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12.12.2014

14:02 Uhr

Konjunktur

Industrie der Euro-Zone wächst kaum

Die Industrie der Euro-Zone kann ihre Produktion kaum steigern. Besonders das Ergebnis in Frankreich enttäuschte Experten. Doch der niedrige Ölpreis könnte nun der Industrie zur Hilfe kommen.

Die Industrie der Euro-Zone kommt fast zum Erliegen: Die Produktion stieg nur um 0,1 Prozent. dpa

Die Industrie der Euro-Zone kommt fast zum Erliegen: Die Produktion stieg nur um 0,1 Prozent.

BrüsselDie Industrie in der Euro-Zone kommt derzeit kaum vom Fleck. Die Betriebe in den 18 Ländern steigerten ihre Produktion im Oktober lediglich um 0,1 Prozent zum Vormonat, wie das europäische Statistikamt Eurostat am Freitag mitteilte.

Ein Hauptgrund für die unerwartet schwache Entwicklung war allerdings, dass Energieunternehmen wegen der milden Witterung 1,9 Prozent weniger erzeugten. In allen großen Ländern der Währungsunion fiel die Produktion schwach aus. „Besonders enttäuschend war das Ergebnis dabei in Frankreich“, sagte BayernLB-Experte Johannes Mayr. Dort ging die Produktion um 0,9 Prozent zurück. Aber auch in Italien (-0,1 Prozent) und Spanien (-0,4 Prozent) sank die Produktion zum Vormonat, während sie in Deutschland stagnierte.

Niedrige Inflation: Fluch oder Segen?

Warum ist Preisstabilität so wichtig?

Bei stabilen Preisen bleibt die Kaufkraft des Geldes erhalten. Das stützt den Konsum. Inflation steht hingegen für Geldentwertung: Bei steigenden Preisen können sich alle, die längerfristig gleichbleibende Einkommen beziehen wie Tarifgehälter, Renten oder Sozialleistungen, immer weniger von ihrem Geld kaufen. Auch für Menschen mit Geldvermögen und Sparer ist Inflation schlecht, weil sie am realen Wert des Vermögens knabbert.

Wie weit ist die Notenbank von ihrem Preisziel entfernt?

Das Statistische Bundesamt errechnete für September auf Jahressicht vorläufig einen Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland um 0,8 Prozent. Im Euroraum fiel die Inflation im September sogar auf 0,3 Prozent - den tiefsten Stand seit Oktober 2009. Insgesamt habe die EZB das Versprechen einer stabilen Währung aber eingehalten, betonte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erst am Montag: „In den ersten Fünfzehneinhalb Jahren nach der Euro-Einführung lag die durchschnittliche Inflationsrate bei 2,0 Prozent und damit grosso modo im Einklang mit dem Stabilitätsziel des EZB-Rats.“

Warum strebt die EZB eine höhere Teuerung an?

Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent gewahrt. Damit will die Notenbank ein Abrutschen in eine Deflation verhindern, also einen Preisverfall auf breiter Front. Denn in Erwartung einer weiter nachlassenden Inflation oder gar sinkender Preise könnten Unternehmen und Verbraucher Investitionen und Konsumausgaben zurückstellen. Das würde eine Spirale in Gang setzen, die die Konjunktur abwürgt und Arbeitsplätze kostet. Zudem hat EZB-Präsident Mario Draghi betont, dass der sehr geringe Preisauftrieb schlecht ist für Schuldner: „Ist die Inflation niedrig, sinkt der reale Wert der Schulden von Staaten und Unternehmen langsamer.“ Dadurch werde der Schuldenabbau erschwert.

Wie entwickeln sich die Preise für Nahrungsmittel?

Nach den vorläufigen Zahlen der Statistiker kosteten Nahrungsmittel im September 0,9 Prozent mehr als vor einem Jahr. Seither haben aber Discounter und Supermärkte eine neue Welle für Preissenkungen eingeläutet: So hatte Deutschlands Discount-Marktführer Aldi Anfang Oktober die Preise für Käse-Produkte wie Aufschnitt, Frisch- und Schmelzkäse oder Sahneprodukte zum Teil um mehr als 13 Prozent gesenkt. Der Billiganbieter begründete den Schritt mit gesunkenen Rohstoffpreisen. Seit Monatsmitte sind auch Pommes frites und Zucker billiger.

Was sind die Gründe für die niedrige Teuerung?

Insbesondere weltweit sinkende Energie- und Nahrungsmittelpreise haben die Inflation gedrückt. Zwischenzeitlich verbilligte zudem der starke Euro importierte Waren. Inzwischen hat die EZB eingegriffen und den Euro gegenüber dem Dollar geschwächt. Zwar führe der Rückgang des Ölpreises auch an den Zapfsäulen weiter zu sinkenden Preisen, erklärt der ADAC: Allerdings werde dieser Effekt auf die Spritpreise durch den schwächeren Euro teilweise aufgefangen. Trotzdem: Sprit wird seit Monaten immer billiger. Nach ADAC-Angaben kostete der Liter Diesel im September durchschnittlich 136,2 Cent. Vor einem Jahr mussten Autofahrer demnach noch 144,0 Cent bezahlen, vor zwei Jahren 152,4 Cent. Nach Angaben des Deutschen Mieterbunds sanken auch die Preise für Heizöl von Januar bis Juli um 5,4 Prozent.

„Die Industrie geht ohne Schwung ins Winterhalbjahr“, sagte Mayr. Sein Kollege Peter Vanden Houte von der ING-Bank betonte jedoch, der niedrige Euro-Kurs und der „dramatische Rückgang des Ölpreises“ würden der europäischen Industrie in den nächsten Monaten Rückenwind geben. In einigen kleineren Ländern fielen die Produktionszahlen deutlich positiver aus. In Irland gab es im Oktober ein Plus von neun Prozent, in Griechenland einen Anstieg um 2,5 Prozent.

Von

rtr

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