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24.06.2013

12:23 Uhr

Konjunktur

ifo-Geschäftsklimaindex steigt zweiten Monat in Folge

Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juni leicht gestiegen: Das wichtigste Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft liegt nun bei 105,9 Punkten – im Vormonat hatte der Index noch um 1,3 auf 105,7 Punkte zugelegt.

Container auf dem Container Terminal Altenwerder im Hamburger Hafen. dpa

Container auf dem Container Terminal Altenwerder im Hamburger Hafen.

MünchenDie Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg von 105,7 Zählern auf 105,9 Punkte, teilte das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mit. Das ist der zweite Anstieg in Folge.

Die meisten von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragten Volkswirte waren davon ausgegangen, dass die Stimmung in der deutschen Wirtschaft nach dem überraschenden Anstieg im Vormonat dieses Mal auf der Stelle treten würde. Im Schnitt rechneten die Experten mit einer Stagnation bei 105,7 Punkten.

„Das sieht eigentlich sehr gut aus“, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe in München. Seit langem liege der Index nun über seinem langjährigen Durchschnitt. Dieser beträgt 101,1 Punkte - ein Wert, den das wichtigste Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft zuletzt im Oktober 2012 unterboten hatte. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres liegt der Schnitt bei 105,7 Punkten. „Wir bewegen uns auf einem wirklich hohen Niveau“, sagte Wohlrabe. Auch wenn der Index entgegen der Erwartungen steigt, die Unternehmen bewerteten ihre Lage etwas weniger positiv als noch im Mai. „Mit Blick auf den zukünftigen Geschäftsverlauf nimmt der Optimismus aber weiter zu. Die deutsche Konjunktur hält Kurs“, sagte ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen. Vor allem die Exporterwartungen hätten sich deutlich verbessert. Die Autobranche blickt den Angaben zufolge optimistisch nach vorn. Dagegen kühlte sich das Geschäftsklima im Groß- und Einzelhandel sowie in der Baubranche und bei den Dienstleistern ab.

Das sagen Ökonomen zum Ifo-Index

Jörg Zeuner (KfW-Chefvolkswirt):

„Die Unternehmen bleiben im Juni zuversichtlich und erwarten wie wir weiterhin eine gute Binnenkonjunktur. Die verheerende Flut in Süd- und Ostdeutschland hat diesen Ausblick kaum beeinträchtigt. Das ist ein gutes Signal und bestätigt unsere Erwartung einer moderaten konjunkturellen Belebung im zweiten Halbjahr. Risiken im internationalen Umfeld bestehen aber fort, wie nicht zuletzt die heftigen Reaktionen der Anleger auf die geldpolitischen Verlautbarungen der US-Notenbank zeigen.“

Carsten Brzeski (ING Bank):

„Die Hauptrisiken für die deutsche Wirtschaft kommen von außen, nicht von innen. Die Binnennachfrage sollte dieses Jahr solide bleiben - getrieben von niedriger Inflation, niedrigen Zinsen und Lohnerhöhungen. Die Hauptrisiken für die deutsche Wirtschaft bleiben eine Stagnation bei ihren wesentlichen Handelspartnern in der Euro-Zone, allen voran Frankreich, und eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft.
Insgesamt ist es nicht mehr sonderlich aufregend, aber die heutigen Ifo-Daten bestätigen einfach das bekannte Bild, dass die deutsche Wirtschaft rund läuft.“

Ralf Umlauf (Helaba):

„Es ist schwer abzuschätzen, inwieweit das Ergebnis durch die Überschwemmungen der letzten Wochen beeinträchtig wurde. Dies dürfte insbesondere für die Lagebeurteilung gelten. Vor diesem Hintergrund ist es erfreulich, dass die Geschäftserwartungen zugelegt haben. Es ist ein Zeichen dafür, dass ungeachtet möglicher Belastung am aktuellen Rand die deutsche Wirtschaft das Wachstum auch im Sommer fortsetzen kann.“

Christoph Weil (Commerzbank):

„Die Erwartungen der Unternehmen sind stark gestiegen. Das weist darauf hin, dass das dritte Quartal besser laufen wird als bisher angenommen. Es ist ein positives Signal, dass der Aufschwung an Fahrt gewinnen könnte.“

Jens Kramer (NordLB)

„Im Vergleich zum Rest Europas ist die deutsche Wirtschaft ziemlich stark. Und sie wird solide bleiben für den Rest des Jahres.“

Alexander Krüger (Lampe)

„Von einer echten Stimmungsaufhellung kann mit Blick auf das heutige Ergebnis kaum gesprochen werden. Offen ist, wie schnell die Wachstumslokomotive fahren wird.“

„Deutschland steht weiter besser da als der Rest des Euroraums“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Dennoch bleibt Krämer vorsichtig, zu groß seien die Risiken, die weiterhin für die Weltwirtschaft bestehen. „Denn die anderen Frühindikatoren zeigen nicht so klar nach oben. Die Aussichten sind weniger rosig, als es das Ifo-Geschäftsklima nahelegt.“

Zuvor hatte der Wert im März und April zweimal in Folge Punkte eingebüßt. Erst nach drei Veränderungen in eine Richtung, sprechen Volkswirte von einer möglichen Trendwende.

Sinkende Investitionen und Exporte sowie witterungsbedingte Behinderungen am Bau hatten die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal nur um 0,1 Prozent wachsen lassen. Die Bundesbank erwartet aber ein Anziehen der Wirtschaft im zweiten Quartal. Für das Gesamtjahr dürfte es den meisten Prognose zufolge aber nur für ein Plus von etwa 0,3 Prozent reichen.

Der Ifo-Index gilt als wichtigster Stimmungsindikator für die deutsche Wirtschaft. Lange bevor sich das Auf und Ab in amtlichen Zahlen niederschlägt, bildet der seit Jahrzehnten erhobene Wert recht zuverlässig die Lage ab. Dafür befragen die Wirtschaftsforscher des Münchner Ifo Instituts einmal pro Monat rund 7000 Firmen – von kleinen Geschäften bis hin zu großen Konzernen mit tausenden Beschäftigten.

Kommentare (5)

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Anleihenspezialist

24.06.2013, 10:17 Uhr

Wohl alle Hotels und Vermieter an der Ost- und Nordsee befragt?

Account gelöscht!

24.06.2013, 10:28 Uhr

LOL :D mehr fällt mir dazu nicht ein :D

Kartenhaus

24.06.2013, 11:14 Uhr

Der DAX kann sich vor Freude kaum halten. Offenbar sehen die Spekulanten eher nach China und auf die nächste Stufe der Euro-Eskalation.

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