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14.11.2013

11:48 Uhr

Konjunktur

Wirtschaft im Euroraum stagniert

Im 3. Quartal ist die Wirtschaft in der Euro-Zone um gerade einmal 0,1 Prozent gewachsen. Ökonomen hatten ein Plus von 0,2 Prozent erwartet. Besonders die schwache Konjunktur in Frankreich belastet die Währungsunion.

Wachstum fast null in der EU: Im dritten Quartal ging es konjunkturell kaum bergauf. dpa

Wachstum fast null in der EU: Im dritten Quartal ging es konjunkturell kaum bergauf.

Brüssel/BerlinDie Wirtschaft in der Euro-Zone wächst kaum noch. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der 17 Länder stieg zwischen Juli und September nur noch um 0,1 Prozent zum Vorquartal, wie das Europäische Statistikamt Eurostat am Donnerstag mitteilte.

Analysten hatten mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet. Im Frühjahr hatte die Konjunktur noch um 0,3 Prozent angezogen. Damit steht die Währungsunion deutlich schlechter dar als andere große Regionen: Die US-Wirtschaft legte im Sommer um 0,7 Prozent zu, die japanische um 0,5 Prozent.

Die Euro-Wirtschaft war im zweiten Vierteljahr erstmals nach sechs Quartalen wieder gewachsen. Damals hatte vor allem Frankreich mit einem kräftigen Plus für Schwung gesorgt. Diesmal enttäuschte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone allerdings und droht nach einem überraschenden BIP-Rückgang von 0,1 Prozent in die Rezession zurückzufallen.

So stehen die Euro-Sorgenländer da

Frankreich

Deutschlands wichtigster Handelspartner wächst nicht mehr: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im Sommer überraschend um 0,1 Prozent. Die EU-Kommission traut dem Nachbarn nur einen blutleeren Aufschwung zu. 2014 soll es nur zu einem Plus von 0,9 Prozent reichen, was etwa halb so viel ist wie in Deutschland. "Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet die Kommission, was wiederum den Konsum bremst. Obwohl das Wachstum 2015 auf 1,7 Prozent anziehen soll, dürfte die Arbeitslosenquote bis dahin auf 11,3 Prozent zulegen.

Italien

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion schrumpfte im Sommer nun schon das neunte Quartal in Folge und steckt damit in der längsten Rezession seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Während die Industrie zulegte, gingen die Geschäfte der Dienstleister und Landwirte zurück. Zwei Rezessionsjahren dürfte eine kraftlose Erholung folgen: 2014 wird ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, das sich 2015 auf 1,2 Prozent erhöhen soll. Eine steigende Exportnachfrage dürfte die Unternehmen zwar zu mehr Investitionen ermutigen, erwartet die EU-Kommission. Die Arbeitslosenquote soll aber im kommenden Jahr weiter steigen.

Spanien

Die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone hat sich im Sommer aus der Dauer-Rezession befreit. Anziehende Exporte und der boomende Tourismus ließen das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 Prozent wachsen. Zuvor war es neun Quartale in Folge geschrumpft. 2014 könnte die spanische Wirtschaft nach zwei Rezessionsjahren in Folge erstmals wieder wachsen. Die EU-Kommission erwartet ein Plus von 0,5 Prozent, das sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen soll. "Die großen Anpassungen werden die Erholung einschränken", befürchtet die Kommission. Das reicht nicht, um die Arbeitslosigkeit kräftig zu drücken. Die Quote soll von 26,6 Prozent in diesem Jahr lediglich auf 25,3 Prozent im übernächsten Jahr fallen.

Griechenland

Im Frühjahrsquartal – neuere Daten liegen noch nicht vor – ging es um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bergab. Das am schwersten von der Schuldenkrise betroffene Land wird aber für 2014 ein kleines Comeback zugetraut: Das Bruttoinlandsprodukt soll dann erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. Das reicht nicht annähernd aus, um den für 2013 erwarteten Einbruch von 4,0 Prozent auszugleichen. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission, die dann mit einem Plus von 2,9 Prozent rechnet. Allerdings bleibt die Arbeitslosigkeit hoch. Sie soll von rund 27 Prozent auf 24 Prozent im Jahr 2015 sinken.

Irland

Von allen Krisenländern steht Irland am besten da. Bereits im Frühjahr wurde die Rezession abgeschüttelt mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. 2013 soll die Wirtschaft das dritte Jahr in Folge zulegen, wenn auch nur um 0,3 Prozent. Das Tempo dürfte sich 2014 auf 1,7 Prozent und 2015 sogar auf 2,5 Prozent beschleunigen. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften immer besser in Schwung kommen. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,7 Prozent fallen, nachdem sie 2012 noch bei 14,7 Prozent lag.

Portugal

Das kleine Land ist von Juli bis September bereits das zweite Quartal in Folge gewachsen - und zwar um 0,2 Prozent. 2014 soll nach drei Minus-Jahren wieder ein Plus folgen: Dann dürfte ein Wachstum von 0,8 Prozent herausspringen, das sich 2015 auf 1,5 Prozent nahezu verdoppeln soll. "Die Exporte sind der Wachstumstreiber, während die Binnennachfrage 2014 wieder anziehen wird", prophezeit die EU-Kommission. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 17,3 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen.

Zypern

Der Inselstaat steckt noch mitten im Abschwung: Im dritten Quartal 2013 brach die Wirtschaftsleistung mit 0,8 Prozent so stark ein wie in keinem anderen Euro-Land. Um 8,7 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt im gesamten Jahr 2013 zurückgehen. 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die Kommission. Sowohl der Konsum als auch die Exporte dürften sinken. Erst 2015 wird wieder mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen und erst 2015 wieder leicht auf 18,4 Prozent nachgeben.

In Deutschland halbierte sich das Wachstum zwar auf 0,3 Prozent, entsprach aber damit den Erwartungen. Italien steckt weiter in der Rezession: Die Wirtschaft schrumpfte mit 0,1 Prozent zwar nur noch leicht, aber das neunte Quartal in Folge. Spanien schaffte dagegen ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent, während es in Portugal mit 0,2 Prozent bergauf ging. Auch die Niederlande schüttelten die Rezession ab. Zypern hingegen steckt weiter im Abwärtsstrudel. Die Wirtschaft der Mittelmeerinsel verlor um 0,8 Prozent.

Die schwachen BIP-Zahlen für den Euroraum seien wahrscheinlich kein Vorbote dafür, dass eine neue Rezession ins Haus stehe, sagte der Chefvolkswirt Europa der Nordea-Bank, Holger Sandte. „Sie werden aber die Debatte anheizen, wie weit die Europäische Zentralbank gehen soll und ob die Fiskalpolitik den Kurs wechseln sollte." Ein größerer Schock von außen, und Deflation „könnte in der Tat mehr als ein Risiko sein". Dies gelte nicht für Deutschland, aber für Südeuropa.

Für das Gesamtjahr 2013 sagt die EU-Kommission der Euro-Zone noch ein Schrumpfen von 0,4 Prozent voraus. Wachstum werde es erst 2014 mit 1,1 Prozent gegeben.

Von

rtr

Kommentare (7)

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anreiter

14.11.2013, 12:09 Uhr

Erst wird schön geredet, dann nach untern korrigiert!? Waren es wieder die Wirtschaftsweisen???

Account gelöscht!

14.11.2013, 12:17 Uhr

Zitat : Ökonomen hatten ein Plus von 0,2 Prozent erwartet.

- das ist doch nicht schlimm !

Die Ökonomen können ihre Erwartungen für 2014 entsprechend auf 3 % hochschrauben, dann sind die miserablen Daten für 2013 auch schnell wieder vergessen...:-)

Steinweg

14.11.2013, 12:29 Uhr

Es wird Zeit, dass man auch die zweite Stelle hinter dem Komma betrachtet, dann ist wieder mehr Luft zum Besprechen da.

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