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19.01.2010

12:49 Uhr

Konjunkturbericht

Negativ-Meldungen sind Gift für den Arbeitsmarkt

VonDietrich Creutzburg, Dorit Marschall

Auch für 2010 erwartet die Regierung in ihrem Jahreswirtschaftsbericht eine nur leicht steigende Arbeitslosigkeit. Ähnlich optimistisch sind auch die Prognosen führender Institute. Doch die Konjunktur birgt noch Risiken: Sollten sich negative Wirtschaftsdaten häufen und Enttäuschung produzieren, könnte die Stimmung kippen.

Eingang der Agentur für Arbeit in München. Kaum ein Konjunkturexperte hatte einen derart milden Verlauf erwartet. Quelle: ap

Eingang der Agentur für Arbeit in München. Kaum ein Konjunkturexperte hatte einen derart milden Verlauf erwartet.

BERLIN/FRANKFURT. Der große Einbruch auf dem deutschen Arbeitsmarkt wird wohl auch in diesem Jahr nicht stattfinden. So sieht es jedenfalls die Bundesregierung – und das in Einklang mit führenden Forschungsinstituten. In ihrem neuen Jahreswirtschaftsbericht, der dem Handelsblatt vorliegt, rechnet sie für 2010 mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahl auf 3,7 Millionen im Jahresmittel.

Dies entspricht zwar einem Anstieg um etwa 280 000 gegenüber dem abgelaufenen Jahr. Allerdings war die Bundesregierung noch in ihrer jüngsten Projektion vom Herbst 2009 von einem mehr als doppelt so starken Anstieg auf 4,1 Millionen Arbeitslose ausgegangen. Auf Basis der neuen Projektion könnte es der Regierung sogar erspart bleiben, dass die Arbeitslosigkeit 2010 in einzelnen Monaten über die heikle Schwelle von vier Millionen steigt.

Erwerbstätigkeit fällt knapp unter die 40-Millionen-Marke

Die amtliche Voraussage ist dabei sogar einen Tick zurückhaltender als die jüngsten Prognosen führender Institute. So rechnen das Ifo-Institut und das Essener RWI derzeit mit einer Arbeitslosenzahl von etwa 3,6 Millionen. „Vor allem die Kurzarbeit wird zunächst weiter dafür sorgen, dass die Zahl der Entlassungen nicht sprunghaft steigt“, schätzt auch der Chef des Sachverständigenrates, Wolfgang Franz, zumindest die absehbare Entwicklung relativ stabil ein.

Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte laut Jahreswirtschaftsbericht im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent auf durchschnittlich 39,6 Millionen sinken. Auch damit ist die Regierung graduell vorsichtiger als Ifo und RWI. Trotz Wirtschafts- und Finanzkrise bliebe aber auch damit die Erwerbstätigkeit immerhin noch auf dem Niveau von 2007.

Dies zeigt vor allem, wie stark sich die tatsächliche Entwicklung schon im vergangenen Jahr von den anfangs düsteren Voraussagen unterschieden hat. Ursprünglich hatte die Regierung bereits für 2009 mit 3,7 Millionen Arbeitslosen gerechnet – und für 2010 vor Jahresfrist sogar noch mit 4,6 Millionen.

Tatsächlich hatte kaum ein Konjunkturexperte vorausgeahnt, dass ein so drastischer Einbruch des Bruttoinlandsprodukts wie im vergangenen Jahr in einem so exportabhängigen Land auf dem Arbeitsmarkt derart milde verlaufen könnte. Die Industrie, deren Produktion binnen Jahresfrist um ein Drittel sank, hat bislang nicht einmal fünf Prozent der Arbeitsplätze abgebaut.

Die zentrale Erklärung besteht darin, dass die Krise bisher von kaum einem Wirtschaftsteilnehmer mit einem möglichen Strukturbruch in Verbindung gebracht wird. „Die Unternehmen führen den Wirtschaftseinbruch offenbar nicht auf ein strukturelles, sondern auf ein zyklisches Problem zurück“, analysiert Dirk Schumacher, Deutschland-Chefvolkswirt von Goldman Sachs. Platt ausgedrückt: Es dominiert die Erwartung, dass sich früher oder später alles zumindest halbwegs einrenkt – und dass nicht etwa ganze Produktionszweige plötzlich ins Abseits der Weltmärkte geraten.

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