Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.05.2016

12:09 Uhr

Konjunktur

Schöner Schein

VonNorbert Häring

Die deutsche Wirtschaft wächst weiter. Wenigstens vordergründig. Doch so gut wie es auf den ersten Blick scheinen mag, geht es der deutschen Wirtschaft nicht. Eine Analyse.

Die deutsche Wirtschaft wächst – aber nur ein bisschen. dpa

Containerschiffe im Hamburger Hafen

Die deutsche Wirtschaft wächst – aber nur ein bisschen.

BerlinDie deutsche Wirtschaftsleistung ist im ersten Quartal mit 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal scheinbar sehr kräftig gewachsen. Auf ein ganzes Jahr hochgerechnet würde das einer Rate von fast drei Prozent entsprechen. Doch so gut wie es auf den ersten Blick scheinen mag, geht es der deutschen Wirtschaft nicht. Das zeigen die Detaildaten, die das Statistische Bundesamt am Dienstag veröffentlich hat.

Auch die Börsianer in Deutschland blicken mit weniger Optimismus auf die Wirtschaft als die frohe BIP-Botschaft eigentlich erwarten ließe. Das Barometer für die Erwartungen in den nächsten sechs Monaten ging im Mai um 4,8 Punkte auf 6,4 Zähler zurück, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag unter Berufung auf seine Umfrage unter 211 Analysten und Anlegern mitteilte.

IW-Chef Michael Hüther: Eine Konjunktur im Wellblechformat

IW-Chef Michael Hüther

Premium Eine Konjunktur im Wellblechformat

Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland geht seit Jahren auf und ab. Unsere Achillesferse sind die beharrlich schwachen Investitionen. Die historische Chance durch TTIP sollten wir nicht vertun. Ein Gastbeitrag.

„Dass sich die Wirtschaftslage in gleicher Geschwindigkeit weiter verbessern wird, ist aus Sicht der Experten nicht zu erwarten“, schloss ZEW-Präsident Achim Wambach mit Blick auf das hohe Vorquartalswachstum im ersten Vierteljahr. Möglich ist allerdings auch, dass eher die schwache Aktienmarktentwicklung der letzten Wochen die Stimmungseintrübung der Analysten und Anleger herbeigeführt hat.

Die hohe Vorquartalsrate beruht zu einem guten Teil darauf, dass das milde Winterwetter den Bau nicht so stark gedämpft hat, wie von der Saisonbereinigung unterstellt. Das ist ein wichtiger Grund, warum unter anderem die Bundesbank schon länger davon ausgeht, dass es im zweiten Quartal weniger gut wird. Dieses wird dann nämlich gegenüber dem überzeichneten ersten Quartal ein nach unten verzerrtes Wachstum aufweisen.

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

Man schaut deshalb besser auf den Vergleich zum Vorjahresquartal (auch der letzte Winter war warm). Dann sieht man leider eine merkliche Abschwächung der Dynamik. Mit 1,3 Prozent fiel das Wachstum deutlich hinter die 2,1 Prozent des Vorquartals und auch der beiden Quartale davor zurück. Die privaten Konsumausgaben wuchsen zwar mit 1,8 Prozent überdurchschnittlich, zeigen aber doch seit dem Plus von 2,2 Prozent im dritten Quartal einen Abwärtstrend.

Im Vergleich zur Zunahme der verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte von 2,5 Prozent zum Vorjahr fällt der Konsum sogar eher mager aus. Insbesondere die Arbeitnehmer konnten in diesem Quartal mit gut vier Prozent einen kräftigen Einkommenszuwachs verbuchen.

Kommentare (42)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

24.05.2016, 12:25 Uhr

Deutschland ist ein Land der "Träumer und Verdränger" geworden.

Jegliche Diskussion darüber ist und wird in den nächsten Jahren überflüssig sein.

Ein Land muss Arbeit geben und nicht Sozialhilfe.

Account gelöscht!

24.05.2016, 12:30 Uhr

Das ist der Aufschwung den die Schutzsuchenden tragen, Frau Merkel hatte wie immer Recht.

Account gelöscht!

24.05.2016, 12:34 Uhr

Die Besten unseres Landes werden sich in Zukunft die Länder als Arbeitgeber aussuchen, nachdem es keine Technik mehr aus Deutschland geben wird.

Stattdessen gibt es immer mehr Bildungsferne, die immer mehr Sozaileistungen, Abgaben und Steuern erfordern.

Ein weiter so wird es so nicht mehr geben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×