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27.12.2013

16:03 Uhr

Konjunkturausblick 2014

Startklar zum Abheben

VonJan Mallien

Viele Ökonomen blicken so optimistisch auf das neue Jahr wie lange nicht mehr. Sie erwarten kräftiges Wachstum. Endlich könnten in Deutschland auch die Investitionen anziehen. Doch einige Risiken bleiben.

Aufwärtstrend

Blendende Aussichten für die Konjunktur 2014

Aufwärtstrend: Blendende Aussichten für die Konjunktur 2014

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DüsseldorfEs ist eine Ansage, die Ärger bedeuten könnte. Der Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben, erwartet für 2014 ein kräftiges Wachstum der deutschen Exporte. Der Außenhandelsumsatz könnte 2014 auf den Rekordwert von 1,45 Billionen Euro steigen, sagte Wansleben der „Bild“-Zeitung. Das wäre ein Zuwachs von mehr als vier Prozent. Erst kürzlich hat sich Deutschland wegen seines hohen Exportüberschusses eine scharfe Rüge des US-Finanzministeriums eingefangen.

Für das Wachstum der deutschen Wirtschaft sind die positiven Exportaussichten hingegen eine gute Nachricht. Mehr als die Hälfte der hiesigen Wirtschaftsleistung hängt vom Außenhandel ab. Der Optimismus der Exporteure passt zu den derzeit außerordentlich guten Stimmungsindikatoren. Der Ifo-Index, der die Stimmung der Unternehmen abbildet, und der ZEW-Index, der auf Befragungen unter Finanzmarktexperten basiert, liegen deutlich über ihrem langfristigen Durchschnitt.

Deutschlands Exportüberschüsse

Seit wann erzielt Deutschland Exportüberschüsse?

Seit 1952. Nur in den ersten Nachkriegsjahren wurde mehr importiert als exportiert. 1950 gab es ein Handelsdefizit von umgerechnet 1,54 Milliarden Euro, das aber schon 1951 auf 76 Millionen Euro schrumpfte. Seither gibt es Überschüsse.

Mit welchen Ländern erzielt Deutschland Überschüsse?

Mit den meisten. Den größten Überschuss erzielt Deutschland im Handel mit Frankreich. Dorthin wurden im vergangenen Jahr Waren im Wert von 39,7 Milliarden Euro mehr exportiert als von dort eingeführt. Auf Rang zwei folgen die USA mit (36,3 Milliarden Euro) und Großbritannien (28,6 Milliarden Euro). Das größte Defizit macht Deutschland im Handel mit dem ölreichen Norwegen (-17,7 Milliarden Euro), gefolgt von den Niederlanden (-15,6 Milliarden) und China (-10,7 Milliarden.)

Wie hoch ist der deutsche Leistungsbilanzüberschuss?

In den ersten acht Monaten 2013 wurden Waren im Wert von 726 Milliarden Euro ausgeführt, aber nur im Wert von 599 Milliarden Euro importiert. Das ergibt einen Exportüberschuss von 127 Milliarden Euro. In die Leistungsbilanz fließen zudem der Austausch von Dienstleistungen mit dem Ausland ein, aber beispielsweise auch Entwicklungshilfe und Vermögenseinkommen. Von Januar bis August summierte sich der Leitungsbilanzüberschuss damit auf rund 115 Milliarden Euro.

Welche Länder haben einen höheren Exportüberschuss?

Derzeit kein anderes, nicht einmal Exportweltmeister China. 2012 lag der deutsche Überschuss mit umgerechnet 238 Milliarden US-Dollar sowohl über dem von China (193 Mrd) als auch dem des ölreichen Saudi-Arabien (165 Mrd). Mit der Erholung der Weltkonjunktur dürfte sich der deutsche Leistungsbilanzüberschuss in diesem Jahr auf die 200-Milliarden-Euro-Marke zubewegen, prognostiziert das Münchner Ifo-Institut. Das wäre ein Rekord.

Warum werden die Überschüsse kritisiert?

Die USA, aber auch der Internationale Währungsfonds zählen sie zu den großen Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft, die für die globale Finanz- und die Schuldenkrise in Europa mitverantwortlich sind. Denn Ländern mit Exportüberschüssen stehen welche mit Defiziten gegenüber, die ihre Importe über Schulden finanzieren müssen. Die EU-Kommission stuft einen Leistungsbilanzüberschuss von mehr als sechs Prozent der Wirtschaftsleistung als stabilitätsgefährdend ein. Bei einer längeren Fehlentwicklung droht sie deshalb mit einem Mahnverfahren, an dessen Ende ein Bußgeld stehen könnte. Im ersten Halbjahr lag der deutsche Überschuss bei 7,2 Prozent.

Was kann dagegen getan werden?

Der IWF und die Industriestaaten-Organisation OECD fordern seit längerem von Deutschland, mehr für die Binnennachfrage zu tun, um die Unwucht zu beheben. Höhere Importe schmelzen nicht nur den deutschen Überschuss, sondern erhöhen die Exporte anderer Länder – die damit ihre Defizite verringern können. Ein Schlüssel dazu können stärkere Lohnerhöhungen sein. „Das stimuliert die Binnennachfrage, wodurch mehr importiert und der Außenhandel wieder mehr ins Gleichgewicht gebracht wird“, sagt der Direktor des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts, Gustav Horn. Steigen die Löhne hierzulande, werden deutsche Produkte teurer – womit die preisliche Wettbewerbsfähigkeit etwa der Euro-Länder steigen würde und dort den Export ankurbeln könnte.

Was sagt die Wirtschaft?

Sie argumentiert ganz anders. Der deutsche Erfolg helfe den Krisenländern. Ihr Argument: Deutsche Exporte bestehen zu rund 40 Prozent aus zuvor importieren Vorprodukten, sagt etwa der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Somit profitiere auch das Ausland. Zudem steigen die deutschen Importe wegen des anziehenden Konsums bereits: Die führenden Wirtschaftsinstitute erwarten sowohl für dieses als auch das kommende Jahr ein höheres Importtempo.

Wird Deutschland immer Überschüsse erzielen?

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bezweifelt das. Ab 2028 erwartet es keine Exportüberschüsse mehr in Deutschland. Wenige Jahre später sollen Leistungsbilanzdefizite folgen. „Die Ursache dieser Entwicklung ist der demografische Wandel, die Schrumpfung und Alterung der deutschen Bevölkerung“, heißt es in der Studie. Weil es in wenigen Jahren schon weniger Erwerbstätige geben werde, könne auch weniger exportiert werden. Gleichzeitig müsse der Konsum der Älteren durch höhere Importe gedeckt werden.

Besonders überschwänglich ist die Laune an den Immobilien- und Finanzmärkten. In einigen großen deutschen Städten wie München oder Frankfurt sind die Häuserpreise so stark gestiegen, dass die Bundesbank sogar schon vor einer Blase warnt. Der Deutsche Aktienindex hat seit Jahresbeginn um über 20 Prozent zugelegt. Obwohl die Finanzmärkte in der Vergangenheit nicht immer treffsicher waren, könnten sie der Vorbote eines stärkeren Wirtschaftsaufschwungs sein.

Der Optimismus stützt sich im Wesentlichen auf die Erholung der Eurozone. Carsten-Patrick Meier, Chef des Forschungsinstituts Kiel Economics, hält die kurzfristigen Probleme der Währungsunion für gelöst. „Die Euro-Krise war im Wesentlichen eine Zahlungsbilanzkrise, die von der Ungewissheit über den Fortbestand der Währungsunion in ihrer jetzigen Form geprägt war,“ sagt er. Das sei überwunden. „Der Aufschwung beschleunigt sich nun.“

Kommentare (3)

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Inflate_Or_Die

27.12.2013, 17:49 Uhr

Und dann hebt sie ab, und völlig losgelöst von der Erde schwebt...
1) die Rakete, mit der ich gerne diese Ökonomen-Schwachmaten-Nullchecker-Volksverdummer-ExDDR-Aktuelle-Kamera-Propaganda-Übertreffer in eine andere Galaxie schießen möchte
2) die exponentielle Staatsschulden-Wachstumsrakete, die Draghi und Yellen schon bald dazu inspirieren wird, einen auf Rudolf Havenstein zu machen: "To default or to hyperinflate - that´s the question!"
http://www.youtube.com/watch?v=yKjqHDb_Kjs
Und sonnenklar wird Deutschlands Konjunktur-Rakete abheben, wenn der Großteil seiner Exporte in die Euro-Zone geht und:
- Griechenland in einer realen Depression ist
- Spanien in einer realen Depresssion ist
- Italien in einer schweren Rezession ist
- Portugal in einer schweren Rezession ist
- Frankreich in einer mittelschweren bis schweren Rezession ist,
- von einigen De-Facto-Pleitestaaten in Osteuropa gar nicht erst zu reden,
und der größte Nicht-EU-Abnehmer deutscher Produkte - die USA - sich ebenfalls real in einer schweren Rezession befindet, die nur durch Heli-Bens Computernullen aka QE überpinselt wird.
Ach ja, hier noch ein historisches Monument für "ökonomischen Weitblick" aus der "Neuen Freien Presse" vom November 1929(!!):
"Die optimistische Stimmung hält weiter an, und in Wallstreet wird allerorts der Überzeugung Ausdruck gegeben, daß die schwere Börsenkrise nunmehr definitiv überwunden sei und man nunmehr mit einer Hausseperiode rechnen könne."

Account gelöscht!

27.12.2013, 19:43 Uhr

„Obwohl die Finanzmärkte in der Vergangenheit nicht immer treffsicher waren, könnten sie der Vorbote eines stärkeren Wirtschaftsaufschwungs sein“. Toller Aprilscherz.
Noch treffsicherer formuliert: So lange Draghi den Banken das Geld zum Zocken zinslos zur Verfügung stellt, wird es mit den Aktienkursen nach oben gehen. Die Kurse haben schon lange nichts mit der wirtschaftlichen Entwicklung, bzw. den Zukunftsaussichten einer Firma zu tun. Das ist schon sehr lange her. Die Aktienkurse sind ausschließlich durch unbegrenztes Fiat-Money gesteuert, weil keine Gesetze mehr gelten. Mehr als die Hälfte der Aktien werden auf Pump gekauft. Was sagt uns das?
Jetzt in Aktien investieren – noch schneller werden Sie Ihr Geld nicht los!!

Ebenso kann nicht von einer Erholung der Eurozone gesprochen werden, nicht mal nachts davon geträumt werden! Die PIIG(F)S haben allesamt kein Geschäftsmodell mehr, die anno 2007 das Zeitliche segnete, weil sie allesamt auf Kredit aufgebaut waren.
Die Eurozone steht vor einer langen Rezession, die die in den 20-ern bei weitem in den Schatten stellen wird.
Die Lösung hat Prof. Steve Keen: „Wir sind in der größten Finanzblase aller Zeiten. Rund 80 Prozent der Tarp-Gelder, die dazu gedacht waren, die Wirtschaft zu beleben, gingen direkt in Spekulationen an den Aktienmärkten. Alleine deswegen sind die Aktienkurse so stark gestiegen. Wenn wir künftig zurückblicken, werden wir sehen, dass wir uns in der größten Finanzblase aller Zeiten befinden. Ein Grund dafür ist der Bankensektor, der völlig außer Kontrolle geraten ist. Das herrschende neoklassische Wirtschaftsdogma ignoriert in seinen Modellen die Kreditgeldschöpfung durch die Banken. Die Lösungsvorschläge der „Experten“ sind darum alle zum Scheitern verurteilt und die Politik schlecht beraten“. Steve Keen, Wirtschaftsprofessor aus Australien, schlägt für die Schuldkrise folgende radikale Lösung vor:

Schuldabschreibung, Bankrott der Banken, Verstaatlichung der Geldschöpfung, Neustart.

Account gelöscht!

27.12.2013, 19:50 Uhr

Teil II
Nur ein Reset im Finanzbetrugssystem, einem Trennbankensystem ohne wenn und aber, die Geldschöpfung zurück in staatliche Hände und in Europa die Wiedereinführung der Landeswährungen kann die westl. Ind.staaten vor einem jahrzehntelangem Siechtum mit inneren Unruhen und Bürgerkriegen verhindern.

Von einer Erholung der Eurozone sind wir weiter entfernt als der Mond. Unsere lobbygesteuerten Eliten müssen ja panische Angst vor den Europawahlen haben, wenn Forschungsinstitute solchen Unsinn verbreiten müssen, die Armen! Jedes an den Haaren herbeigezogene „Argument“ löst sich bei Hinterfragen in Seifenblasen auf.

Den Kollaps der westl. Ind.staaten können nur noch die Zentralbanken hinausschieben, nicht verhindern. 2014 sind wir dem Zusammenbruch viel näher, als anno 2008, als die westl. Ind.staaten mit 32,5 Billionen $ versuchten, einen selbsttragenden Aufschwung einzuleiten und die Bankster zu retten. Beides ist gründlich in die Hosen gegangen. Sämtliche Konjunkturstrohfeuer sind wirkungslos verpufft und die Bankster sind immer noch so pleite wie anno 2008, obwohl sie allein zwischen 2008 und 2010 3589 Milliarden Euro von den stupid Steuerzahlern geschenkt bekamen. Die ganzen Milliarden und Billionen sind schon wieder an den Börsen und im Eigenhandel verzockt.
Da is Feierabend, genau so, wie es Herr Schäuble wollte, weil erst eine große Krise erforderlich wäre, um ein vereinigtes Europa zu schaffen. Nur mit dem Unterschied, dass mit seinem vereinten Europa nichts wird. dafür sorgt schon Frankreich und England. Für Träumereien wurden die Ersparnisse unserer Eltern und Großeltern verbraten und unsere Kinder und Enkel in die Schuldenknechtschaft geschickt. Und in den PIIG(F)S wird eine ganze Generation auf´s Abstellgleis geschickt. Ein Pulverfass, das jeden Augenblick explodieren kann, spätestens aber 2014.

Die Franzosen haben es anno 1793 vorgemacht, wie solche Träumereien enden. Und die Geschichte wird sich wiederholen!

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