Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.02.2016

19:52 Uhr

Konjunktur in den USA

US-Wirtschaft vertreibt Rezessionssorgen

Die US-Wirtschaft überrascht mit einem stärkeren Wachstum als gedacht. Auch die Verbraucherausgaben fielen im Januar besser aus als erwartet. Laut Experten dürften die konjunkturellen Sorgenfalten somit kleiner werden.

Yellen hatte wegen der Abkühlung die Sorge geäußert, dass die US-Wirtschaft vom Weg abkommen könnte. Reuters

US-Notenbank-Chefin Janet Yellen

Yellen hatte wegen der Abkühlung die Sorge geäußert, dass die US-Wirtschaft vom Weg abkommen könnte.

WashingtonDie US-Wirtschaft wächst stärker als gedacht und lässt damit der Notenbank Spielraum für weitere Zinserhöhungen. Im vierten Quartal 2015 legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aufs Jahr hochgerechnet um 1,0 Prozent zu, wie das Handelsministerium am Freitag mitteilte. Damit fiel die Zahl höher aus als mit 0,7 Prozent zunächst geschätzt.

Noch im Sommer lag die Zuwachsrate allerdings bei 2,0 Prozent. US-Notenbankchefin Janet Yellen, die im Dezember die Zinswende einleitete, hatte wegen der Abkühlung die Sorge geäußert, dass die Wirtschaft vom Weg abkommen könnte. Diese Bedenken sind nun etwas in den Hintergrund gerückt, zumal auch die für die US-Konjunktur wichtigen Verbraucherausgaben im Januar mit 0,5 Prozent etwas stärker anzogen als erwartet.

An der Wall Street sorgte dies für Kursgewinne. Die stärker als erwartet ausgefallenen Daten lieferten auch dem Dollar Rückenwind. Der Euro rutschte unter die Marke von 1,10 Dollar auf 1,0946 Dollar ab. Der Dax baute in Frankfurt seine Gewinne etwas aus.

Die konjunkturellen Sorgenfalten dürften damit kleiner werden, sagt Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Belastend wirkten zuletzt die Konjunkturabkühlung in China und die Folgen der jüngsten Börsenturbulenzen. Zudem verteuert der starke Dollar US-Produkte auf den Weltmärkten.

Gewinner und Verlierer der Fed-Zinswende

Die Entscheidung

Die US-Notenbank Fed hat die Zinswende gewagt: Mit der ersten Anhebung seit fast zehn Jahren läutet sie das Ende der Ära des ultra-billigen Geldes ein. Auch wenn die Währungshüter die geldpolitischen Zügel nur sanft angezogen haben, hat das an den internationalen Finanzmärkten große Effekte. Hier ein Überblick über die Gewinner und Verlierer des Manövers.

Euro unter Druck

Anders als in den USA ist in der Euro-Zone der Nullzins längerfristig zementiert. Daher dürfte die Gemeinschaftswährung wohl tendenziell weiter abwerten. Hiervon profitieren die Exporteure aus der Euro-Zone, da ihre Produkte im Dollar-Raum günstiger werden.

Verschuldung in Dollar wird zum Bumerang

Höhere US-Zinsen bedeuten höhere Finanzierungskosten für Firmen, die sich in Dollar verschuldet haben. Das könnte eine zusätzliche Belastung sein es für jene Unternehmen, die keine oder nur geringe Dollar-Einnahmen hätten. Firmen in China halten Schätzungen zufolge ein Viertel ihrer Unternehmenskredite in Dollar, machen ihre Gewinne aber in Yuan.

Schwellenländer geraten unter Druck

Deren Regierungen müssen sich darauf einstellen, dass verstärkt Geld aus ihren Ländern abfließt. Sie gehörten zu den Profiteuren der bisherigen Fed-Politik, da sie lange ausländische Anleger mit hohen Zinsen und starkem Wirtschaftswachstum anlockten. Nun ziehen Investoren ihr Geld wieder ab und stecken es in US-Papiere, weil diese jetzt weiter steigende Renditen versprechen und als weniger riskant gelten. 

Kaum noch Impulse für die Wall Street

Experten fürchten, dass die Wall Street kaum noch Luft nach oben habe. Dazu sind die dortigen Aktien bereits zu teuer.

Deutsche Banken bleiben gelassen

Die deutschen Privatbanken erwarten keine direkten Auswirkungen der Fed-Entscheidung auf ihre Geschäfte. „Die Ertragsunterschiede zwischen US-Banken und deutschen Instituten sind nicht auf die Geldpolitik in beiden Ländern zurückzuführen”, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Die Hauptgründe für die geringere Profitabilität der hiesigen Häuser sieht er im harten Wettbewerb und in der schwächeren Konjunktur in Europa. Die Fed sei beim Ankurbeln der Wirtschaft erfolgreicher gewesen.

Rückenwind für die Versicherer

Für Versicherer ist die US-Zinswende positiv. Denn nach Einschätzung des neuen Chefvolkswirts des Branchenverbandes GDV, Klaus Wiener, werden nun die Renditen der US-Anleihen moderat steigen. Tendenziell würden auch die Zinsen der Bundesanleihen anziehen. Für Assekuranzen bedeute das mehr Anlagechancen. Kosten für die Absicherung des Währungsrisikos zehrten allerdings einen Teil des Zinsvorteils wieder auf.

Die Zentralbank Fed fährt geldpolitisch auf Sicht, weil steigende Zinsen die Wirtschaft abwürgen könnten. Mehrere Fed-Führungsmitglieder betonten jedoch, die Gefahr einer Rezession sei gering. Manche Ökonomen erwarten für das erste Quartal nunmehr bereits ein Wachstum von bis zu 2,5 Prozent.

Viele Experten gehen davon aus, dass die Notenbank dieses Jahr noch mindestens zwei Mal die Geldpolitik straffen wird. Zuletzt zogen auch die Preise stärker an als erwartet und erhöhten damit die Aussichten auf Zinserhöhungen in diesem Jahr. Die Fed strebt bei der Inflation eine Zielmarke von zwei Prozent an.

Die Währungshüter blicken dabei insbesondere auf die jährlichen Preisveränderungen bei den persönlichen Ausgaben der Verbraucher, wobei die schwankungsanfälligen Kosten für Energie und Nahrungsmittel herausgerechnet werden. Der entsprechende Wert lag im Januar mit 1,7 Prozent bereits deutlich näher am Zielwert der Fed als im Vormonat mit 1,5 Prozent.

Die Notenbank soll Vollbeschäftigung fördern und stabile Preise gewährleisten. Auf dem Arbeitsmarkt ist sie nach Ansicht von Experten fast am Ziel. Die Fed hatte daher im Dezember erstmals seit fast zehn Jahren die Zinsen angehoben - auf ein Niveau von 0,25 bis 0,5 Prozent.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×