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10.02.2016

15:11 Uhr

Konjunktur in Deutschland

Deutsche Bank und Öl bereiten Wirtschaft Sorgen

Deutsche Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage so gut wie noch nie. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Dem stehen allerdings viele Risiken gegenüber.

Das Frankfurter Kreditinstitut gilt als Sanierungsfall und hat im vergangenen Jahr tiefrote Zahlen geschrieben. Reuters

Deutsche Bank in Frankfurt

Das Frankfurter Kreditinstitut gilt als Sanierungsfall und hat im vergangenen Jahr tiefrote Zahlen geschrieben.

BerlinDer Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bleibt angesichts zahlreicher Konjunkturrisiken vorsichtig und erwartet dieses Jahr nur ein moderates Wirtschaftswachstum. „Richtig mit Volldampf läuft unser Konjunkturmotor nicht“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben am Mittwoch in Berlin. Daher rechne der Verband damit, dass die Wirtschaft 2016 nur um 1,3 Prozent zulegen werde. Das ist weniger als die 1,7 Prozent des Vorjahres und auch weniger als die Bundesregierung sowie die meisten Experten schätzen. Sorgen bereiten der Wirtschaft die Schwäche der Deutschen Bank, die Börsenturbulenzen sowie der massive Ölpreis-Verfall.

„Einem kräftigen Wachstum stehen derzeit zu viele internationale und nationale Risiken entgegen“, so der DIHK. Andererseits habe die jüngste Umfrage des Verbandes unter gut 27.000 Firmen eine Aufhellung des gegenwärtigen Bildes ergeben: „Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage insgesamt so gut wie noch nie.“ Auch die Geschäftserwartungen hätten sich zumindest stabilisiert. Die jüngste Eintrübung vom Herbst sei aber nicht wettgemacht worden. So schlecht wie in kaum einer Branche ist dabei die Stimmung im Finanzgewerbe.

In der Exportindustrie wächst laut DIHK-Umfrage wieder die Zuversicht, ohne dass der Optimismus so groß wie in früheren Jahren ist. 2015 hatte deutsche Wirtschaft so viel ins Ausland verkauft wie noch nie, doch waren die Ausfuhren im Dezember merklich gesunken. Das schürte die Sorge vor einem schwachen Jahr 2016. Bei den Investitionen gehe es daher nur schleppend aufwärts, erklärte der DIHK. Die erhoffte kräftige Belebung werde es auch 2016 nicht geben. Weiterhin wollten viele Betriebe aber Personal einstellen.

Die Verlierer der Weltwirtschaft

Großbritannien

2014: 2,435 ; 2030: 3,586 ; 2050: 5,744 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Zwar wird Großbritannien auch 2030 noch im Ranking der Top-Volkswirtschaften mit Platz zehn in der Top Ten sein. Doch 2050 sieht das anders aus: Rang elf.

Italien

2014: 2,066 ; 2030: 2,591 ; 2050: 3,617 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Italien wird in 35 Jahren auf Rang 18 zurückfallen. Die Prognose zeigt deutlich, dass Europa im weltweiten Vergleich weiter an wirtschaftlichem Gewicht verliert.

Frankreich

2014: 2,587; 2030: 3,418; 2050: 5,207 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Frankreich kommt schafft es bereits 2030 auf Rang elf und rutscht bis 2050 auf Platz 13.

Russland

2014: 3,559 ; 2030: 4,854 ; 2050: 7,575 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Russland wird bis 2050 auf Platz acht verdrängt.

Deutschland

2014: 3,621 ; 2030: 4,590 ; 2050: 6,338 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Drei europäische Staaten gehören derzeit zu den zehn größten Volkswirtschaften der Welt: Deutschland, Frankreich und Großbritannien. 2050 wird nur noch die Bundesrepublik in den Top Ten der wirtschaftlich leistungsfähigsten Staaten vertreten sein. Deutschland wird bereits 2030 auf Rang acht zurückfallen.

Japan

2014: 4,788 ; 2030: 6,006 ; 2050: 7,914 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Während Japan auch 2030 den vierten Platz verteidigt, wird das Land bis 2050 drei Ränge abrutschen und auf Rang sieben landen.

USA

2014: 17,416 ; 2030: 25,451 ; 2050: 41,384 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Auch wenn die USA 2020 den zweiten Platz noch verteidigen können, werden sie 2050 von Indien auf Platz drei verdrängt. Dann wird drittstärkste Volkswirtschaft USA fast zweieinhalbmal so groß sein wie Indonesien (2050: Rang vier).

Immer öfter sorgen sich Wirtschaftsvertreter wie Wansleben um die Deutsche Bank. Ihre Schwäche sei kein Einzelfall, sondern ein „flächendeckendes Phänomen“. Die Wirtschaft brauche aber starke Geldhäuser. Das Frankfurter Kreditinstitut gilt als Sanierungsfall und hat im vergangenen Jahr tiefrote Zahlen geschrieben. Viele Wettbewerber spüren angesichts der Mini-Zinsen und schärferer Auflagen nach der Finanzkrise ebenfalls Gegenwind. Deswegen stockt die Kreditvergabe und damit die Wirtschaft in vielen europäischen Ländern.

Auch der Ölpreis-Verfall ist aus DIHK-Sicht mittlerweile ein Risiko, obwohl vor einigen Monaten noch die Einschätzung vorherrschte, dieser könnte der deutschen Wirtschaft Impulse verleihen. Nun drohten Ölförder-Staaten aber in Probleme zu geraten, in der betroffenen Branche gebe es zudem Abschreibungen und Insolvenzen seien möglich. Am Ende könne dies auch Banken treffen und die Finanzierungsbedingungen für Firmen beeinträchtigen.

Der DIHK warnte trotz Flüchtlingskrise vor der Wiedererrichtung von Grenzen in Europa. „Als Deutschland leben wir von offenen Grenzen“, so Wansleben. Gehe der Zug in eine andere Richtung, werde das Deutschland viel Geld und viele Jobs kosten.

Von

rtr

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