Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.03.2013

08:00 Uhr

Konsumforschung

Lieber shoppen gehen, als Banken retten

Selbst das Geld der Kleinsparer sollte in die Zypern-Rettung fließen. Mancher könnte sein Erspartes nun lieber selbst ausgeben, als es zu den Banken zu tragen, spekulieren Forscher. Das könnte den Konsum ankurbeln.

Unsicherheit der Banken könnte zum Konsum ermutigen. dpa

Unsicherheit der Banken könnte zum Konsum ermutigen.

NürnbergDie Verunsicherung durch die in Zypern diskutierte generelle Zwangsabgabe auf Bankguthaben könnte deutsche Sparer nach Ansicht eines Konsumforschers zum Geldausgeben bewegen. „Die Verbraucher fürchten auch in Deutschland um ihre Ersparnisse“, sagte Rolf Bürkl vom Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK unter Verweis auf mehrere Umfragen, nach denen rund die Hälfte der Bürger Angst um ihr Erspartes hat. „Da ist davon auszugehen, dass die Sparneigung einen weiteren Rückschlag erleiden wird. Und das könnte auf der anderen Seite dem Konsum zugutekommen - dass sich Verbraucher also noch stärker für Anschaffungen entscheiden statt zu sparen.“

Privater Konsum: Deutsche geben ein Viertel fürs Wohnen aus

Privater Konsum

Deutsche geben ein Viertel fürs Wohnen aus

Das Verfügbare Einkommen stieg insgesamt um knapp acht Prozent.

„Der Effekt könnte sein, dass sich eine Reihe von Sparern nach alternativen Anlagenformen umsieht. Das beginnt bei Immobilien und geht über Edelmetalle hin zu werthaltigen Anschaffungen“, erläuterte Bürkl in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Vor allem, wenn der Arbeitsmarkt weiter stabil bleibe und dadurch Planungssicherheit herrsche, dürften die Menschen ihr Geld vermehrt in den Konsum stecken. Schon seit längerem zeigt sich in Deutschland der Trend, dass die Verbraucher lieber größere Anschaffungen tätigen, als ihr Geld gegen historisch niedrige Zinsen auf die Bank zu tragen.

Was 2012 aus 1.000 Euro wurde

Zypriotische Aktien (CSE)

407 Euro

Öl (WTI)

899 Euro

Spanische Aktien (Ibex)

968 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai Composite)

989 Euro

Sparbuch (Durchschnitt)

1005 Euro

Tagesgeld (Durchschnitt)

1014 Euro

US-Staatsanleihen

1029 Euro

Gold

1034 Euro

Bundesanleihen

1038 Euro

Dow Jones

1049 Euro

Silber

1052 Euro

Nikkei 225

1069 Euro

EuroStoxx 50

1149 Euro

Schweizerische Aktien (SMI)

1167 Euro

Italienische Staatsanleihen

1203 Euro

Euro-Unternehmensanleihen (Non-Investment-Grade)

1242 Euro

Irische Staatsanleihen

1297 Euro

Dax

1299 Euro

Griechische Aktien (ASE)

1342 Euro

Griechische Staatsanleihen (inkl. Schuldenschnitt, ohne Rückkauf)

1452 Euro

Türkische Aktien (ISE 100)

1576 Euro

Venezolanische Aktien (IBC)

2882 Euro

Die GfK rechnet deshalb auch weiterhin mit einem Zuwachs des privaten Konsums um ein Prozent in diesem Jahr - auch wenn die Wirtschaftsweisen Anfang der Woche ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft von 0,8 auf 0,3 Prozent reduzierten. Bislang hätten solche Nachrichten auf das Einkaufsverhalten der Deutschen keinen Einfluss gehabt, begründete Bürkl.

„Abwesenheit von Angst“: Sparquote der Deutschen auf Zehn-Jahrestief

„Abwesenheit von Angst“

Sparquote der Deutschen auf Zehn-Jahrestief

Statt das Geld auf die hohe Kante zu legen, geben die Deutschen ihr Geld lieber aus.

Die einander zum Teil auch widersprechenden Expertenprognosen spielten für das individuelle Kaufverhalten nur am Rande eine Rolle, erläuterte er. „Für den Verbraucher sind die Rahmenbedingungen, die ihn selbst betreffen, entscheidend. Das sind der Arbeitsmarkt, das ist die Einkommensentwicklung, das ist die Inflation.“ Und diese Variablen seien in Deutschland derzeit gut und robust.

Von

dpa

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Gast

27.03.2013, 08:21 Uhr

"spekulieren"
"könnte ankurbeln"

Ja, hätte, wäre, wenn für die Zukunft.

steuerhilfe.net

27.03.2013, 08:43 Uhr

Vom Angstsparer, zum Angstkonsumenten. Konsumforscher müsste man sein, das sind Jobs die die Welt nicht braucht.

Account gelöscht!

27.03.2013, 09:34 Uhr

Eigentlich eine logische Konsequenz und sie wird unsere Uschi wieder in der Annahme bestätigen, das ein Sche..job besser ist als gar keiner. Und unsere Miss Beliebigkeit kann wieder in die Welt hinaus posaunen: Deutschland geht es gut wie niemals zuvor.

Lug und Betrug, wohin man auch schaut.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×