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23.04.2013

15:44 Uhr

Konjunkturschwäche

Deutschland bremst die Euro-Zone aus

Die Frühjahrsbelebung der Euro-Konjunktur wird deutlich gedämpft. Grund ist ausgerechnet die deutsche Wirtschaft – und die fällt dadurch auch als Zugpferd für ganz Europa aus. Nun könnte die EZB zur Tat schreiten.

Sinkende Aufträge sorgten für eine Schwächephase in der deutschen Industrie. dpa

Sinkende Aufträge sorgten für eine Schwächephase in der deutschen Industrie.

BerlinWegen einer überraschenden Schwäche der deutschen Wirtschaft droht die Frühjahrsbelebung in der Euro-Zone auszufallen. Die Konjunktur in Deutschland verlor zum Start des zweiten Quartals 2013 überraschend an Fahrt. Das entsprechende Barometer für Industrie und Dienstleister rutschte im April erstmals seit November wieder unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten, wie das Markit-Institut am Dienstag zu seiner Umfrage unter rund 1000 Firmen mitteilte.

Damit fiel Deutschland auch als Zugpferd für die gesamte Euro-Zone aus, wo die Privatwirtschaft ihre Talfahrt ungebremst fortsetzte. Ökonomen gehen nun davon aus, dass die Europäische Zentralbank ihre Zinsen weiter senken könnte, um dem Währungsgebiet aus der Rezession zu verhelfen. Starker Rückenwind aus China bleibt derweil aus: Die dortige Industrie verliert zurzeit an Tempo.

Die weltweit besten Industriestandorte

Platz 1

Die USA behaupten sich im IQ-Index auf dem ersten Rang. Dort waren die Vereinigten Staaten bereits 1995 zu finden.

Platz 2

Im Vergleich von 45 Industrienationen belegt Schweden den zweiten Rang. Seit 1995 hat sich Schweden damit um zwei Plätze verbessert.

Platz 3

Dänemark macht zwei Plätze gut und springt auf Rang 3. Skandinavien macht derzeit wirtschaftlich eine gute Figur.

Platz 4

Auch Deutschlands Nachbar Schweiz schafft es auf einen der vorderen Plätze – 1995 stand die Alpenrepublik noch auf Rang 7.

Platz 5

Deutschland macht den größten Sprung bei den Top-Industrienationen. 1995 sah das IW-Institut die Bundesrepublik noch auf Platz 14.

Platz 6

Knapp hinter Deutschland folgt Australien auf Platz 6 – sogar mit dem gleichen Indexwert aus den 58 einzelnen Kategorien.

Platz 7

Platz 7 geht an die Niederlande – damit verschlechtert sich unser Nachbar deutlich. Die Holländer lagen 1995 noch an zweiter Stelle des IW-Rankings.

Platz 8

Auch Kanada muss einen Rückschlag hinnehmen. Der nordische Nachbar der USA stürzt um satte fünf Plätze ab.

Ende 2012 war die Wirtschaft in Deutschland und in der gesamten Euro-Zone jeweils mit 0,6 Prozent zum Vorquartal so stark geschrumpft wie seit Anfang 2009 nicht mehr. Während der Währungsraum wegen seiner vielen Krisenländer noch tief im Konjunkturtal steckt, hatten Ökonomen und Firmenchefs für Deutschland eine rasche Erholung erhofft. Im März gab es jedoch den ersten Rückschlag, nicht zuletzt wegen des kalten und langen Winters, der viele Baustellen lahmlegte.

Im April schwächelten Industrie und Dienstleister nun erneut und zwar vor allem wegen sinkender Aufträge. Das Markit-Barometer rutsche auf 48,8 von 50,6 Punkten im Vormonat und erreichte den tiefsten Stand seit Oktober. "Die Daten legen nahe, dass eine Erholung im ersten Quartal nur recht kurzlebig sein dürfte", erklärte Markit.

Das schlägt voll auf die Euro-Zone durch: "Dass auch Deutschland wieder in negatives Terrain abgerutscht ist, verstärkt die Befürchtungen, dass die Wachstumslokomotive genau zu dem Zeitpunkt ausgefallen und zur Belastung für die Konjunktur geworden ist, an dem auch Frankreich, Italien und Spanien weiter tief in der Krise stecken", sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson.

Der Einkaufsmanager-Index für den Euro-Raum verharrte bei 46,5 Punkten. Williamson sieht dies aber als "Besorgnis erregende Konjunkturschwäche" zum Start des zweiten Quartals. "Dies deutet darauf hin, dass sich die Talfahrt in den kommenden Monaten eher verstärken als abschwächen dürfte."

Wie Deutschland für den Abschwung gerüstet ist

Staatshaushalt

Im internationalen Vergleich steht Deutschland mit seinem Staatshaushalt gut da. Auf Pump finanzierte Konjunkturprogramme lehnt die Bundesregierung ab. Nach dem aktuellen deutschen EU-Stabilitätsprogramm kommt der Gesamtstaat aus Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen schon in zwei Jahren ohne neue Schulden am Finanzmarkt aus. Schon 2011 hatte das Defizit nur noch bei einem Prozent gelegen. Auch strukturell - also unabhängig vom Auf und Ab der Konjunktur - schließt sich die Lücke zwischen den Einnahmen und Ausgaben.
Damit einher geht, dass der in Jahrzehnten angehäufte Schuldenberg allmählich an Bedeutung verliert: Die Schuldenstandsquote soll von 82 Prozent des BIP 2012 auf 73 Prozent in 2016 zurückgehen. Fazit: Der Staat ist weit davon entfernt, wegen eines moderaten Abschwungs in die Knie zu gehen.



Sozialkassen

Die mit dem Aufschwung der vergangenen Jahre einhergegangene Rekordbeschäftigung hat die Lage der Sozialkassen erheblich entspannt. So erwartet die Bundesagentur für Arbeit (BA) dieses Jahr einen Überschuss von 1,3 Milliarden Euro. Allerdings warnen die Arbeitgeber bereits, bei einer Konjunkturabkühlung könnte die BA schnell wieder auf Zuschüsse des Bundes angewiesen sein. Rosiger schätzt das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel die Aussichten für die BA ein: Es erwartet 2012 einen Überschuss von fast drei Milliarden Euro.
Alle Sozialkassen zusammen - also Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung - könnten dem IfW zufolge in diesem Jahr auf einen Überschuss von 15 Milliarden Euro kommen. Damit hätten sie zumindest ein kleines Polster für den Abschwung.

Unternehmen

Noch sind die Auftragsbücher der Unternehmen gut gefüllt. Wie schnell die im Aufschwung angelegten Puffer aber schmelzen können, hat die Finanzkrise 2008/09 gezeigt. Auch ihr ging ein jahrelanger Aufschwung voraus, der in die schwerste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit mündete. Und dennoch: Nie hatten so viele Deutsche einen Job wie jetzt. Viele Unternehmen werden selbst bei einem Konjunktureinbruch versuchen, ihre Mitarbeiter zu halten. Denn Fachkräfte sind in Deutschland rar.
Auch der Bauboom dürfte die Wirtschaft selbst bei einem plötzlichen Konjunktureinbruch noch eine Weile stützen. Im ersten Quartal zog die Bauindustrie 12,5 Prozent mehr Aufträge an Land als ein Jahr zuvor. Bis die abgearbeitet werden können, vergehen Monate und Jahre, und bis dahin kann sich die Wirtschaft schon wieder erholt haben.

Politik

Paradoxerweise ist es von Vorteil, dass der jüngste scharfe Konjunktureinbruch nur drei Jahre zurückliegt: Die Erfahrung der handelnden Politiker ist frisch, und sie können auf Konzepte wie die Kurzarbeit zurückgreifen, die sich damals bewährt haben. Allerdings hat mit dem Aufschwung 2010/11 der Reformwille in der Politik nachgelassen. Dabei gäbe es noch immer genug zu tun, um den Standort fitzumachen für den demografischen Wandel und künftige Flauten. So bemängelt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), höhere Beiträge zur Kranken- und Arbeitslosenversicherung hätten die Arbeitskosten 2011 erhöht. Unter den OECD-Ländern wird nur in Belgien der Faktor Arbeit noch stärker belastet.

Dies könnte die EZB auf den Plan rufen, um die Geldpolitik weiter zu lockern. Für Commerzbank-Analyst Christoph Weil steigt mit den schwachen Daten die Wahrscheinlichkeit, dass die Notenbanker den Leitzins im laufenden Quartal auf das Rekordtief von 0,5 Prozent senken. Die EZB-Spitze berät am 2. Mai das nächste Mal darüber. Bereits seit Tagen heizen hochrangige Notenbanker Spekulationen auf eine Zinssenkung an. Seit Juli 2012 steht der Leitzins bei 0,75 Prozent.

Die Finanzmärkte reagierten weitgehend enttäuscht auf die Daten. Aber auch Zahlen vom Hoffnungsträger der Weltwirtschaft sorgten für Ernüchterung: In China wuchs die Industrie im April langsamer als noch im März. Der HSBC-Einkaufsmanager-Index sank auf 50,5 von zuvor 51,6 Punkten. "Nach dem schwachen Wachstum im ersten Quartal versprühen auch diese Daten wenig Hoffnung auf eine schnelle Trendwende", sagte NordLB-Experte Frederik Kunze. Vom verarbeitenden Gewerbe werde kein allzu großer Impuls kommen.

Von

rtr

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

23.04.2013, 16:04 Uhr

Germany ist Schuld...egal was passiert, ich hoffe das schnallt bald jemand! Weg mit dieser EU und noch viel mehr WEG mit der deutschen PArteiendiktatur von SPD,CDU,Grünen und FDP...buaahhh

Quartiermeister

23.04.2013, 16:18 Uhr

Läuft doch prima. Wenn jetzt noch weitere "Garantien" oder Kredite an marode und korrupte Südländer vergeben werden, wird die "Alternative für Deutschland" mindestens 20% + im Herbst einfahren. Dann können sich alle Blockparteien geschlossen mit Rucksäcken vom Hocker machen, aber hurtig! Und der unselige Pofalla wird zum Quartiermeister erkoren, denn keiner kann dann seine Fresse mehr sehen!

DEUFRA2011

23.04.2013, 16:39 Uhr

Nicht dass ich etwas für Steuersünder oder -manipulanten übrig hätte, aber wir ergötzen uns hier an den Aufgeflogenen und stellen sie öffentlich an den Pranger, werfen eine BP raus für 700,00 Euro und schon mal was Ähnliches aus Griechenland, Spanien, Italien, Frankreich gehört? Wir stellen doch die Welt auf den Kopf. In Griechenland zahlen die Reeder per Gesetz nichts und die anderen Reichen auch nicht viel und hier ist der Teufel los mit CDs usw. Merkel / Schäuble pressen uns trocken, damit die da unten weiter auf riesigen Jachten Champagner saufen können. So ein blödes Volk wie die Deutschen gibt es kein zweites Mal. Und jetzt bricht hier auch noch die Konjunktur ein, weil der private Verbrauch einbricht. Kein Wunder, bei den Summen die wir da gegen Süden schicken. Wann gehen wir gegen den Wahnsinn auf die Straße?

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