Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.08.2013

10:52 Uhr

Konjunktur

Ifo-Geschäftsklimaindex steigt erneut

Die Laune in den Chefetagen ist so gut wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr. Bei allem Zweckpessimismus zeigt der vierte Ifo-Anstieg in Folge, dass es in den kommenden Monaten weiter aufwärtsgehen dürfte.

aktueller Konjunkturausblick

„Das Wachstum in Deutschland bleibt stabil“

aktueller Konjunkturausblick: „Das Wachstum in Deutschland bleibt stabil“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

MünchenDie Stimmung der deutschen Wirtschaft ist so gut wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr. Bereits zum vierten Mal in Folge verbesserte sich im August der Ifo-Geschäftsklimaindex und kletterte überraschend deutlich von 106,2 auf 107,5 Punkte. Das ist ein Jahreshöchststand und belegt den Optimismus in den Chefetagen vieler Unternehmen. Für die Konjunktur erwarten Experten nun eine Trendwende. Es geht wieder nach oben. „Die deutsche Wirtschaft schaltet einen Gang höher“, sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen am Dienstag in München. Fachleute hatten glatt 107 Punkte erwartet.

Die Firmen bewerten dabei nicht nur ihre aktuelle Lage besser, auch die Erwartungen an die kommenden Monate haben sich bei vielen Unternehmen weiter aufgehellt. „Die erneute Verbesserung des Geschäftsklimas passt ins Bild. Die Konjunktur hat im zweiten Quartal überzeugt, eineinhalb Jahre Rezession in Europa sind erst einmal vorbei“, sagte Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). 2014 rechnet er für Deutschland mit einem Wachstum von zwei Prozent - „sofern sich Europa weiter aus der Rezession herausarbeiten kann“.

Das sagen Ökonomen zum Ifo-Index

Heinrich Bayer (Postbank):

„Das war kein Riesensprung, aber besser als erwartet. Schön, dass der Aufstieg auf breiter Front kommt, bei der Lage und den Erwartungen. Die deutsche Konjunktur bekommt immer mehr Boden unter den Füßen. Das kräftige Wachstum im zweiten Quartal war allerdings ein Ausreißer – vor allem wegen des Wetters. Der Großhandel, der oft künftige Trends vorgibt, hat deutlich zugelegt. Das ist ein positives Zeichen. Wir haben eine robuste Entwicklung. Der Aufschwung wird sich fortsetzen, aber nicht mit überschäumenden Wachstumsraten.“

Jörg Zeuner (KfW-Chefvolkswirt):

„Die erneute Verbesserung des Geschäftsklimas passt ins Bild. Die Konjunktur hat im zweiten Quartal überzeugt, eineinhalb Jahre Rezession in Europa sind erst einmal vorbei. Für Deutschland rechnen wir in diesem Jahr mit einem Realwachstum von 0,6 Prozent. 2014 dürfte es sich auf zwei Prozent beschleunigen – sofern sich Europa weiter aus der Rezession herausarbeiten kann. Dann werden sich auch die Unternehmensinvestitionen hierzulande beleben. Für die nachhaltige Überwindung der strukturellen deutschen Investitionsschwäche ist das trotz allem Optimismus aber noch zu wenig.“

Thomas Gitzel (VP Bank):

„Die deutsche Wirtschaft gewinnt an Schwung. Der Anstieg des Konjunkturbarometers ergänzt die insgesamt soliden Wirtschaftsdaten der vergangenen Wochen. Die robuste deutsche Binnenwirtschaft und die besser als erwartete Lage in den angeschlagenen Ländern der Euro-Zone sind maßgebliche Treiber des verbesserten Ausblicks.

Die Konsequenzen der sich zuspitzenden Lage in Syrien sind im Ifo-Index noch nicht enthalten. Sollte es zu einem Militärschlag gegen das Assad-Regime kommen, dürfte die Unsicherheit im Unternehmerlager wieder wachsen. Darüber hinaus bleibt das internationale Umfeld in Anbetracht des schleppenden Welthandels anspruchsvoll. Für weitere signifikante Anstiege des Ifo-Indexes müssen nun außenwirtschaftliche Impulse hinzukommen. Zunächst aber gilt, dass das Wirtschaftswachstum im zweiten Halbjahr einen Gang höher schaltet. Ob es jedoch für eine noch höhere Dynamik im Jahr 2013 reicht, bleibt mit etlichen Fragezeichen versehen.“

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, traut den Daten nur bedingt, vor allem die Lage in den aufstrebenden Staaten wie Indien oder Brasilien sei weiter eher unsicher. „Trotz des starken Ifo-Geschäftsklimas stellt sich die Frage, ob die deutsche Konjunktur den zunehmenden Problemen in den Emerging Markets (Schwellenländern) trotzen wird“, sagte Krämer. „Man sollte die jüngsten sehr starken deutschen Konjunkturzahlen nicht bedenkenlos in die Zukunft fortschreiben.“ Dennoch dürfte es im zweiten Halbjahr weiter solide bergauf gehen.

Auch der Volkswirt der Berenberg Bank, Christian Schulz, warnt, dass nicht alles in der Weltwirtschaft derzeit rund laufe. Doch er betont zugleich, dass die Lage in der krisengeschüttelten Eurozone inzwischen sehr viel stabiler sei. Das Risiko eines Zusammenbruchs habe sich deutlich verringert. Das gebe den Firmen hierzulande mehr Selbstvertrauen und Zuversicht. Das zeigen die Ifo-Zahlen deutlich. Die Geschäftserwartungen kletterten von 102,4 auf 103,3 Punkte und damit ebenfalls stärker als von Fachleuten vorhergesagt.

Der Optimismus für die weitere Geschäftsentwicklung habe zugenommen, sei aber noch „etwas verhalten“, sagte Carstensen. Getrieben wurde der Anstieg auch von der deutlich besseren Beurteilung der Lage. Der Wert stieg im August von 110,1 um fast zwei Punkte auf 112,0 Punkte. Insgesamt steht der Ifo-Index so gut da wie seit April 2012 nicht mehr. 2013 hatte der Wert zuletzt im Februar mit 107,4 Punkten auf ähnlich hohem Niveau gelegen.

Den letzten deutlichen Rückgang hatte es im Januar gegeben. Seither ging es lediglich im März und April zweimal in Folge leicht abwärts. Erst nach drei Veränderungen in eine Richtung sprechen Volkswirte von einer möglichen Trendwende. Der Ifo-Index wird monatlich durch die Befragung von rund 7000 Unternehmen ermittelt und gilt als wichtigstes Barometer für die Lage der deutschen Wirtschaft.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

otto15

27.08.2013, 10:26 Uhr

Hochstände des IFO Index waren schon immer ein Signal zum Aussteigen an den Börsen - die Profis haben sich längst eingedeckt. Im übrigen: Das Ende der Geldschwemme naht.

holyowly

27.08.2013, 11:12 Uhr

Da sieht man mal wie weit weg Manager von dem realen Tagesgeschäft sind!

Es gibt nicht nur das berühmte Schönsaufen sondern, verstärkt in Firmenzentralen, das Schönreden.

Und so am Rande:
Messe Tendence Frankfurt - Ausstellerrückgang von ca. 30% in diesem Jahr klingt ja nicht gerade nach einer Aufhellung des 'Klimas'.

Kartenhaus

27.08.2013, 11:17 Uhr

Wahlkampf ist das Stichwort. Manager neigen nunmal eher zur CDU. Deshalb wird jetzt gute Stimmung suggeriert. Bin mal gespannt wie die Befragungen nach der Wahl aussehen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×