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17.06.2015

14:47 Uhr

Konjunktur in Deutschland

Zweifel sind angebracht

VonAxel Schrinner

Mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute nehmen ihre Konjunkturprognosen leicht zurück – doch zugleich zeigen sich Deutschlands Konjunkturforscher optimistisch.. Wie passt das zusammen? Ein Kommentar.

Für das laufende Jahr wird rechnen die Konjunkturforscher nun mit einem Wachstum von 1,8 bis 1,9 Prozent. dpa

Hamburger Hafen

Für das laufende Jahr wird rechnen die Konjunkturforscher nun mit einem Wachstum von 1,8 bis 1,9 Prozent.

Führende Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturprognosen für Deutschland leicht gesenkt. Für das laufende Jahr wird nun mit 1,8 bis 1,9 Prozent gerechnet. Für 2016 ist die Spanne mit 1,7 bis 2,1 Prozent etwas größer. Im Frühjahr waren die meisten Wirtschaftsforscher vor allem für das laufende Jahr noch etwas zuversichtlicher gewesen. Zwei Prozent Wachstum schienen so gut wie sicher.

Doch woher kommt dieser Trübsinn? Er resultiert nicht etwa aus gedämpften Erwartungen für die Zukunft, sondern aus dem Blick in die Vergangenheit auf das Startquartal 2015. Dessen Einfluss auf das Jahreswachstum ist nämlich größer als der jedes anderen Quartals, weil es die Startrampe für den weiteren Jahresverlauf bestimmt. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts war die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal lediglich um 0,3 Prozent zum Vorquartal gewachsen – die Institute hatten dagegen bis zu 0,7 Prozent erwartet.

Axel Schrinner

Axel Schrinner

Redakteur für Steuer- und Finanzpolitik.

Zweifel an amtlichen Daten gelten unter Makroökonomen als verpönt – selbst wenn sie offensichtlich sind. Eine der zentralen Größen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ist der Bruttolohn- und Gehaltssumme. Hier weist die Statistik für das erste Quartal ein Plus von lediglich 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal aus. Das wäre das schwächste Wachstum seit fünf Quartalen.

Dabei hätte schon allein der Mindestlohn eigentlich für einen kräftigen Schub sorgen müssen. Zudem wuchsen auch die direkt von der Lohnentwicklung abhängigen Lohnsteuer- und Beitragseinnahmen des Staates ähnlich kräftig wie in den vorangegangenen Quartalen. Beides zusammen macht eine ausgebremste Lohnsumme wenig plausibel. Gut möglich, dass also bei der nächsten Statistikrevision Ende August das Wachstum im ersten Quartal nach oben revidiert wird.

Und weil Konjunkturprognosen eben zu einem großen Teil aus einem Blick in die Vergangenheit resultieren, werden sich dann womöglich die Wachstumsprognosen plötzlich wieder nach oben drehen.

Fünf Gründe für Deutschlands Aufschwung

Starker Konsum

Weil Sparen sich wegen der Mini-Zinsen nicht lohnt, tragen die Verbraucher ihr Geld in die Geschäfte oder reisen viel. Löhne und Gehälter steigen zudem weiter kräftig.

Billiges Öl

Der Rückgang der Rohölpreise um nahezu die Hälfte seit dem Sommer 2014 entlastet Unternehmen und Verbraucher. Dies wirkt wie ein kostenloses Konjunkturprogramm.

Schwacher Euro

Die Exporteure jubeln, weil der im Verhältnis zum US-Dollar extrem schwache Euro Ausfuhren außerhalb des Euroraums günstiger macht.

Boom in den USA

Die US-Wirtschaft brummt – und die Amerikaner schätzen Waren „made in Germany“, gerade Luxusautos und Maschinen.

Job-Motor

Auf dem Arbeitsmarkt jagt ein Beschäftigungsrekord den nächsten. Bald dürften über 43 Millionen Deutsche erwerbstätig sein – das gibt Sicherheit und stützt den Aufschwung.


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