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14.12.2011

16:24 Uhr

Konjunkturausblick 2012

Euro-Krise entscheidet über Wohl und Wehe der Wirtschaft

VonJan Mallien

Einige Zeitbomben könnten der deutschen Wirtschaft das neue Jahr kräftig vermiesen. Doch es gibt auch ein paar Hoffnungsschimmer. Die EZB und der deutsche Arbeitsmarkt sollen es richten.

Ein Mitarbeiter von Thyssenkrupp am Hochofen im Stahlwerk Duisburg. dpa

Ein Mitarbeiter von Thyssenkrupp am Hochofen im Stahlwerk Duisburg.

DüsseldorfDas neue Jahr beginnt ziemlich ungemütlich - zumindest aus Konjunktursicht. Anders als zu Beginn des vergangenen Jahres stehen die Vorzeichen für die Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft diesmal denkbar schlecht. Der wichtigste Grund dafür lässt sich schnell benennen: Die Angst um den Zusammenhalt des Euro lähmt nicht nur Deutschland und Europa sondern die gesamte Weltwirtschaft.

Alle Prognosen, die nicht von einer Rezession in Deutschland ausgehen, stehen unter dem Vorbehalt, dass sich die Euro-Krise nicht weiter verschärft. Die Gefahr, dass dies passiert, ist dennoch groß. Mehrere Zeitbomben ticken. Jede kleine Nachricht reicht aus, um die Märkte in Schrecken zu versetzen, so lange es keine glaubwürdige Brandmauer um die großen Euro-Länder wie Italien und Spanien gibt. Anlass für negative Nachrichten gibt es viele. Zwei Beispiele: Alle Euro-Staaten müssen dem neuen Rettungsschirm ESM und den angestrebten Vertragsänderungen der EU zustimmen. Ob das in allen 17 Fällen so einfach gelingt, ist zumindest fraglich. Der Rückzug des griechischen Ministerpräsidenten Papandreou hat zudem gezeigt, wie labil die Regierungen in den angeschlagenen Euro-Ländern sind. Stürzt eine von ihnen, herrscht Chaos.

Deutschlands wichtigste Handelspartner 2010 - Ausfuhren

1. Frankreich

Wichtigstes deutsches Exportland war Jahr 2010 Frankreich. Von Deutschland wurden Waren im Wert von 90,7 Milliarden Euro nach Frankreich exportiert - das sind 9,5 Prozent der gesamten deutschen Ausfuhren.

2. Vereinigte Staaten

Auf Platz zwei lagen 2010 die Vereinigten Staaten. Insgesamt exportierten deutsche Unternehmen Waren im Wert von 65,6 Milliarden Euro (2009: 53,8 Mrd. Euro) dorthin - das entspricht einem Anteil von 6,8 Prozent an den gesamten deutschen Ausfuhren.

3. Niederlande

Auf dem dritten Platz folgen die Niederlande. Dorthin wurden Waren für 63,2 Milliarden Euro exportiert - was einem Anteil von 6,6 Prozent an den deutschen Ausfuhren entspricht. Eingeführt wurden aus dem Nachbarland Güter im Wert von 68,8 Milliarden Euro (= 8,5 Prozent der Gesamteinfuhren). Damit liegen die Niederlande auf Rang zwei der wichtigsten deutschen Handelspartner mit einem Warenverkehr von rund 132 Milliarden Euro.

4. Vereinigtes Königreich

Das viertwichtigste Exportziel deutscher Unternehmen ist Großbritannien. Mit einem Ausfuhrüberschuss von 20,5 Milliarden Euro wurde dorthin deutlich mehr ex- als importiert. Gesamtwarenwert der Ausfuhren: 59,5 Milliarden Euro (2009: 53,2 Mrd.).

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5. Italien

Nach Italien wurden 2010 Waren im Wert von 58,5 Milliarden Euro exportiert.

6. Österreich

Auch Nachbar Österreich zählt weiterhin zu den wichtigsten Handelspartnern der Bundesrepublik mit einem Gesamtwarenwert der Exporte von 53,7 Milliarden Euro (2009: 48,2 Mrd.). Der Außenhandelssaldo betrug 19,4 Milliarden Euro.

7. China

Zweitwichtigster Absatzmarkt deutscher Waren im Jahr 2010 war Asien mit einem Anteil von rund 15%.Davon entfiel der größte Anteil auf China, wohin Deutschland Waren im Wert von 53,6 Milliarden Euro exportierte - Platz sieben.

8. Belgien

Beim Außenhandel mit Belgien verzeichnete die Bundesrepublik ein deutliches Ausfuhrplus: Nach Belgien führte Deutschland 2010 Waren im Wert von 46,4 Milliarden Euro aus, importiert wurde weniger (33,6 Mrd.).

9. Schweiz

Auch die Schweiz bleibt ein wichtiger Außenhandelpartner für die Bundesrepublik: Im vergangenen Jahr wurden Waren im Wert von 41,7 Milliarden Euro in das Nachbarland exportiert, im Vorjahr betrug der Warenwert 35,3 Milliarden.

10. Polen

Rund 71 Prozent der Ausfuhren von Waren „Made in Germany“ wurden im Jahr 2010 in europäische Länder geliefert. Nachbarland Polen liegt bei den Ausfuhren auf dem 10. Platz der wichtigsten deutschen Handelspartner: Der Gesamtwert der exportierten Güter liegt bei rund 38 Milliarden Euro (2009: 31,6 Mrd.).

Neues Ungemach droht auch von den Banken. Die Kreditinstitute müssen nach den neuen Regeln der europäischen Bankenaufsicht (EBA) ab Juni 2012 mehr risikogewichtetes Eigenkapital vorhalten. Einige haben bereits angekündigt, dass sie dieses Ziel durch eine Schrumpfung ihrer Bilanz erreichen wollen. Das bedeutet: Sie vergeben weniger Kredite oder könnten versuchen Staatsanleihen zu verkaufen. Ersteres schadet der Konjunktur - letzteres verschärft die Probleme der Euro-Länder am Anleihemarkt.

Gibt es trotzdem noch Hoffnung? Eine wichtige Rolle in der Krise kommt der Europäischen Zentralbank (EZB) zu. Sie hat den Banken erst vor kurzem kräftig unter die Arme gegriffen, indem sie ihnen nun fast zinslos Kredite zur Verfügung stellt. Die EZB hatte einen Fiskalpakt der Euro-Länder als Vorbedingung für ein stärkeres Eingreifen ihrerseits gemacht. Ob sie sich zu einem stärkeren Eingriff am Anleihemarkt durchringt, ist dennoch ungewiss. Eher könnte der neue EZB-Präsident Draghi nochmal an der Zinsschraube drehen. Nach seinem Amtsantritt hat er bereits zweimal die Zinsen gesenkt. Im kommenden Jahr könnte ein weiterer Zinsschritt folgen.

Kommentare (7)

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no.7

14.12.2011, 17:58 Uhr

Was, "Wohl und wehe der wirtschaft" ? Der Jubelaufschwung XXL sackt ab ? Warum das ? Es ist doch angeblich alles bestens. Der Export legt doch zu, denke ich. Driftmann u.a. sind doch jetzt schon begeistert von den großartigen Zuwächsen im nächsten Jahr. Der Aufschwung ist und bleibt kraftstrotzend, vernehmen wir das ganze Jahr schon. Die wirtschaft ist bestens aufgestellt, deshalb wollen die emerging Markets immer mehr Made in Germany haben. Die Ökonomenn prophezeien das goldene Jahrzehnt für die Deutsche Wirtschaft. Die bundesbank sagt einen breiten, kräftigen Aufschwung voraus.
Also das mit dem "Wohl und wehe", das muß ein Irrtum sein.

LotharS

14.12.2011, 18:30 Uhr

Eine konjunkturprognose, die auf der Verwendungsseite des BIP aufbaut kann keine Trendwenden vorhersagen. Diese Modelle werden mit einer Vielzahl von Annahmen gefüttert wie z.B. dem Ölpreis, der Inflation, Arbeitslosenquote etc., die aber alle für sich genommen schon eine implizite Konjunkturprognose enthalten. Somit sind das tautologische Modelle, deren Output nur den Input bestätigt. Außerdem, wieso sollten die einzelnen Inputgrößen präziser geschätzt werden können als das BIP direkt? Wer hat denn schon mal etwas konsumiert, das nicht vorher produziert wurde? Also jeder Konsum/privater Verbrauch (Außnahme Dienstleistungen) haben zum Messzeitpunkt schon längst über die Produktion zum BIP beigetragen.

Es gibt nur zwei Quellen des Wachstums:
1. technologischer Fortschritt,
2. mehr Inputfaktoren (länger Arbeiten, mehr Kapital/Rohstoffe)
Wenn man den technologischen Fortschritt kurzfristig als Konstante betrachtet, bleibt neben der Mehrabreit nur noch Kapital als Wachstumstreiber übrig. Je leichter verfügbar und je billiger es ist, desto eher trägt es zum Wachstum bei. Geld ist billig, wenn man es von den Banken bekommt. Da aber der Geldschöpfungsmultiplikator der Banken aufgrund ihrer Eigenkapitalprobleme sinkt, nimmt die Verfügbarkeit des wichtigsten Rohstoffs für die Wirtschaft ab. Die rückläufige Wachstumsrate der Geldmenge M1 zeigt das schon eine geraume Weile an. Die Rezession in der Eurozone ist so sicher wie das Amen in der Kirche und wir werden uns davon kaum abkoppeln können, insbesondere jetzt da die chinesischen Immobilienpreise zum ersten Mal sinken und das Wachstum dort bremsen.

Eurobonds

14.12.2011, 19:52 Uhr

Folgendes China erhebt Strafzölle auf US-Autoimporte .
Das kann uns auch treffen wenn wir in Europa zur keiner Einigung und Lösung unserer Eurokrise kommen .
Sobalt die andern Länder ihre Produktion im eigenen Land in gefahr sehen und dies weil Europa seine Krise wegen Deutschland nicht lösen will , werden die unsere Produkte für diesen Zeitraum mit Strafzöllen belegen .
Damit gibt es nur noch zwei wege Trennung oder Eurobonds .

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