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25.08.2011

10:14 Uhr

Konsumklima

Kauflaune der Verbraucher steigt trotz schlechterer Stimmung

Die Zuversicht der deutschen Verbraucher hat im August einen deutlichen Dämpfer bekommen - dennoch steigt die Bereitschaft zu größeren Einkäufen.

Frauen mit Einkaufstüten in der Kölner Fußgängerzone. dpa

Frauen mit Einkaufstüten in der Kölner Fußgängerzone.

NürnbergDie Börsenturbulenzen und Sorgen um eine neue Rezession drücken die Stimmung der deutschen Verbraucher. Die Konsumenten fürchten zwar eine Konjunkturflaute, dank der guten Arbeitsmarktlage steigt ihre Kauflaune jedoch weiter, wie aus einer Umfrage der GfK-Marktforscher unter 2000 Menschen hervorgeht.

Das gesamte GfK-Konsumklima für September sank etwa wie erwartet auf 5,2 von revidiert 5,3 Punkten . Es war der dritte Rückgang in Folge. „Die Verschärfung der internationalen Schuldenkrise und die zunehmende Angst vor einem Rückfall der Weltwirtschaft in die Rezession haben beim Konjunkturoptimismus der Bundesbürger deutliche Spuren hinterlassen“, betonte GfK-Experte Rolf Bürkl. Auf das Konsumklima habe sich dies aber bisher kaum ausgewirkt.

Konjunkturindikatoren

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Geldmenge (M1)

Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

 

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklimaindex

Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

 

Das positive Umfeld von sinkender Arbeitslosigkeit und steigenden Einkommen gleichen laut GfK den Konjunkturpessimismus weitgehend aus. Dennoch betonten die Nürnberger Forscher: „Die Bundesbürger befürchten, dass auch die deutsche Konjunktur von der weltweiten Schwächephase angesteckt werden kann, wenn sich die Exportaussichten spürbar eintrüben.“ Die globalen Börsen sind seit einigen Wochen auf Talfahrt, da Experten sich um eine kräftige Wachstumsabkühlung sorgen. Auch die Stimmung der deutschen Firmen trübt sich deutlich ein, wie der überraschend starke Rückgang des Ifo-Geschäftsklimas zeigte.

Die gesamte Wirtschaft legte im zweiten Quartal nur noch um 0,1 Prozent zu, nach starken 1,3 Prozent zum Jahresanfang. Die Verbraucherausgaben sanken ungeachtet des guten Konsumklimas und verhinderten damit ein stärkeres Wachstum. Die GfK-Konjunkturerwartungen der Konsumenten brachen im August um 31,2 Punkte auf 13,4 Zähler ein. Dieser Teilindikator rutschte auf den niedrigsten Stand seit Juni 2010.

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Mit dem Ifo-Index ist ein weiteres wichtiges Konjunkturbarometer katastrophal ausgefallen. Die Angst vor einer Rezession steigt - doch sie ist zumindest für Deutschland übertrieben.

Der schwindende Optimismus sorgte auch dafür, dass die Verbraucher ihre künftige Finanzlage skeptischer einschätzten. Das Barometer für die Einkommensaussichten sank um sieben auf 27,6 Punkte. „Die Bundesbürger befürchten, dass sie im Rahmen der Lösung der Schuldenkrise künftig verstärkt zur Kasse gebeten werden und rechnen mit finanziellen Belastungen“, erklärte die GfK. Zudem belasteten nach wie vor hohe und teilweise noch steigende Energiepreise. Dennoch gingen die Bürger unterm Strich von steigenden Einkommen aus.

Dies sei auch der Grund, warum sich die Konsumlaune von der Krise unbeeindruckt zeige. Der Teilindex, der die Bereitschaft zu größeren Einkäufen misst, kletterte um 2,8 auf 36,9 Zähler.

„Rückläufige Arbeitslosenzahlen sorgen für eine nachlassende Angst vor Jobverlust und damit für mehr Planungssicherheit.“ Zudem dränge die Debatte um die Schuldenkrise manchen Verbraucher zum Handeln. „Viele Bundesbürger fürchten um die Stabilität ihrer Währung und legen folglich ihr Geld eher in werthaltigen Anschaffungen an, als es auf die hohe Kante zulegen“, sagte Bürkl. Dies belege auch der starke Rückgang der Sparneigung im August.


Kommentare (1)

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Kackbolzen

25.08.2011, 10:57 Uhr

Selbst die GfK stellt also schon den Crack-Up-Boom fest.

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