitiveness Report 2012-2013“ belegt Frankreich damit nur Rang 21 von insgesamt 144 Ländern. Im Jahr 2010 wurde es mit Rang 15 noch deutlich besser bewertet.

Quelle: Frühjahrsgutachten der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute; Commerzbank

Lohnstückkosten

Die Lohnstückkosten sind seit 1999 um 30 Prozent gestiegen. Die Lage heute: Während eine Arbeitsstunde deutsche Arbeitgeber 30,40 Euro kostet, fallen westlich des Rheins 34,20 Euro an. Typisch für den Niedergang sind die Autobauer. „Hier verdichten sich die Probleme Frankreichs“, sagt Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Das Land produziere 40 Prozent weniger Kraftfahrzeuge als 2005, Deutschland dagegen 15 Prozent mehr.

Arbeitslosigkeit

Die wirtschaftliche Entwicklung lässt kaum eine deutliche Reduzierung der Arbeitslosigkeit und der öffentlichen Verschuldung erwarten. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf einem hohen Niveau jenseits von 10 Prozent verharren.

Staatsverschuldung

Noch wird die Schuldentragfähigkeit von den Anlegern nicht in Frage gestellt. Die öffentliche Verschuldung Frankreichs hat sich aber seit der Großen Rezession deutlich erhöht. Zwischen 2008 und 2012 stieg die Schuldenstandsquote um rund 25 Prozentpunkte auf über 90 Prozent. Im Jahr 2012 lag die Defizitquote weiterhin deutlich oberhalb von 3 Prozent, und auch für das Jahr 2013 wird eine diesen Wert überschreitende Quote erwartet. Damit steigt die öffentliche Verschuldung weiter.

Private Verschuldung

Die private Verschuldung ist in Frankreich weniger stark gestiegen und liegt auf einem deutlich geringeren Niveau als z. B. in Irland, Spanien und Portugal. Dennoch ist Frankreich das einzige der ausgewählten Länder, in dem die private Verschuldung auch seit 2009 noch merklich zunimmt.

Verlust von Weltmarktanteilen

Große Probleme bestehen im externen Sektor. Der überdurchschnittlich starke Verlust von Weltmarktanteilen ist in Kombination mit trendmäßig steigenden Leistungsbilanzdefiziten besorgniserregend. Dies dürfte nicht allein auf Veränderungen der preislichen Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen sein; diese hatte sich zwischen 2000 und 2008 permanent verschlechtert, verbesserte sich seitdem aber. Insbesondere Frankreichs Exportwirtschaft ist es nicht gelungen, vom ökonomischen Aufschwung der Schwellenländer zu profitieren, sondern sie hängt nach wie vor von den Märkten im Euroraum ab.


Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×