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28.09.2016

11:32 Uhr

Konsumklima

Düstere Stimmung

Lange zeigte sich die Verbraucherstimmung in Deutschland immun gegen globale Krisen und EU-Turbulenzen – das scheint sich nun zu ändern. In vielen deutschen Haushalten schwindet der Konjunkturoptimismus.

Schlechte Aussichten für Händler

Sorge vor Konjunkturdelle - Kauflaune gedämpft ?

Schlechte Aussichten für Händler: Sorge vor Konjunkturdelle - Kauflaune gedämpft ?

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NürnbergDer geplante Ausstieg der Briten aus der EU und die offenbar anhaltende Angst vor weiteren Terroranschlägen drücken auf die Verbraucherstimmung in Deutschland. Viele Haushalte rechneten in den kommenden Monaten mit einem schwächeren Wirtschaftswachstum und damit auch mit nicht mehr so hohen Einkommen wie bisher, berichtete das Marktforschungs-Unternehmen GfK am Mittwoch in Nürnberg bei der Veröffentlichung seiner Konsumklimastudie für September. Manche Verbraucher zögerten daher inzwischen mit größeren Anschaffungen.

Insgesamt aber sei die Verbraucherstimmung - verglichen etwa mit der weitaus schlechteren Konsumlaune in den Jahren 2011 und 2012 – gut, betont der GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl. Mit 10,0 Punkten liege der Konsumklimaindex für Oktober zwar um 0,2 Zähler unter dem September. „Das ist aber noch keine Trendwende. Wir erleben derzeit beim Konsumklima ein Auf und Ab auf hohem Niveau. Ich würde eher von einer Stagnation sprechen“, betonte Bürkl.

Trotzdem hätten neben dem Brexit die Terroranschläge von Würzburg und Ansbach, aber auch die Flüchtlingszuwanderung bei vielen Verbrauchern „ein leichtes Gefühl der Verunsicherung aufkommen lassen“, berichtet der Konsumforscher. Und Verunsicherung sei nun mal Gift für das Konsumklima. „Dabei sprechen eigentlich die objektiven Fakten für eine gute Konsumstimmung: Die Verbraucher haben nach Tarif- und Rentenerhöhungen höhere Einkommen, die Inflationsrate ist niedrig und der Arbeitsmarkt ist stabil“, gab Bürkl zu bedenken.

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

Trotzdem rechnen manche Bundesbürger nach der GfK-Befragung von 2000 Verbrauchern bei der Einkommenserwartung demnächst eher mit leicht schrumpfenden Löhnen und Gehältern. Der entsprechende Index sei im September um 5,7 Punkte auf 52,6 Zähler gesunken.

In der Folge ist auch die Kauflust der Bundesbürger nicht mehr ganz so groß wie in den Vormonaten. Die sogenannte Anschaffungsneigung sank im September um 4 Zähler auf 53,3 Punkte. Trotzdem sitze das Geld - im Vergleich zu zurückliegenden Jahren - bei vielen Deutschen immer noch locker. Jüngere GfK-Untersuchungen zeigten, dass Bundesbürger derzeit viel Geld in Wohnungseinrichtungen steckten - auch eine Folge des Immobilien-Booms. Aber auch für „kleine Freuden“ - mal gut essen gehen mit Freunden oder den Besuch eines Konzerts oder Musicals - gäben Deutsche wieder mehr Geld aus.

Von

dpa

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