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28.01.2009

15:18 Uhr

Konjunktur

IWF: Weltwirtschaft im Sturzflug

Kein Silberstreif am Horizont für die Weltkonjunktur: Der Internationale Währungsfonds rechnet in diesem Jahr mit dem dramatischsten Wirtschaftseinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Experten korrigierten ihre Wachstumsprognose vom November drastisch nach unten, und auch für Deutschland hat der IWF keine guten Nachrichten.

IWF-Direktor Strauss-Kahn hofft in der Krise auf eine Stabilisierung der Finanzmärkte. Foto: dpa dpa

IWF-Direktor Strauss-Kahn hofft in der Krise auf eine Stabilisierung der Finanzmärkte. Foto: dpa

HB WASHINGTON. Die Weltwirtschaft rutscht nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) im laufenden Jahr in eine tiefe Rezession. Das globale Wachstum werde 2009 nur noch 0,5 Prozent betragen, hieß es im Weltwirtschaftsausblick des IWF, der am Mittwoch vorgestellt wurde. Im November waren die Experten noch von einem Wachstum von 2,2 Prozent ausgegangen. Auch für das kommende Jahr kappten die Experten trotz der massiven fiskalpolitischen Impulse und der Zinssenkungen ihre Prognose auf 3,0 (bisher: 3,8) Prozent. Der Fonds spricht bei einem weltweiten Wachstum von unter drei Prozent von Rezession.

Eine nachhaltige Erholung setze voraus, dass der Finanzsektor wieder funktioniere und die Verstopfung an den Kreditmärkten gelöst werde, hieß es. Sowohl die globale Fiskal- als auch die Geldpolitik sorgten für eine „substanzielle“ Unterstützung der Wirtschaft. Den fiskalpolitischen Impuls in den G-20 Ländern beziffert der IWF für 2009 auf 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die globale Wirtschaft werde sich 2010 graduell erholen. Die Unsicherheit seien aber „ungewöhnlich hoch“.

Für die US-Wirtschaft rechnen die IWF-Experten mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von 1,6 Prozent in diesem Jahr. In der Euro-Zone werde es ein Minus von 2,0 Prozent geben, in Deutschland sogar ein Schrumpfen um 2,5 Prozent. Der Fonds sieht zudem wachsende Risiken einer Deflation - also einen Preisrutsch auf breiter Front - und plädiert dafür, die toxischen Papiere aus dem Banksystem auszulagern.

Alle Industriestaaten werden demnach zusammengenommen auf Jahresbasis 2009 um 2,0 (-0,3) Prozent schrumpfen. Der erste Rückgang seit dem Zweiten Weltkrieg fällt damit deutlich kräftiger als ursprünglich angenommen aus. Auch die erwartete Erholung 2010 fällt mit 1,1 (1,6) Prozent bescheidener als bisher erwartet aus.

Mit Blick auf Europa warnte der IWF zudem vor Spannungen in der Euro-Zone. „Die Euro-Zone braucht mehr wirtschaftspolitische Koordination, sonst werden die Unterschiede zwischen den Staaten zu groß, und die Stabilität des Währungsraums ist in Gefahr“, sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn der Wochenzeitung „Die Zeit“. Gerate eines der 16 Euro-Länder in ernste Schwierigkeiten, müsse es durch Finanzhilfen gestützt werden. Der IWF würde diese Aufgabe übernehmen, „wenn er gebraucht wird“.

Strauss-Kahn erwartet aber, „dass die Europäer dieses Problem selbst lösen würden“. Bislang lehnen es Spitzenpolitiker vieler Länder sowie die Europäische Zentralbank ab, Krisenstaaten in der Währungsunion zu unterstützen.

Strauss-Kahn forderte zugleich eine neue Rettungsrunde für die Banken: „Es wird keine wirtschaftliche Erholung geben, solange die Banken immer neue Verluste anhäufen. Die Regierungen müssen die Banken sanieren“. In Deutschland und anderen Staaten wird derzeit über eine „Bad Bank“ diskutiert, in der Krisenpapiere von angeschlagenen Banken gebündelt werden.

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