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27.03.2012

08:39 Uhr

Konsumklima sinkt

Hohe Spritpreise vermiesen die Kauflaune

Die stark gestiegenen Benzinpreise drücken die Laune der deutschen Konsumenten. Das GfK-Konsumklima für April sinkt leicht. Die Verbraucher werden skeptischer.

GfK: Teures Benzin bremst Kauflaune

Video: GfK: Teures Benzin bremst Kauflaune

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BerlinTeures Tanken bremst die Kauflaune der Deutschen: Das für April errechnete GfK-Konsumklima sank um 0,1 auf 5,9 Punkte und damit erstmals nach sechs Anstiegen in Folge. „Rekordstände für Benzin und Diesel an den Zapfsäulen haben im März in den Köpfen der Konsumenten ihre Spuren hinterlassen“, erklärten die GfK-Marktforscher am Dienstag zu ihrer Umfrage unter rund 2000 Verbrauchern.

Während die Bürger die Konjunktur wieder besser bewerten und weiter größere Einkäufe machen wollen, schätzen sie ihre künftigen Finanzen etwas schlechter ein. Trotz des ersten Rückgangs beim Konsumklima seit August 2011 gehen die Marktforscher davon aus, dass die Menschen mit ihren Ausgaben die Wirtschaft ankurbeln und Deutschland damit vor einem Rückfall in die Rezession bewahren.

Trotz der Konjunkturflaute hatte sich das Konsumklima in den vergangenen Monaten stetig aufgehellt und vom stabilen Arbeitsmarkt und von der Aussicht auf höhere Einkommen profitiert. Das teure Tanken gilt aber zunehmend als Risiko für die Konjunkturerholung. „Die Konsumenten, und hier in erster Linie die Berufspendler, sehen ihre Kaufkraft durch die hohen Preise gefährdet“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. „Ein immer größerer Anteil ihres verfügbaren Einkommens muss derzeit für Energie und Sprit aufgewendet werden.“ Wegen der anziehenden Kraftstoffpreise stieg im Februar bereits die Inflationsrate in Deutschland von 2,1 auf 2,3 Prozent. Das Kieler IfW-Institut geht davon aus, dass die Verbraucherpreise im laufenden Jahr durchschnittlich um 2,5 Prozent zulegen.

Die vom GfK errechnete Einkommenserwartung der Konsumenten sank im März um sieben auf 34,3 Punkte. Ein weiterer Grund für den Rückgang sei, dass sich bei den Tarifverhandlungen noch nicht abzeichne, mit welchen Lohn- und Gehaltserhöhungen die Arbeitnehmer dieses Jahr rechnen könnten. „Diese Unsicherheit trägt sicherlich nicht dazu bei, den Einkommensoptimismus zu fördern.“ Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi versucht derzeit - auch mit Warnstreiks - Gehaltsforderungen von plus 6,5 Prozent für den öffentlichen Dienst des Bundes und der Kommunen durchzusetzen. Die IG Metall will für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie ebenfalls 6,5 Prozent mehr Lohn herausholen.

Konjunkturindikatoren

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Geldmenge (M1)

Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

 

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklimaindex

Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

 

Optimistischer zeigten sich die Verbraucher zur weiteren Wirtschaftsentwicklung. Ihre Konjunkturerwartung kletterte leicht um 1,3 auf 7,2 Punkte. Dies dürfte nach GfK-Ansicht mit dem Abschluss des zweiten Rettungspaketes für Griechenland zusammenhängen. Zudem ist der Optimismus der deutschen Unternehmen nahezu ungebrochen, das Ifo-Geschäftsklima verbesserte sich im März den fünften Monat in Folge.
Die Bereitschaft der Konsumenten zu größeren Einkäufen blieb fast unverändert. Die Anschaffungsneigung verlor nur 0,6 auf 38,6 Punkte. Die GfK-Experten sprachen dennoch von einem „sehr hohen Niveau“. Vor allem die sinkende Arbeitslosigkeit und die steigende Beschäftigung seien eine „wesentliche Stütze der Kauflust“.

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Von

rtr

Kommentare (11)

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Vertrag

27.03.2012, 09:35 Uhr

"...die Inflationsrate in Deutschland von 2,1 auf 2,3 Prozent"

Lächerlich. Wenn man den repräsentativen Warenkorb tatsächlich repräsentativ gestalten würde hätten wir eine deutlich höhere Inflationsrate. Das wird nur zu wenig kommuniziert aber der Verbraucher merkt es beim täglichen Einkauf in der Tasche. Da sind gefühlte Inflationsraten von 15-20% keine Seltenheit mehr

Pequod

27.03.2012, 09:46 Uhr

Chinapreise
---------------
Glückliche Söhne des Himmels!
In Beijing gelten, dank des himmlischen Kapitalismus,
morgens und abends die gleichen Preise von 76 cent
für einen Liter Superbenzin.
Es geht also auch ohne die Manipulationen der Erdöl-
konzerne.

Selberdenker

27.03.2012, 10:09 Uhr

Also wenn Diesel von 1.36 € auf 1.55 € steigt, seh ich da z.B. 14 % Preissteigerung. Eine jährliche Dienstleistung die 2011 noch 2600€ gekostet hat, kostet jetzt 2960 € oder 13.5% mehr. Die Inflation ist schon da, es dauert nur noch bis sie überall ankommt. Zum Vergleich, wenn der Dax von 6500 Punkten auf 7345 Punkte steigen würde, wären das auch nur 13% mehr. Die Unternehmen sind nicht mehr "wert", es ist nur mehr Geld geschaffen worden.

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