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14.09.2011

13:23 Uhr

Konjunktur

IWH-Prognose: Deutschlands Wirtschaft schrumpft

Von allen Konjunkturprognosen zeigt die IWH-Aussicht das negativste Bild: Die Ökonomen in Halle glauben, dass Deutschlands Wirtschaft im Winter vorübergehend schrumpft. Auch das RWI rechnet mit einer starken Abkühlung.

Monteur bei Siemens. Deutschlands Wachstum wird deutlich schwächer. dapd

Monteur bei Siemens. Deutschlands Wachstum wird deutlich schwächer.

Berlin/HalleDie deutsche Wirtschaft wird nach Einschätzung der Forscher vom IWH Halle im Winter erstmals seit Anfang 2009 wieder schrumpfen. Als Folge der ungelösten Schuldenkrise werde es hierzulande zu einer Konsum- und Investitionszurückhaltung kommen, warnt das Institut in seiner am Mittwoch vorgelegten Prognose. Die Produktion werde in den letzten drei Monaten dieses Jahres voraussichtlich um 0,1 Prozent abnehmen, sagte IWH-Konjunkturchef Oliver Holtemöller.

Auch im ersten Quartal 2012 sei ein Schrumpfen im gleichen Umfang zu erwarten. „Da in zwei Quartalen in Folge ein Minuszeichen steht, ist das eigentlich eine technische Rezession. Vom konjunkturellen Gesamtbild entspricht es aber eher einer Stagnation“, sagte Holtemöller. Denn die konjunkturelle Winterdelle wird nach Einschätzung des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) von wesentlich stärkeren Quartalen eingerahmt. Für das laufende dritte Vierteljahr erwarten die Forscher ein Plus von 0,7 Prozent.

Konjunkturindikatoren

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklima

Der GfK-Konsumklimaindex soll die Konsumneigung der Privathaushalte abbilden. Hierfür befragt das Institut monatlich 2000 repräsentativ ausgewählte Personen über ihr Anschaffungs- und Sparneigung auf Sicht von 12 Monaten sowie über ihre Erwartungen zur Gesamtwirtschaftlichen Situation.

Geldmenge M1

Das Geldmengenaggregat M1 umfasst den Bargeldumlauf und Sichteinlagen (jederzeit verfügbare Einlagen, zum Beispiel auf Girokonten). Sie ist ein Indikator für die Transaktionshäufigkeit in einer Volkswirtschaft. Steigt die Geldmenge M1, so wird in der Regel auch mehr gekauft.

Handelsblatt Prognosebörse

Auf der Handelsblatt Prognosebörse handeln Teilnehmer ihre Erwartungen über die Entwicklung von sechs Konjunkturindikatoren - Bruttoinlandsprodukt, Inflationsrate, Arbeitslosenzahl, Exporte, Bruttoanlageinvestitionen und ifo-Index - über virtuelle Aktien. Der Ansatz stützt sich nicht auf das Wissen einzelner Experten, sondern auf das gesammelte Wissen aller Teilnehmer. Jeder Interessierte kann kostenlos ein Konto eröffnen und von dort Konjunkturindikatoren als Aktien handeln: Je nach seinen persönlichen Erwartungen über die Entwicklung eines Indikators, kauft oder verkauft er Aktien.

Und für den weiteren Jahresverlauf 2012 rechnet das IWH damit, dass sich die Produktion „mit der unterstellten langsamen Rückkehr des Vertrauens bei Unternehmen, privaten Haushalten und Finanzinvestoren zunächst stabilisieren wird, um in der zweiten Jahreshälfte wieder Fahrt aufzunehmen“. Für das laufende Jahr erwarten die Hallenser ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 3,0 Prozent. Im Jahr 2012 dürfte der Zuwachs mit 0,8 Prozent jedoch deutlich geringer ausfallen.

Bereits am Morgen hatte das Essener Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftforschung (RWI) seine Prognose vorgelegt. „Die Rezessionsgefahr hat sich vergrößert“, warnte das von dem Wirtschaftsweisen Christoph Schmidt geleitete Institut. Zum einen verunsichere die Staatschuldenkrise im Euro-Raum Verbraucher und Unternehmen. „Zum anderen haben die Spannungen im Finanzsektor wieder spürbar zugenommen, die jederzeit auf die Realwirtschaft durchschlagen können.“ Zugleich gefährde die Europäische Zentralbank (EZB) mit dem forcierten Ankauf von Staatspapieren auf mittlere Sicht die Preisniveaustabilität, kritisierte das Institut.

„Bei einem neuerlichen drastischen Einbruch des Welthandels würde die deutsche Wirtschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit zurück in eine Rezession fallen“, heißt es in der Untersuchung.

Das RWI stutzte wie bereits zuvor das Kieler IfW und das Hamburger HWWI seine Prognosen zurück. So erwarten die Essener für dieses Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent. Im Juni waren sie noch von 3,7 Prozent ausgegangen. Für 2012 prognostiziert das RWI eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von 1,0 Prozent, nachdem es bislang noch 1,7 Prozent vorausgesagt hatte. Das Wachstum in diesem Jahr sei zudem im Wesentlichen dem kräftigen statistischen Überhang aus dem Vorjahr und dem starken ersten Quartal zu verdanken: „Für das zweite Halbjahr 2011 und für 2012 sind nur geringe Zuwächse zu erwarten.“

Zu den düsteren Prognosen gesellen sich auch die schlechten Industrieproduktionszahlen der Eurozone im Juli. Die Zahlen stiegen weniger stark als erwartet. Im Vergleich zum Vormonat sei die Produktion um 1,0 Prozent geklettert, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch in Luxemburg mit. Volkswirte hatten mit einem Anstieg um 1,5 Prozent gerechnet. Im Juni war die Produktion noch um revidierte 0,8 (zunächst 0,7) Prozent gefallen.

Im Jahresvergleich erhöhte sich die Produktion im Juli um 4,2 Prozent. Auch hier wurden die Markterwartungen von 4,6 Prozent verfehlt. Der Produktionszuwachs im Vormonat wurde zudem von 2,9 Prozent auf 2,6 Prozent nach unten revidiert.

Kommentare (1)

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Pendler

14.09.2011, 21:08 Uhr

Neeee, echt
Dt. kann doch ALLES
und nun das?

Evtl. hätten wir uns doch besser vom €-Ballst trennen sollen, bevor es uns mit in die Tiefe zieht

GR ist PLEITE
raus damit

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