Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.07.2013

10:03 Uhr

Konjunktur

Ifo-Geschäftsklimaindex steigt erneut

Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juli leicht gestiegen: Das wichtigste Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft liegt nun bei 106,2 Punkten – im Vormonat hatte der Index noch bei 105,9 Punkten gelegen.

Zum dritten Mal in Folge steigt der Ifo-Index. Ökonomen sprechen von einer Trendwende. dpa

Zum dritten Mal in Folge steigt der Ifo-Index. Ökonomen sprechen von einer Trendwende.

MünchenDie Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im Juli weiter aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg von 105,9 Zählern auf 106,2 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag zu seiner Umfrage mitteilte. Das ist der dritte Anstieg in Folge. Nach drei Veränderungen in eine Richtung sprechen Volkswirte von einer möglichen Trendwende.

„Die Erwartungen für die kommenden sechs Monate haben sich zwar minimal abgeschwächt, die Unternehmen blicken aber nach wie vor verhalten optimistisch in die Zukunft“, erklärte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen. „Am Konjunkturhimmel zeigen sich nur wenige Wolken.“ Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit 106,1 Zählern gerechnet.

Auch die Lage wurde besser bewertet: Der entsprechende Index stieg auf 110,1 Punkte nach 109,4 Zählern im Vormonat. Einziger Wermutstropfen: Die Unternehmer schätzten die Aussichten für die kommenden sechs Monate etwas schwächer ein. Dieses Barometer fiel auf 102,4 Zähler von 102,5 Punkten. „Möglicherweise machen sich hier Sorgen um den chinesischen Absatzmarkt bemerkbar“, sagte Volkswirt Andreas Scheuerle von der DekaBank.

Ein erneuter Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex hat den Euro am Donnerstag nur vorübergehend angetrieben. Die europäische Gemeinschaftswährung erklomm kurz nach der Datenveröffentlichung ein Tageshoch von 1,3235 Dollar, fiel aber anschließend leicht ins Minus auf 1,3184 Dollar zurück. Viele Investoren wollten sich vor der kommenden Woche nicht aus dem Fenster lehnen, wenn neue Signale zur US-Geldpolitik und Konjunkturlage anstehen, sagte Devisenexpertin Antje Praefcke von der Commerzbank. Deshalb trete der wenig überraschend ausgefallene Ifo-Index eher in den Hintergrund.

Was Ökonomen zum ifo-Index sagen

KfW-Chefvolkswirt: Jörg Zeuner

„Die Konjunktur hat zurzeit keine klare Richtung. Die zuletzt enttäuschenden harten Daten bei Produktion und Exporten sind zwar ein Blick in den Rückspiegel. Die Abwärtsrisiken bleiben aber bestehen: Das nachlassende Wachstum in China dürfte der Exportwirtschaft zunehmende Sorgenfalten bereiten. Die Euro-Zone ist auf Stabilisierungskurs, bleibt aber sehr anfällig für Rückschläge. Für das Gesamtjahr reicht es für Deutschland nur zu einem mageren Wachstum von 0,3 Prozent.“

DIHK-Chefvolkswirt: Alexander Schumann

„Der Anstieg des Ifo-Index ist ein Zwischenhoch. Wie die zuletzt guten Wirtschaftszahlen enthält er Nachholeffekte vom schwachen Jahresanfang. Auch wenn die Wirtschaft hierzulande immerhin um 0,3 Prozent wachsen dürfte, sind Rückschläge nicht ausgeschlossen. Die Hoffnungsschimmer in einigen Ländern der Euro-Zone werden deutlicher, aber der Abbau der Schuldenberge und der Weg zu mehr Wettbewerbsfähigkeit bleiben beschwerlich.“

Commerzbank: Ralph Solveen

„Der Ifo-Index liegt im Rahmen unserer Erwartungen. Wir gehen davon aus, dass die Verbesserung auch auf einen gewissen Arbeitstageeffekt zurückzuführen ist. Insgesamt kann man aber sagen, dass die Stimmung in der Wirtschaft ganz ordentlich ist, ohne dass jetzt gleich der Boom ausbrechen wird. Die Erholung dürfte in der zweiten Jahreshälfte weitergehen. Ein gewisser Aufwärtstrend ist auf jeden Fall zu erkennen.“

Dekabank: Andreas Scheuerle

„Erwartungsgemäß hat sich das Geschäftsklima nur sehr leicht verbessert. Enttäuschend waren die Geschäftserwartungen, die nicht zulegen konnten (-0,1 Punkte). Möglicherweise machen sich hier Sorgen um den chinesischen Absatzmarkt bemerkbar. Dagegen wurden die laufenden Geschäfte der Unternehmen stärker beurteilt, was sich schon in den Einkaufsmanagerindizes andeutete. Die Erholung ist immer noch stark vom aktuellen Geschehen getrieben, für eine euphorischere Einschätzung der Zukunft gibt es noch zu viele Unwägbarkeiten. Die deutsche Konjunktur fasst insgesamt weiter Tritt, doch die Marschgeschwindigkeit bleibt in diesem Jahr weiterhin hinter den Erwartungen zurück.“

VP Bank: Thomas Gitzel

„Das sind zunächst gute Signale. In Anbetracht der harzigen weltwirtschaftlichen Entwicklung ist der Anstieg wichtiger Konjunkturbarometer umso erfreulicher. Eine anziehende Binnenkonjunktur und Hoffnungsschimmer auf ein Ende der Rezession in der Euro-Zone dürften das deutsche Wachstum im 2. Halbjahr moderat beschleunigen. Der leichte Fall der Geschäftserwartungen bleibt ein Wermutstropfen und bringt eine Verunsicherung zum Ausdruck. Letztere ist auch angebracht: Wie stark die Abkühlung der chinesischen Konjunktur die deutschen Unternehmen in den kommenden Monaten treffen wird, muss sich erst noch zeigen. Euphorie ist deshalb nicht angebracht. Dass die deutsche Wirtschaft den weltwirtschaftlichen Hürdenlauf relativ unbeschadet überstehen dürfte, bleibt aber allemal ein Grund zur Freude.“

Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe sieht derzeit noch keine negativen Folgen der chinesischen Wachstumsschwäche für die deutsche Wirtschaft: „Da ist es zu früh, Alarm zu schlagen.“ Die Exporterwartungen gingen nach dem starken Anstieg im Vormonat allerdings etwas zurück. Die Firmen erwarten jedoch weiterhin Impulse vom Auslandsgeschäft. Eine anziehende Binnenkonjunktur und Hoffnungsschimmer auf ein Ende der Rezession in der Euro-Zone dürften das deutsche Wachstum im zweiten Halbjahr moderat beschleunigen, meint Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank.

Die positive Stimmung in den Chefetagen passt zu den Daten, die das Markit-Institut bei seiner monatlichen Befragung von Einkaufsmanagern eingeholt hat. Dieses Barometer signalisierte eine kräftige Wachstumsbelebung und markierte den höchsten Stand seit fünf Monaten. Als Treiber wirkten die anziehende Binnennachfrage und der private Konsum. Zu Jahresbeginn hatte der lange Winter der Wirtschaft stark zugesetzt, so dass nur ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent heraussprang. „Wir bewegen uns auf einem stabilen, guten Niveau. Wir sind jetzt in einer Aufholphase“, betonte Ifo-Experte Wohlrabe. Er rechnet für das zweite Quartal mit einem Plus von 0,9 Prozent. In den beiden Folgequartalen soll sich das Wachstum dann bei 0,4 Prozent einpendeln.

Der Ifo-Index gilt als wichtigster Stimmungsindikator für die deutsche Wirtschaft. Bereits in den vergangenen zwei Monaten war der Index gestiegen. Seit längerem bewegt sich der Index auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Nach drei Veränderungen in eine Richtung sprechen Volkswirte von einer möglichen Trendwende. Der Ifo-Index wird monatlich durch die Befragung von rund 7000 Unternehmen ermittelt.

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

25.07.2013, 10:23 Uhr

Soll man diesen Quatsch noch ernst nehmen? Gibt es markttechnisch gesehen eigentlich noch irgendwo Zahlen die mit der Realität Hand in Hand laufen? Anscheinend nicht...

Account gelöscht!

25.07.2013, 10:24 Uhr

Soll man diesen Quatsch noch ernst nehmen? Gibt es markttechnisch gesehen eigentlich noch irgendwo Zahlen die mit der Realität Hand in Hand laufen? Anscheinend nicht...

Account gelöscht!

25.07.2013, 10:33 Uhr

Nach einer kürzlich durchgeführte Umfrage, haben sich die Mehr heit der deutschen Führungskräfte für eine Weiterführung
dieser Regierung ausgesprochen.Obwohl selbst die Bundesbank nicht von einer Erholung ausgeht,sind diese Herren optimistisch.Könnte es an der kommenden BT-Wahl liegen?
Ein Schelm wer böses dabei denkt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×