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24.11.2015

18:44 Uhr

Konjunktur und deutsche Unternehmen

Die Dynamik lässt nach

VonKathrin Witsch

Die deutsche Volkswirtschaft ist stabil. Auch wegen ihrer hohen Zahl an Unternehmen. Aber genau das könnte sich im kommenden Jahr ändern, warnen Experten in einer aktuellen Studie.

Die deutsche Volkswirtschaft ist stabil. Auch wegen der hohen Zahl an Unternehmen. Aber genau die könnte im kommenden Jahr sinken, warnen Experten in einer aktuellen Studie. dpa

Konjunktur

Die deutsche Volkswirtschaft ist stabil. Auch wegen der hohen Zahl an Unternehmen. Aber genau die könnte im kommenden Jahr sinken, warnen Experten in einer aktuellen Studie.

DüsseldorfDie Unternehmen investieren, die Arbeitslosenzahlen sinken und die Auftragsbücher sind voll. Die deutsche Wirtschaft erweist sich einmal mehr als robust. Obwohl Deutschland nach einer neuen Studie im guten Mittelfeld landet, was das prognostizierte Wachstum für 2016 angeht, sehen die Experten auch Probleme.

Die Befragung ist Teil einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft RSM, die „Handelsblatt Online“ exklusiv vorliegt. Für die Studie wurden 410 Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und weitere Berufsträger sowie 291 Unternehmer aus mehreren Ländern befragt. Das Ergebnis: Die deutsche Volkswirtschaft läuft auf Hochtouren, die wirtschaftliche Dynamik ist im internationalen Ländervergleich jedoch weniger stark ausgeprägt.

Die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt

Platz 10

Norwegen (Vorjahr: 6.)

Platz 9

Dänemark (Vorjahr: 12.)

Platz 8

Vereinigte Arabische Emirate (Vorjahr: 8.)

Platz 7

Kanada (Vorjahr: 7.)

Platz 6

Deutschland (Vorjahr: 9.)

Platz 5

Schweden (Vorjahr: 4.)

Platz 4

Hong Kong (Vorjahr: 3.)

Platz 3

Singapur (Vorjahr: 5.)

Platz 2

Schweiz (Vorjahr: 2.)

Platz 1

USA (Vorjahr: 1.)

Quelle

IMD World Competitiveness Ranking 2014

Im globalen Vergleich liegen Spanien, England und die Niederlande in Punkto Wirtschaftswachstum weiter vorne. Die Bundesrepublik ist gemeinsam mit Australien und Frankreich im „stabilen“ Mittelfeld. Das Wachstum für Deutschland schätzen die Experten im kommenden Jahr auf 1,7 Prozent. Die große Nachfrage nach in Deutschland hergestellten Produkten sorgt nach wie vor für Aufträge und hohe Steuereinnahmen: „Mehr als ein Drittel der Wirtschaftsprüfer des RSM-Netzwerks hält die momentane Auftragssituation für die Unternehmen in Deutschland für relativ hoch“, sagt Warner B. J. Popkes, Chairman von RSM in Deutschland.
Das liege vor allem daran, dass die Reputation deutscher Unternehmen im Ausland besser sei als im Land selbst. Die Bewertung der Unternehmenskultur wird von deutschen Experten der Studie im Mittelfeld angesiedelt. Gründe dafür seien unter anderem der „schlechte“ bis „sehr schlechte“ Fachkräftemangel.

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Der Nachfolger von Hans-Werner Sinn an der Spitze des Ifo-Instituts steht fest: Die Wahl ist auf Clemens Fuest gefallen, Wirtschaftsprofessor und derzeit Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

„Ein langfristiges Problem für den Standort Deutschland könnte entstehen, wenn die Zahl der Unternehmer sinkt. Es wäre ein Alarmsignal, denn das Geschäftsmodell Deutschland basiert auf einer breiten, mittelständischen Struktur”, sagt Popkes. So sehen lediglich sieben Prozent der Experten in Deutschland eine Zunahme der Zahl der Unternehmen mit mindestens zehn Mitarbeitern – während fast die Hälfte der Experten anderer Länder von einer Zunahme ausgehen. Deutschland wird aufgrund seiner hohen Reputation im Ausland also besser bewertet als aus der Sicht deutscher Experten.

Zu den Verlieren der aktuellen Studie gehört unter anderem Norwegen. Für eine steigende Zahl an Mineralölunternehmen und Ölförderern in Europa sind die niedrigen Ölpreise inzwischen ein existenzielles Problem.

Staaten wie Norwegen, deren Staatshaushalt zu einem erheblichen Anteil von Einnahmen mit Öl abhängt, leiden. Der schleichende Verfall des Ölpreises führt laut Einschätzung der Experten dazu, dass Norwegens Unternehmer mehr in ihr Personal investieren. Im Bereich Unternehmenskultur führt das Land unter allen Befragten das Ranking vor Ländern wie Holland, Großbritannien oder Australien an.

Gewinner und Verlierer der Euro-Schwäche

Der Euro auf Talfahrt

Die Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB) hat den Euro auf Talfahrt geschickt. Nach Einschätzung von Analysten könnte ein Euro schon bald weniger als ein US-Dollar kosten – erstmals seit mehr als zwölf Jahren. Wer profitiert von der Euro-Schwäche und wem tut sie weh? (Quelle: dpa)

Gewinner: Die Exporteure

Ein schwacher Euro hilft Firmen aus der Eurozone, die Waren außerhalb des Währungsraums verkaufen wollen. Denn ihre Autos oder Maschinen werden auf den Weltmärkten günstiger – etwa in wichtigen Märkten wie Asien oder Amerika. Die Nachfrage nach Produkten „Made in Germany“ oder anderen Euro-Staaten dürfte anziehen. In der Eurozone spielt der Wechselkurs aber keine Rolle.

Gewinner: Die Konjunktur

Mehr Exporte, mehr Produktion, mehr Arbeitsplätze. Ganz so einfach geht es in der Praxis nicht, aber der EZB-Kurs mit Nullzins und Geldschwemme zielt auch in diese Richtung. Allein über den Preis werden Unternehmen aus dem Euroraum dank des niedrigen Eurokurses wettbewerbsfähiger. Somit stehen die Chancen gut, dass sie mehr verkaufen und ihre Fabriken besser ausgelastet sind. Das könnte mittelfristig auch neue Arbeitsplätze schaffen.

Gewinner: Die DAX-Konzerne

Die lockere Geldpolitik der EZB könnte exportstarken deutschen Konzernen nach Berechnungen der Commerzbank im laufenden Jahr zwölf Milliarden Euro zusätzlich an Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in die Kassen spülen – allein weil der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verliert. Vom Euroverfall profitieren demnach vor allem jene Firmen, die Rechnungen und Löhne in Euro bezahlen, aber in Dollar abrechnen.

Verlierer: Importeure

Wichtige Rohstoffe wie etwa Öl werden international in Dollar gehandelt. Wenn der Euro im Vergleich zum Dollar an Wert verliert, werden solche Importe für Abnehmer im Euroraum tendenziell teurer. Deshalb sei ein schwacher Euro für die Exportnation Deutschland auch nur auf den ersten Blick erfreulich, kommentiert der Außenhandelsverband BGA: „Ohne die niedrigen Rohstoffpreise würde der schwache Euro tiefe Spuren in unserer Importrechnung hinterlassen und somit auch die Verkaufspreise im Export erhöhen.“

Verlierer: Die Urlauber

Urlaube in der Schweiz oder in die USA werden teurer, wenn der Euro gegenüber anderen wichtigen Währungen an Wert verliert. Ende Januar rechnete der Bundesverband deutscher Banken (BdB) vor: Die Kaufkraft eines Euro in der Schweiz betrage nur noch etwa 55 Cent. Das heißt: Waren und Dienstleistungen waren dort zu diesem Zeitpunkt im Schnitt fast doppelt so teuer wie in Deutschland. Für Touristen aus Amerika oder China wird ein Trip in die Eurozone aber attraktiver.

Verlierer: Die Unternehmen

Für den Ausbau ihrer Geschäfte außerhalb des Euroraums müssen Unternehmen aus dem Euroraum tendenziell mehr Geld in die Hand nehmen. Wer etwa eine Fabrik in China oder in den USA errichten will und dies in der jeweiligen Landeswährung bezahlt, legt in Euro gerechnet künftig drauf.

Verlierer: Die Nicht-Eurostaaten

Während die US-Notenbank Fed ihre Geldschleusen absehbar wieder schließen will, fährt die EZB einen genau entgegengesetzten Kurs. Das erhöht die Gefahr, dass es zu einem „Währungskrieg“ kommt. Mit ihren milliardenschweren Anleihenkäufen habe die EZB „eine Tür geöffnet, hinter der die Gefahr eines Abwertungswettlaufes lauert“, kritisierte BGA-Präsident Anton F. Börner.

Verbessert hat sich die Situation seit der letzten Befragung vor allem für Frankreich und Spanien. Die Verlierer vom vergangenen Jahr zählen nun Jahr zu den Gewinnern. Ganz vorne mit dabei: Spanien mit der höchsten Wachstumsrate aller untersuchten Länder. Erst gar nicht in die Studie aufgenommen wurden Länder wie China und die GCC-Staaten (Golf Cooperation Council) Saudi Arabien, Kuwait, Oman, Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate. Denn deren erwartete Wachstumsraten seien schlichtweg „außerhalb der Reichweite für die anderen Länder.“

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