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27.06.2014

14:20 Uhr

Konjunktur Juni

Deutsche Inflationsrate steigt auf 1,0 Prozent

Waren und Dienstleistungen kosteten im Juni durchschnittlich 1,0 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Billigere Energie und stabile Lebensmittelpreise sind die Gründe dafür, dass die Inflation in Deutschland niedrig bleibt.

Ein gut gefüllter Einkaufswagen: Stabile Lebensmittelpreise halten die Inflation niedrig. dpa

Ein gut gefüllter Einkaufswagen: Stabile Lebensmittelpreise halten die Inflation niedrig.

BerlinBilligere Energie und stabile Lebensmittelpreise halten die Inflation in Deutschland niedrig. Waren und Dienstleistungen kosteten im Juni durchschnittlich 1,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Die Teuerungsrate blieb nur einen Tick über dem im Mai erreichten Vier-Jahres-Tief von 0,9 Prozent. Sie verharrt damit deutlich unter zwei Prozent: Bei Werten knapp unter dieser Marke spricht die Europäische Zentralbank von stabilen Preisen.

Gedämpft wurde die Inflation von Nahrungsmitteln, die sich erstmals seit mehr als vier Jahren nicht mehr verteuerten. Wegen guter Ernten blieben die Preise stabil. Energie kostete 0,3 Prozent weniger als im Juni 2013. Allerdings mussten die Verbraucher mancherorts mehr für Benzin und Diesel bezahlen. Die Kraftstoffe verteuerten sich beispielsweise in Bayern um 1,4 Prozent. Wegen bürgerkriegsähnlicher Zustände in Teilen des Irak hatte sich Öl zuletzt merklich verteuert. Wohnungsmieten erhöhten sich mit 1,5 Prozent überdurchschnittlich, Dienstleistungen kosteten sogar 1,6 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Inflationsrisiken

Lohn-Preis-Spirale

Wegen der guten Konjunktur haben die Gewerkschaften kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt: Die Chemie-Beschäftigten bekommen 4,5 Prozent, die Metaller 4,3 Prozent mehr Geld, mit einer Laufzeit von rund einem Jahr. Die Beschäftigten bei Bund und Kommunen handelten ein Plus von 6,3 Prozent für zwei Jahre aus. Unternehmen und Staat werden versuchen, die höheren Personalkosten aufzufangen, indem sie ihre Preise beziehungsweise Gebühren und Abgaben anheben. Verteuert sich die Lebenshaltung dadurch merklich, werden die Gewerkschaften in der nächsten Lohnrunde einen Ausgleich verlangen. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln.

Lockere EZB-Geldpolitik

Bei ersten Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale müsste die EZB ihre Zinsen anheben. Mit teurerem Geld kann sie Konsum und Investitionen drosseln, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen könnte. Aus Rücksicht auf die schwere Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird die Zentralbank ihren Leitzins aber wohl noch längere Zeit auf dem Rekordtief von einem Prozent lassen - oder sogar weiter senken. Die extrem niedrigen Zinsen aber können den Konsum im prosperierenden Deutschland weiter befeuern und die Preise anheizen.

Schwacher Euro

Wegen der eskalierenden Schuldenkrise steht der Euro unter Abwertungsdruck. Mit rund 1,25 Dollar ist er so billig wie seit Sommer 2010 nicht mehr. Das Problem: Deutschland als rohstoffarmes Land muss Öl, Metalle und andere Materialien im Ausland kaufen. Auf dem Weltmärkten werden die Rohstoffe überwiegend in Dollar abgerechnet. Ein schwächerer Euro macht damit deutsche Importe teurer.

Enorme Liquidität

Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der Europäischen Zentralbank aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. Allein Ende 2011 und Anfang 2012 hat sie mehr als eine Billion Euro zum Zins von aktuell einem Prozent für drei Jahre in den Finanzsektor gepumpt. Zieht die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal an, kann das viele Geld schnell in Inflation münden.

Das Münchner Ifo-Institut sagt für 2015 wegen des erwarteten kräftigen Aufschwungs eine höhere Teuerungsrate voraus. Sie soll dann bei durchschnittlich 1,7 Prozent, nach 1,1 Prozent im laufenden Jahr. "Hier spiegelt sich vor allem die Entwicklung der Arbeitskosten wider, die infolge der zunehmenden Auslastung der Produktionskapazitäten und der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns deutlich steigen dürften", erklärte das Institut.

Von

rtr

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