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17.01.2012

12:09 Uhr

Konjunkturerwartungen

ZEW-Index gibt Hoffnung für Wende

Nach kräftigen Einbrüchen seit Sommer 2011 hat sich der ZEW-Index im Januar überraschend stark verbessert. Dies liegt aus Sicht von ZEW-Chef Franz vor allem an der Politik der Europäischen Zentralbank.

Schriftzug „Aufwärts “: Laut ZEW wird die Stimmung der Investoren besser. dpa

Schriftzug Aufwärts“: Laut ZEW wird die Stimmung der Investoren besser.

Berlin/MannheimDie Konjunkturerwartungen von Anlegern und Analysten haben sich im Januar drastisch verbessert. Das ZEW-Barometer kletterte um 32,2 auf minus 21,6 Punkte, teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mit. Einen so starken Anstieg hat es seit Beginn der Umfrage 1991 noch nie gegeben. Damit erreichte der Indikator den höchsten Wert seit Juli 2011, liegt aber immer noch unter dem historischen Mittelwert von plus 24,5 Punkten. Dies deute darauf hin, „dass Deutschland in den nächsten sechs Monaten kein weiterer konjunktureller Abstieg, sondern eine Stabilisierung der Konjunktur auf dem derzeitigen Niveau bevorsteht“, erklärte das ZEW.

Die Experten schätzten auch die aktuelle Lage etwas besser ein als zuletzt: Dieser Indikator stieg um 1,6 auf 28,4 Punkte.

„Die Einschätzung der Finanzmarktexperten gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus, dass es sich entgegen wiederholt vorgebrachten Warnungen vor einer Rezession lediglich um eine Konjunkturdelle handelt“, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz zu der Umfrage unter rund 300 Finanzmarktexperten. Auch Andreas Rees von der Großbank Unicredit äußerte sich optimistisch: „Immer mehr Experten gehen von einer weichen Landung der deutschen Wirtschaft aus. Ihre Schwächephase dürfte nur kurz sein“, sagte Rees. Wenn nächste Woche auch die Ifo-Geschäftserwartungen zum dritten Mal in Folge stiegen, dürfte die Talsohle bereits durchschritten sein, fügte Rees hinzu. „Spätestens ab Sommer dürfte es dann wieder
aufwärts gehen.“

Konjunkturindikatoren

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Geldmenge (M1)

Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

 

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklimaindex

Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

 

ZEW-Präsident Frantz führte die gute Stimmung auf die Geldspritze der Europäischen Zentralbank zurück, die die Banken mit fast 500 Milliarden Euro zu niedrigen Zinsen versorgt hatte. Andreas Scheuerle von der Dekabank teilt diese Einschätzung. „Der Supertender der EZB hat nicht nur bei den Banken und am Markt für Staatsanleihen Wirkung gezeigt, sondern auch bei der Stimmung der Finanzmarktanalysten“, sagte Scheuerle. „Die Sorge an den Finanzmärkten lässt nach den erfolgreichen Anleiheauktionen in Spanien und Italien nach“, kommentierte Unicredit-Chefvolkswirt Rees. „Das spricht für eine Entlastung an der Schuldenfront.“

Trotzdem warnen die Ökonomen vor übertriebenem Optimismus. Die Entwicklung der Schuldenkrise stelle nach wie vor ein Risiko dar“, sagte Franz. Auch Andreas Scheuerle sieht in den Schuldenkrise das größte Konjunkturrisiko: „Aus den ZEW-Konjunkturerwartungen lässt sich zwar kein Rückschluss auf die Stärke des Wachstums ziehen, doch sie sind in der Regel ein guter Hinweis auf konjunkturelle Wendepunkte, sagte er. „Demnach wäre mit einer gewissen Verzögerung ein Ende der konjunkturellen Schwächephase in Deutschland zu erwarten – vorausgesetzt, die Schuldenkrise spielt mit.“

Kommentare (1)

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www.steuerembargo.co.de

17.01.2012, 11:48 Uhr

Wer hat wohl diese Prognose diktiert?

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