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18.01.2005

10:55 Uhr

Konjunkturerholung setzt sich 2005 fort

Handelsblatt-Indikator: Robustes Wachstum in der Euro-Zone

Die Wirtschaft der Euro-Zone dürfte in den ersten sechs Monaten in schwachem Tempo weiter wachsen. Das ist die Aussage des aktuellen Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikators, der im Januar leicht gestiegen ist. Das Barometer bewegt sich seit dem vierten Quartal vergangenen Jahres stetig nach oben. Das Niveau des Barometers zeigt aber auch: Das Wachstum in der Euro-Zone wird sich bis Mitte des Jahres nicht drastisch beschleunigen.

doh DÜSSELDORF. Der Indikator erscheint ab sofort in einer überarbeiteten Fassung. Er liefert jetzt bereits im Januar eine erste Prognose zum Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal. Sie liegt in gleitender Jahresrate bei 2,1 Prozent. Die Prognose für das erste Quartal beläuft sich auf zwei Prozent.

„Das sind gute Nachrichten angesichts einer sich abschwächenden Weltkonjunktur und des hohen Euro-Kurses“, sagt Ulrich van Suntum, der Volkswirtschaftslehre an der Universität Münster lehrt. Van Suntum hat den Indikator entwickelt und berechnet ihn monatlich.

>> Der Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator

Weniger gut allerdings sind die Nachrichten über die Auftragseingänge und die Industrieproduktion, die beide in den Indikator einfließen. Erstmals seit zehn Monaten verschlechterte sich der Index für das Industrievertrauen in der Euro-Zone im Dezember – insbesondere in Italien und Spanien. Wenn sich das in den kommenden Monaten nicht ändere, sei das derzeitige Wachstumsniveau von zwei Prozent im zweiten Halbjahr nicht haltbar, prognostiziert van Suntum.

Die aktuellen Zuwachsraten führt van Suntum vor allem auf einen Niveaueffekt zurück: Anfang 2004 hatte sich die Produktion schwach entwickelt. „Wichtiger wäre es aber, dass die aktuelle Produktionsentwicklung wieder einen steigenden Trend aufweisen würde“, sagt van Suntum.

Mit seiner Prognose eines nur mäßigen Wachstums in der Euro-Zone im ersten Halbjahr reiht sich der Ökonom in die lange Liste der Prognostiker ein. Das Münchener Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) etwa schätzt gemeinsam mit dem französischen Statistikamt Insee und dem italienischen Wirtschaftsforschungsinstitut ISAE für das erste und das zweite Quartal dieses Jahres einen Anstieg des BIP um jeweils 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die Institute erwarten, dass sich die Industrieproduktion in der ersten Jahreshälfte 2005 „leicht beschleunigen“ wird. Darauf deuteten etwa die jüngsten Unternehmensbefragungen der Institute hin. Die Europäische Kommission erwartet im gesamten Jahr 2005 ein Wachstum von 2,1 Prozent.

Auch die Volkswirte der Commerzbank rechnen damit, dass sich die Erholung in diesem Jahr fortsetzt. Die Weltwirtschaft bleibt nach Ansicht der Bankvolkswirte die wichtigste Stütze der Konjunktur – auch wenn sie verglichen mit dem Vorjahr etwas weniger stark expandieren wird. Dafür habe sich die Inlandsnachfrage im dritten Quartal 2004 im Vergleich zur ersten Jahreshälfte verbessert. Die Ökonomen gehen davon aus, dass die Binnennachfrage nach Abklingen des Ölpreisschocks in der zweiten Hälfte des laufenden Jahres nochmals an Schwung gewinnen wird.

Weniger zuversichtlich blickt der Verbund aus sieben führenden europäischen Wirtschaftsforschungsinstituten, das European Economic Network (Euren), in die Zukunft der Euro-Zone: Die Ökonomen erwarten nur ein BIP-Wachstum von 1,6 Prozent für dieses Jahr. Ausschlaggebend für das schwächere Wachstum sind laut Euren der unerwartet hohe Ölpreis und die Euro-Aufwertung.

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