Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.05.2017

12:12 Uhr

Konjunkturprognose der EU-Kommission

Goldene Zeiten für die Euro-Zone

Das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone gewinnt der EU-Kommission zufolge an Fahrt. Dadurch sollen auch die Arbeitslosenzahlen sowie die Schulden sinken. Nur bei der Entwicklung Griechenlands ist man sich nicht sicher.

Die EU-Kommission sagt ein stärkeres Wirtschaftswachstum voraus. dpa

Konjunkturprognose Euro-Zone

Die EU-Kommission sagt ein stärkeres Wirtschaftswachstum voraus.

BrüsselMehr Wachstum, weniger Arbeitslose, geringere Schulden: Die EU-Kommission sagt der Euro-Zone in diesem und im kommenden Jahr eine positive Entwicklung voraus. Sie erhöhte am Donnerstag ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes 2017 von 1,6 auf 1,7 Prozent. Für das kommende Jahr wird weiter 1,8 Prozent erwartet. „Das Wachstum gewinnt an Fahrt“, sagte Kommissions-Vize Valdis Dombrovskis. „Es ist erfreulich, dass die große Unsicherheit, die wir in den letzten zwölf Monaten erlebt haben, langsam zu schwinden scheint“, ergänzte EU-Währungskommissar Pierre Moscovici.

„Die wirtschaftliche Erholung in Europa geht in das fünfte Jahr und hat nun alle EU-Mitgliedsstaaten erreicht“, heißt es weiter in der Einschätzung der Brüsseler Behörde. Dieses und nächstes Jahr werde der Trend konstant bleiben. Es blieben aber Risiken wie die amerikanische Wirtschafts- und Handelspolitik oder die Brexit-Verhandlungen mit Großbritannien.

Für Deutschland erwartet die EU-Kommission dieses Jahr 1,6 Prozent und nächstes Jahr 1,9 Prozent Wirtschaftswachstum und sieht die Lage damit rosiger als die Bundesregierung. Diese geht von 1,5 Prozent für 2017 und 1,6 Prozent für 2018 aus. Frankreich wird sich laut der Prognose beim Wirtschaftswachstum Deutschland annähern. Laut der Prognose erreicht Frankreich 2017 ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,4 Prozent. Im vorigen Jahr war Deutschland mit 1,9 Prozent noch weit stärker gewachsen als der westliche Nachbar (1,2 Prozent), an dessen Staatsspitze künftig der links-liberale Emmanuel Macron stehen wird.

Rekord beim Außenhandel: Was den deutschen Exporterfolg überschattet

Rekord beim Außenhandel

Was den deutschen Exporterfolg überschattet

Deutsche Produkte sind im Ausland gefragt wie nie, die Wirtschaft meldet Rekordexporte. Doch die Kritik am Leistungsbilanzüberschuss sorgt für Unruhe in den Unternehmen. Handelsbarrieren würden Deutschland hart treffen.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat diesen zu einer Sanierung des Haushalts aufgefordert. Das Land, das unter hoher Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichen Strukturproblemen leidet, reißt seit Jahren die EU-Latte beim Haushaltsdefizit. Laut Prognose der Kommission wird dieses Jahr die vorgegebene Obergrenze zwar mit 3,0 Prozent gerade so eingehalten, doch 2018 wird das Budget-Defizit demnach mit 3,2 Prozent wieder deutlich darüber liegen. Deutschland dürfte sich hingegen in dieser Hinsicht wieder als Musterknabe erweisen und einen Überschuss ausweisen. Die Kommission erwartet für 2017 ein Plus von 0,5 Prozent und für 2018 von 0,3 Prozent.

In Griechenland hängt die Erholung der griechischen Wirtschaft der EU-Kommission zufolge vom Ende des Reformstreits zwischen der Athener Regierung und den Euro-Geldgebern ab. Unter der Annahme, dass die zweite Programmüberprüfung im ersten Halbjahr abgeschlossen werden könne, werde sich das Geschäftsklima verbessern und Investoren würden zurückkehren, erklärte die Brüsseler Behörde. Sie revidierte ihre Wachstumsprognose für 2017 wie erwartet auf 2,1 von zuvor 2,7 Prozent nach unten und begründete dies mit der schlechten Entwicklung der griechischen Wirtschaft im Schlussquartal 2016 sowie der Unsicherheit rund um das Reformpaket. Bei der Arbeitslosenrate sieht die EU-Kommission leichte Verbesserungen von 22,8 auf 21,6 Prozent 2018. Auch die Schuldenquote dürfte zurückgehen: Von 179 Prozent 2016 auf 174,6 Prozent im kommenden Jahr.

EU-Kommissionspräsident Juncker: „Auch Pragmatiker müssen träumen“

EU-Kommissionspräsident Juncker

Premium „Auch Pragmatiker müssen träumen“

Jean-Claude Juncker hat die Hälfte seiner Amtszeit hinter sich – Zeit für eine Zwischenbilanz und einen Blick nach vorn. Ein Gespräch über die Zukunft Europas, modernen Patriotismus, Erdogan und die Einsamkeit in Brüssel.

Im Sommer 2018 endet das dritte, bis zu 86 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm der Euro-Geldgeber für Griechenland. Dann wollen die Euro-Staaten entscheiden, ob sie dem Land weitere Schuldenerleichterungen gewähren. Der Internationale Währungsfonds (IWF), dessen Beteiligung an dem Programm für die Bundesregierung unabdingbar ist, macht seine finanzielle Teilnahme von der Tragfähigkeit der griechischen Schulden abhängig. Die Euro-Finanzminister beraten am 22. Mai darüber, ob die aktuelle Reformüberprüfung abgeschlossen werden kann und Griechenland damit weitere Mittel aus dem Hilfspaket erhält.

Für die gesamte Euro-Zone sagt die EU-Kommission stärkere Exporte als im vergangenen Jahr voraus. Auch der private Konsum dürfte ungeachtet der höheren Inflation zunehmen, wenn auch nicht mehr so stark wie zuvor. „Die Investitionstätigkeit wird zwar weiterhin durch die geringen Wachstumsaussichten und den notwendigen Schuldenabbau in einigen Sektoren gebremst, dürfte sich aber dennoch recht beständig ausweiten.“

Die wichtigsten Handelspartner Deutschlands

Die Trump-Verunsicherung

US-Präsident Donald Trump hat den Freihandel in Frage gestellt. Die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft macht sich zunehmend Sorgen.

Der wichtigste Handelspartner

Tatsächlich sind die USA unter den Einzelstaaten der wichtigste Handelspartner. 2015 wurden nach endgültigen Ergebnissen Waren im Wert von rund 174 Milliarden Euro zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten gehandelt (Exporte und Importe). Insgesamt gingen knapp 10 Prozent der deutschen Exporte in die USA. Von dort kamen 7 Prozent der deutschen Importe.

Die Nachbarstaaten

Lange Zeit war Frankreich für Deutschland das wichtigste Land bei der Ein- und Ausfuhr von Waren. 2014 wurde Frankreich jedoch von den USA überholt. Dazu trugen der schwächere Euro, aber auch das vergleichsweise stärkere Wirtschaftswachstum in den USA bei. Drittwichtigster Handelspartner für Deutschland sind die Niederlande, die mit ihren Häfen ein wichtiger Umschlagplatz für den Welthandel sind.

Die Euro-Zone

Als Staatenverbund ist die EU der größte Handelspartner Deutschlands. Von den deutschen Exporten gehen 58 Prozent in die übrigen Länder der EU. In die Länder der Euro-Zone gehen 36 Prozent der Ausfuhren.

Der Kontinent Nr. eins

Wichtigster Kontinent außerhalb Europas für den Handel ist Asien, noch vor Amerika. Allein nach China gehen rund sechs Prozent der Exporte. Insgesamt belegt China als Handelspartner den vierten Platz. Bei den Importen liegt das Land für Deutschland sogar auf Platz eins. Fast zehn Prozent der Einfuhren kommen von dort.

Die Mini-Partner

Nach Afrika gehen lediglich zwei Prozent der deutschen Exporte und nach Australien und Ozeanien weniger als ein Prozent.

Quelle: dpa / alle Werte für 2015

Der Aufschwung soll die Arbeitslosigkeit drücken. In diesem Jahr wird eine Erwerbslosenquote von 9,4 Prozent erwartet, im kommenden Jahr dann von 8,9 Prozent – das wäre der niedrigste Wert seit Anfang 2009. In vielen Ländern bleibe die Arbeitslosigkeit aber trotz des positiven Trends „viel zu hoch“.

Auch die Staatsfinanzen dürften sich der Frühjahrsprognose zufolge verbessern. Die Neuverschuldung soll in diesem Jahr auf 1,4 und im kommenden Jahr auf 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes sinken. 2016 waren es noch 1,5 Prozent. „Aufgrund niedrigerer Zinszahlungen und einer moderaten Lohnentwicklung im öffentlichen Sektor dürften die Haushaltsdefizite weiter zurückgehen“, so die Kommission. Der Schuldenstand in der Euro-Zone soll bis zum kommenden Jahr auf 89 Prozent des Bruttoinlandsproduktes sinken, nachdem es 2016 noch 91,3 Prozent waren.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Marc Hofmann

11.05.2017, 12:51 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Günther Schemutat

11.05.2017, 13:00 Uhr

Sind das Prognosen mit England oder schon ohne. ? Denn ohne England sind die Daten sicherlich andere als mit England. Auch hat der wirtschaftliche Hamburger Hafen über 200 Millionen Euro Verlust gerade gemacht, was immer ein Signal in eine bestimmte Richtung ist. Weiterhin ist Deutschland die Zugmaschine in Europa durch seine fleissigen Unternehmer und Arbeitnehmer aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer in Europa.

Die große Unbekannte ist England und Frankreich. Wie 2018 in der EU aussieht weis heute keiner
Die Blasen Dax und Immobilen in Deutschland erinnern an den Goldrausch am Yukon und wird noch gewaltig anwachsen .

Aber auch die Armut wird wie der Dax weiter steigen , sozusagen der Dax der Abgehängten.

Aber trotz allen, Mutmacher auch wenn sie nicht ganz stimmen helfen wohl ein wenig und eine zeitlang.

G. Nampf

11.05.2017, 13:13 Uhr

"Goldene Zeiten für die Euro-Zone"

Das hört sich in etwa genauso an wie die DDR, als sie schon fast Geschichte war:

Das heißt:

Es gibt Hoffnung für Europa, daß die EU verschwindet

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×