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13.02.2015

16:15 Uhr

Konjunkturaufschwung in Spanien

In Madrid wird wieder gefeiert

Während sich die Krise um Griechenland zuspitzen könnte und Italien wenig berauschende Zahlen vorweist, geht es in Spanien bergauf. Das ist nicht nur im Einzelhandel spürbar, sondern auch an den Theken der Bars.

Sie gehen wieder öfter essen und nehmen ein paar Drinks außer Haus: Die Spanier könnten den heimischen Tapasbars ein Revival bescheren. AFP

Weißwein und würziger Tomatensalat – spanische Tapas sind im In- und Ausland äußerst beliebt

Sie gehen wieder öfter essen und nehmen ein paar Drinks außer Haus: Die Spanier könnten den heimischen Tapasbars ein Revival bescheren.

MadridMadrid kommt allmählich wieder in Feierlaune. Nachdem rekordhohe Arbeitslosigkeit, Steuererhöhungen und ein Rauchverbot seit 2008 400 Partytempel gezwungen hatten, ihre Türen zu schließen, sorgen nun der Konjunkturaufschwung und der Anstieg bei den Konsumausgaben dafür, dass in der spanischen Hauptstadt das Nachtleben wieder in Schwung kommt.

Während für Griechenland wieder einmal der Euro-Austritt zur Debatte steht und Italien in eine neue Rezession abgleitet, hat Spanien sechs Quartale in Folge Wachstum verzeichnet. Auch wenn das Land noch an den Folgen der Flaute knabbert und bevorstehende Wahlen für Unsicherheit sorgen, setzt die Vergnügungsindustrie in der Hauptstadt auf eine nachhaltige Erholung.

Ein Anzeichen dafür ist die Eröffnung des Opium Madrid -ein Club für tausend Menschen, der mehr als zwei Millionen Euro gekostet hat. Es ist die größte Neueröffnung seit sechs Jahren. Fünf weitere Super-Clubs mit Kosten von bis zu drei Millionen Euro wollen dieses Jahr noch auf den Partyzug aufspringen, berichtet der Branchenverband Noche Madrid.

„Madrid ist ein toller Ort zum Ausgehen“, sagt Opium- Besitzer Javier Bordas. Sein Club soll sieben Tage die Woche geöffnet sein. „Hier sind die Fußballspieler, die Prominenten und Leute, die feiern wollen. Wir sind optimistisch.“

Jugendarbeitslosigkeit in Krisenländern Europas

Frankreich

Die Perspektivlosigkeit von jungen Menschen ohne Job gilt in Frankreich als eine der größten Gefahren für den sozialen Zusammenhalt. Die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen lag zuletzt (Juni) bei 22,4 Prozent. Die Regierung von Präsident François Hollande finanziert mit Milliardenbeträgen Eingliederungsprogramme sowie sogenannte „Zukunftsarbeitsplätze“ für gering qualifizierte Jugendliche. Zudem wurde das System sogenannter „Generationenverträge“ geschaffen. Es bietet kleinen Unternehmen finanzielle Anreize, die sich gleichzeitig für den Nachwuchs und für alte Arbeitnehmer einsetzen.

Griechenland

Nach Angaben vom Mai sind in Griechenland 53,1 Prozent der unter 25-Jährigen ohne Job. Im Vorjahr waren es 59,6 Prozent. Die leichte Verbesserung liegt nach Angaben der Gewerkschaft des privaten Bereichs am boomenden Tourismus. In Griechenland sollen nach den Worten von Regierungschef Antonis Samaras in den kommenden Monaten 145.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Sie sollen mit Hilfe von EU-Mitteln und dem für 2014 erwarteten zaghaften Wirtschaftswachstum entstehen. In den nächsten Monaten sollen 600 Millionen Euro EU-Subventionen für neue Jobs – vornehmlich Ausbildungsplätze – nach Griechenland fließen.

Italien

43,7 Prozent der jungen Italiener sind arbeitslos, Schüler und Studierende nicht eingerechnet. Das nationale Statistikamt Italiens (Istat) sieht die Jugendlichen als „am stärksten von der Krise betroffen“. Der sozialdemokratische Regierungschef Matteo Renzi bemüht sich – bisher erfolglos – um eine Entspannung der Lage. Zeitarbeitsverträge sollen leichter verlängert, der Kündigungsschutz in den ersten drei Jahren ausgesetzt werden. So – und mit Steuererleichterungen – möchte er die Arbeitgeber entlasten. Durch EU-Gelder, 1,5 Milliarden in den kommenden zwei Jahren, erhofft sich Renzi eine bessere Grundlage zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit.

Spanien

Die Arbeitslosenquote beträgt in Spanien bei den unter 25-Jährigen 53,5 Prozent. Schon seit Jahren bezeichnen spanische Politiker aller Parteien die hohe Jugendarbeitslosigkeit als eines der größten Probleme. Dennoch geschah relativ wenig, um das Problem zu lösen. Die Regierung beschloss im Juli Hilfen für Unternehmer, die junge Leute einstellen. Politiker aus Deutschland warben in Spanien für eine Übernahme des deutschen Systems der dualen Berufsausbildung. Die Traditionen des spanischen Bildungssystem verhinderten jedoch, dass diese Idee sich in größerem Umfang durchsetzen konnte.

Die Entwicklung Spaniens im letzten Jahr stützt diese Einschätzung. Anfangs war die Erholung vom Export getrieben, aber inzwischen ist sie auch im Inland spürbar. Sinkende Preise erhöhen die Realeinkommen. Im vierten Quartal 2014 wuchs die Wirtschaft so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr, was erstmals seit 2007 auch zu einem Wachstum auf Jahressicht führte.

Im Januar gingen die spanischen Verbraucherpreise um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück, so stark wie nie in der Bloomberg-Datenreihe, die bis 1997 zurückreicht. Zusammen mit niedrigeren Energiekosten trug das zum stärksten Anstieg der Einzelhandelsumsätze seit zehn Jahren bei. Die Stimmung der Privathaushalte ist wieder so gut wie vor der Krise und hat im Januar ein Rekordhoch erreicht, teilt das Umfrageinstitut CIS in Madrid mit.

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Kommentare (2)

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Herr Werner Wilhelm

13.02.2015, 16:24 Uhr

Spanien hat es richtig gemacht: Von den Vorgaben der Troika gelöst und staatliche Kionjunkturprogramme auf Pump gefahren. Ein Vorbild für die ganze Eurozone!

Herr Franz Paul

13.02.2015, 16:36 Uhr

Na dann feiert man schön! Auf den nächsten Rettungsschirm! Prost! Ach, übrigens.... einfach mal ranklotzen und so richtig was arbeiten, das soll schon so manchen wieder voran gebracht haben. Einfach mal probieren!

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