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02.02.2009

10:28 Uhr

Konjunktur

Industrie in Euro-Zone im Sturzflug

Die Industrie in der Euro-Zone hat ihre Talfahrt im Januar fast ungebremst fortgesetzt. Die Geschäfte liefen nochmals deutlich schlechter als im Dezember, wie aus der Markit-Umfrage unter 3 000 Firmen hervorgeht. Die Folgen sind immens: Es werden massiv Jobs abgebaut.

Die Betriebe bauten unterm Strich so viele Stellen ab wie noch nie seit Umfragebeginn 1997. Foto: ap Quelle: ap

Die Betriebe bauten unterm Strich so viele Stellen ab wie noch nie seit Umfragebeginn 1997. Foto: ap

HB BERLIN. Wegen der weltweiten Nachfrageschwäche drosselten die Unternehmen ihre Produktion erneut. Da die Bestellungen den zehnten Monat in Folge sanken und auch die Auftragspolster schmolzen, bauten die Betriebe unterm Strich so viele Stellen ab wie noch nie seit Umfragebeginn 1997. Der Markit-Einkaufsmanagerindex stieg zwar minimal auf 34,4 Punkte. Damit blieb er aber nahe dem Rekordtief von 33,9 Zählern im Dezember und deutlich unter der 50-Punkte-Marke, ab der er Wachstum signalisiert.

Die Euro-Zone steckt mitten in einer tiefen Rezession. Allen voran die Industrie leidet unter der globalen Nachfrageschwäche. Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung in den 16 Euro-Ländern in diesem Jahr um zwei Prozent schrumpft. Wegen der Konjunkturflaute rechnen die meisten Fachleute damit, dass die Europäische Zentralbank ihren Leitzins von 2,0 Prozent im März noch einmal senken wird.

Experten der Postbank werten die Einkaufsmanagerindizes indessen als Indiz für eine langsame Bodenbildung. Allerdings vollziehe sich diese auf sehr niedrigem Niveau, heißt es in einer Studie. Angesichts einer abermaligen Stimmungseintrübung bilde Deutschland derzeit die „Nachhut“. Grund dürfte die insgesamt sehr schlechte Verfassung der Weltwirtschaft sein, unter der Deutschland aufgrund seiner hohen Exportorientierung besonders leide.

Auch die Stimmung in den Chefetagen der ostdeutschen Industrie hat sich zum Jahresauftakt weiter verdüstert. Die Firmen beurteilten sowohl ihre Geschäftsaussichten als auch ihre Geschäftslage negativer als noch im November, wie das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) am Montag zu seiner Umfrage unter 300 Unternehmen mitteilte. Besonders die großen Unternehmen seien pessimistisch gestimmt. Allerdings fiel das Minus geringer aus als zum Jahresende 2008, als das Geschäftsklima deutlich einbrach. Zudem überwögen bei der Geschäftslage immer noch die positiven Urteile. Nahezu ausgeglichen seien die optimistischen wie pessimistischen Stimmen mit Blick auf die kommenden sechs Monate.

Besonders die Hersteller von Vorleistungsgütern leiden der Umfrage zufolge unter der Rezession. Hier sei der Stimmungseinbruch im Schlussquartal 2008 erdrutschartig gewesen, schrieben die Forscher. Die bis in den Herbst 2008 gemeldete Hochstimmung bei den Herstellern von Investitionsgütern sei ebenfalls verflogen. Verhältnismäßig gut sei dagegen die Stimmung bei den Konsumgüterproduzenten und dabei besonders bei den Nahrungsmittelfirmen.

Dessen ungeachtet kann die Konjunkturkrise dem Ausbildungsmarkt in Deutschland bisher wenig anhaben. Trotz Auftragsflaute und boomender Kurzarbeit will offenbar die ganz überwiegende Mehrheit der Betriebe ihr Angebot an Lehrstellen in diesem Jahr nicht zusammenstreichen, wie eine Stichprobenerhebung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) unter seinen Mitgliedsfirmen belegt.

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