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05.04.2013

13:41 Uhr

Konjunktur

Industrie ergattert überraschend viele Aufträge

Die deutsche Industrie hat im Februar überraschend viele Aufträge erhalten und damit die Erwartungen der Ökonomen deutlich übertroffen. Schon im März könnte die Stimmung aber wieder kippen.

Die deutsche Industrie hat im Februar überraschend ein Auftragsplus erzielt. dpa

Die deutsche Industrie hat im Februar überraschend ein Auftragsplus erzielt.

BerlinDie deutsche Industrie hat überraschend ihr größtes Auftragsplus seit Oktober eingefahren. Die Betriebe sammelten im Februar 2,3 Prozent mehr Bestellungen ein als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 1,2 Prozent gerechnet. Damit konnten die Firmen den 1,6-Prozent-Rückgang vom Januar mehr als wettmachen. Nach Einschätzung des Ministeriums „wird die Schwächephase der Industrie mehr und mehr überwunden“. Positive Umfragedaten spiegelten sich nun zunehmend in den harten Konjunkturzahlen wider. „Damit haben sich die Voraussetzungen für eine wieder anziehende Investitionstätigkeit verbessert.“ Jüngste Umfragen signalisierten jedoch für März wieder einen Rückschlag für die Industrie samt Auftragsminus.

Impulse erhielten die Firmen vom Inlands- und Auslandsgeschäft. Die heimische Nachfrage stieg im Februar um 2,2 Prozent, die Exportaufträge kletterten um 2,3 Prozent. Auch die Orders aus der Euro-Zone entwickelten sich mit plus 1,6 Prozent wieder positiv, nachdem sie im Januar noch um knapp vier Prozent gesunken waren. Viele Handelspartner Deutschland aus der Währungsgemeinschaft stecken in einer tiefen Rezession.

Die neuen Wachstumsmärkte der deutschen Exporteure

Malaysia

Fast fünf Prozent Wachstum jährlich werden dem aufstrebenden Land bis 2025 vorausgesagt. Im gleichen Zeitraum könnte sich das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln. Ein Grund dafür ist die wachsende Wettbewerbsfähigkeit. Im internationalen Standort-Vergleich des World Economic Forum belegt Malaysia Platz 25, knapp hinter Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich (21), aber noch vor China (29) und Italien (42). "Malaysia ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt", lobt das Prognos-Institut.

Indonesien

Das muslimisch geprägte Land lockt mit einem riesigen Binnenmarkt: Indonesien ist gemessen an der Bevölkerung die Nummer vier der Welt. 240 Millionen Einwohner leben hier. Bis 2060 wird Indonesien zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt aufrücken und Deutschland überholen, sagt die Industriestaaten-Organisation OECD voraus. "Das rohstoff- und bevölkerungsreiche Land wird 2012 und 2013 um mehr als sechs Prozent wachsen", prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Die Wirtschaft des Inselreichs profitiert von niedrigen Zinsen und einer niedrigen Inflation."

Kolumbien

Reiche Rohstoffvorkommen von Kohle über Öl und Gold bis zu Seltenen Erden, die Öffnung der Volkswirtschaft und nicht zuletzt eine deutlich verbesserte Sicherheitslage durch die Friedensgespräche mit den marxistischen FARC-Rebellen lassen auch hier ein jährliches Wirtschaftswachstum um die fünf Prozent erwarten. Für die Weltbank zählt Kolumbien zur Spitzengruppe in den lateinamerikanischen Staaten, wenn es um den Schutz geistigen Eigentums und Regulierung geht. "Das Land wird damit für ausländische Investoren interessanter", so der DIHK. Zusätzliche Impulse kommen von dem in Kraft getretenen Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union. Der DIHK hält deshalb sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten Steigerungsraten von mehr als 20 Prozent für möglich.

Peru

Noch mehr Wachstum wird Peru vorausgesagt: Sechs Prozent kann die Wirtschaftsleistung dort pro Jahr zulegen. Auch Peru hat ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet und verfügt über viele Rohstoffe. Der DIHK hält deshalb ein Ausweitung des Handels um mehr als 20 Prozent für möglich. Besonders gefragt sein dürften Fahrzeuge. Dieser Markt lockt dem Prognos-Institut zufolge mit jährlichen Steigerungsraten von sieben Prozent.

Tunesien

Das World Economic Forum hält Tunesien, wo der arabische Frühling begann, für das wettbewerbsfähigste Land Afrikas. "Zu den größten Pluspunkten gehören die geografische Nähe zu Europa, eine belastbare Infrastruktur sowie die günstigen Lohnkosten", betont das Prognos-Institut. "Das Bildungssystem ist im regionalen Vergleich gut ausgebaut. Zudem haben zahlreiche Tunesier im Ausland studiert."

Vietnam

Schon jetzt zählt das asiatische Land mehr Einwohner als Deutschland, 2025 sollen es fast 100 Millionen sein. "Die konsumfreudige und zunehmend kaufkräftige Bevölkerung verspricht ein gewaltiges Absatzpotenzial: In kaum einem anderen Land Asiens wächst die Mittelschicht schneller als in Vietnam", so das Prognos-Institut. Mehr als sechs Prozent jährlich soll das Bruttoinlandsprodukt zulegen. Vietnam verfügt über unzählige billige Arbeitskräfte. Viele Unternehmen haben ihre Produktion deshalb schon aus dem teurer werdenden China in das Nachbarland verlagert.

Das größte Auftragsplus mit 3,5 Prozent verbuchten die Produzenten von Investitionsgütern wie Maschinen und Geräten. Hier legte das Inlandsgeschäft überdurchschnittlich zu. Hersteller von Vorleistungsgütern wie Chemikalien meldeten einen Anstieg von 0,9 Prozent, die Konsumgüterproduzenten ein Plus von 0,1 Prozent.

Allerdings zeigen Frühindikatoren, dass sich die deutsche Konjunktur nicht so rasch erholt wie erhofft. Denn das Ifo-Geschäftsklima hatte sich etwa im März nach vier Anstiegen in Folge eingetrübt. Auch der Markit-Einkaufsmanagerindex hatte der Industrie im Februar zwar erstmals seit einem Jahr wieder Wachstum bescheinigt. Im März jedoch hatte es laut der monatlichen Umfrage unter 500 Firmen aber wieder einen Rückschlag gegeben. Die Betriebe erlitten demnach ein Auftragsminus und ihre Produktion stagnierte nur noch.

Von

rtr

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