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30.06.2017

15:33 Uhr

Konjunktur

Griechische Zentralbank senkt Wachstumsprognose deutlich

Die griechische Notenbank rechnet in diesem Jahr mit einem deutlich geringeren Wirtschaftswachstum. Die Experten gehen dennoch von günstigen Konjunkturaussichten aus – drängen aber auf Schuldenerleichterungen.

Die griechische Zentralbank geht in diesem Jahr von einem Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent aus. dpa

Containerhafen von Piräus

Die griechische Zentralbank geht in diesem Jahr von einem Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent aus.

AthenGriechenlands Notenbank hat ihre Wachstumsprognose für die Wirtschaft des Landes spürbar eingedampft. Für das laufende Jahr rechnen die Experten nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 1,6 Prozent, wie die Bank am Freitag mitteilte. Bisher war ein Plus von 2,5 Prozent erwartet worden. Die Bank begründete ihren Schritt mit den jüngsten Verzögerungen bei Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen europäischen Geldgebern. Mittelfristig seien die Konjunktur-Aussichten günstig - allerdings nur, wenn weitere Reformen umgesetzt würden. Die griechische Notenbank drängte die Gläubiger dazu, Maßnahmen zur Schuldenerleichterung zu konkretisieren, die bis 2018 umgesetzt werden sollten.

Das griechische Spar- und Reformprogramm

Tsipras' Plan

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hofft, dass sein Land mit Hilfe eines neuen Spar- und Reformprogramms ab dem Sommer 2018 wieder auf eigenen Beinen stehen kann. Die Kernelemente.

1. Renten

Das Programm ist – wie die drei vorherigen seit 2010 – eine Mischung aus Sparvorgaben und Privatisierungen. In erster Linie soll der Staatshaushalt von der Unterstützung der defizitären Renten- und Krankenkasse so weit wie möglich befreit werden. Ab dem 1. Januar 2019 sollen demnach die Renten um bis zu 18 Prozent sinken. Mit der neuen Kürzung soll der Staat jährlich rund 2,7 Milliarden Euro sparen. Die Griechen haben nach jüngsten Angaben von Außenminister Nikos Kotzias seit 2010 im Durchschnitt 27 Prozent ihres Einkommens verloren.

2. Steuerfreibetrag

Die zweite harte Sparmaßnahme: Ab dem 1. Januar 2020 soll der bislang geltende jährliche Steuerfreibetrag von 8.636 Euro auf 5.700 gesenkt werden. Athen und die Experten der Gläubiger, die in Griechenland praktisch das Sagen haben, rechnen damit, dass so gut zwei Milliarden Euro zusätzlich in die Staatskasse fließen.

3. Privatisierungen

Athen hat sich zudem verpflichtet, Privatisierungen weiter zu beschleunigen. Unter anderem soll der Hafen von Thessaloniki für Jahre verpachtet werden, bei 14 Flughäfen ist das schon geschehen.

4. Primärer Überschuss

Gesamtziel ist ein Primärer Überschuss (ohne laufenden Schuldendienst) im Staatsbudget von 3,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts in den kommenden fünf Jahren. Mit einem solchen Überschuss könnte Griechenland die Zinsen für seine Kredite zahlen.

Quelle: dpa
Stand: 19. Mai 2017

Schuldenerleichterungen sind ein Knackpunkt zwischen Griechenland und seinen Geldgebern. Die Euro-Länder wollen einen Beschluss darüber erst fassen, wenn das dritte Rettungspaket über bis zu 86 Milliarden Euro im Sommer 2018 ausgelaufen ist und dann weitere Maßnahmen nötig sein sollten. Nach Einschätzung der griechischen Notenbank könnten weitere Finanzhilfen ab 2018 nötig seien, sollten sich die Gläubiger nicht bald auf Schuldenerleichterungen festlegen. Die Euro-Finanzminister machten jüngst den Weg frei für weitere Kredite über 8,5 Milliarden Euro Richtung Griechenland und für eine prinzipielle Mitwirkung des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Lothar Bitschnau

30.06.2017, 16:12 Uhr

Welcher private Haushalt, welches Unternehmen, welcher Verein bekommt Rettungspakete der EU, wenn der Bankrott droht.
Nach so vielen Jahren der Hilfen hat sich nicht wirklich etwas verbessert und
es ist demotivierend für alle, die das zahlen müssen.
Am meisten stört mich aber die so sebstverständliche Art der Griechen, ihre Forderungen vorzutragen, die jeder Wertschätzung gegenüber den Gläubigern entbehrt.

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