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30.09.2011

16:01 Uhr

Konsumausgaben stagnieren

Amerikaner lassen US-Wirtschaft hängen

Zu den miesen Nachrichten vom US-Jobmarkt gesellen sich nun schlechte Daten von der Verbraucherfront: Die Amerikaner geben kaum noch Geld aus. Das verheißt nichts Gutes - im Gegensatz zur Stimmung der US-Einkaufsmanager.

Ein Amerikaner beim Einkauf. Reuters

Ein Amerikaner beim Einkauf.

WashingtonDie Konsumausgaben in den USA sind im August nur leicht gestiegen. Die Daten dürften Hoffnungen dämpfen, dass die weltgrößte Volkswirtschaft konjunkturell bald wieder auf die Beine kommt. Die Amerikaner gaben im August wie von Experten erwartet 0,2 Prozent mehr aus als im Vormonat, nachdem der Konsum im Juli um revidiert 0,7 Prozent gestiegen war, wie das Handelsministerium mitteilte. Die erstmals seit Oktober 2009 gesunkenen Einkommen erwiesen sich als Konsumbremse: Der überraschende Rückgang fiel mit 0,1 Prozent aber denkbar knapp aus.

Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus. Der private Verbrauch hatte sich im zweiten Quartal etwas besser als erwartet entwickelt und mit zu dem aufs Jahr hochgerechneten Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent beigetragen.

Obamas Plan zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit

Wie hoch ist die Arbeitslosigkeit in den USA?

Die Arbeitslosenquote in den USA stagniert seit Langem bei neun Prozent. Damit sind etwa 14 Millionen US-Bürger, die arbeiten wollen, ohne Stelle.

Was sind die wichtigsten Maßnahmen, die Obama vorgeschlagen hat?

Obamas Maßnahmenpaket sieht eine Halbierung der Lohnsteuer für Arbeitnehmer vor. Außerdem sollen Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen oder die Löhne ihrer Mitarbeiter erhöhen, entlastet werden. Durch Zuschüsse an klamme Einzelstaaten und Kommunen sollen Entlassungen im öffentlichen Dienst verhindert werden. Schulen und Infrastruktur sollen modernisiert und damit Arbeitsplätze in der Baubranche geschaffen werden.

Wie viel kosten Obamas Vorschläge?

Das Konjunkturpaket zur Belebung des Arbeitsmarktes soll einen Umfang von 447 Milliarden Dollar (318 Milliarden Euro) haben. Die größten Posten des Programms sind neben den Steuerentlastungen mit rund 105 Milliarden Dollar die öffentlichen Konjunkturprogramme, mit fast 50 Milliarden der Erhalt von Sozialhilfeleistungen, mit 35 Milliarden die Zuschüsse an Staaten und Kommunen und mit 25 Milliarden die Modernisierung von 35.000 staatlichen Schulen.

Müssen die USA zur Finanzierung von Obamas Plänen mehr Schulden machen?

Nach den Worten des Präsidenten nicht. Die Finanzierung des Konjunkturprogramms sei sichergestellt und werde nicht zu weiteren Schulden führen, sagte Obama. Das Paket soll mit einer Mischung aus Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen gestemmt werden. Demnach sind Kürzungen in den Gesundheitsprogrammen Medicare und Medicaid geplant. Außerdem will Obama die Steuern für Besserverdienende erhöhen.

Wie reagierten Obamas politische Gegner?

Vertreter der Republikaner äußerten sich nach der Rede ablehnend. John Boehner, der republikanische Präsident des US-Repräsentantenhauses, sagte nach Obamas Rede immerhin, der Vorschlag werde in Erwägung gezogen. Der republikanische Abgeordnete Ron Paul sprach sich rundweg dagegen aus. Das Programm werde lediglich die Staatsschulden der USA erhöhen, aber keine zusätzlichen Arbeitsplätze schaffen, sagte er. Die Abgeordnete Michele Bachmann, die sich um die Nominierung als republikanische Präsidentschaftskandidatin bewirbt, forderte den Kongress auf, das Paket abzulehnen. „Überlassen wir die Wirtschaft dem freien Markt“, forderte die Vertreterin der ultrakonservativen Tea Party. Der republikanische Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, hatte Obamas Idee zur Schaffung neuer Arbeitsplätze bereits vor der Rede zurückgewiesen.

Zu Jahresbeginn war die Wirtschaft nur um annualisiert 0,4 Prozent gewachsen. Die Stimmung der US-Einkaufsmanager in der Region Chicago hellte sich hingegen im September deutlich auf. Der entsprechende Index sei von 56,5 Punkten im Vormonat auf 60,4 Punkte geklettert, teilte die regionale Einkaufsmanagervereinigung am Freitag mit. Volkswirte hatten hingegen einen Rückgang auf 55,0 Punkte vorausgesagt. Indexstände von über 50 Punkten signalisieren eine wirtschaftliche Belebung, während Werte darunter auf einen Rückgang hinweisen.

US-Notenbankchef Ben Bernanke rechnet jedoch nicht mit einem kräftigen Aufschwung und sieht die Wirtschaft weiterhin in schwierigem Fahrwasser. Insbesondere die hohe Arbeitslosigkeit macht der weltgrößten Volkswirtschaft zu schaffen.

Bernanke bezeichnete die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit gar als „nationale Krise“. Seit April 2009 seien über neun Prozent der Amerikaner ohne Job. Etwa 45 Prozent der Arbeitslosen hätten länger als ein halbes Jahr keine Stelle. „Das ist ohne Beispiel“.

Zugleich räumte er ein, dass Geldpolitik allein „kein Allheilmittel“ im Kampf gegen die Krise sei, wie die Wirtschaftsagentur Bloomberg berichtet. Auch die Politik könne einiges beitragen. Nützlich seien sicher Maßnahmen zur „Erholung des Immobilienmarktes“, meinte der Fed-Chef.

Kommentare (2)

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EuroSkeptiker

30.09.2011, 16:10 Uhr

der verschuldete Verbraucher macht das, was jeden Schuldnerberater erfreuen würde: er spart

wenn es stattdessen 280 Millionen überschuldete Verbraucher sind, soll auf einmal das Gegenteil richtig sein ?

Erkläre mir einer die Logik.

Das zukünftige Einkommen, das man in der USA in der Vergangenheit schon verprasst hat, kann man halt nur einmal ausgeben.

Wenns anders geht, sagt mir Bescheid, dann gehe ich ab morgen einkaufen mit meinem Gehalt von 2012

Account gelöscht!

02.10.2011, 12:31 Uhr

Man kann Schulden nicht mit noch mehr Schulden bezahlen. Und bei einer so hohen Verschuldung wie in den USA oder auch bei uns oder in Griechenland ist an Rückzahlung der Schulden gar nicht zu denken. Es wird einen Währungsschnitt geben. Je schneller, desto besser!- Banken, die auf unsere Kosten alles verzocken, sollte man gnadenlos hängen lassen!

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