Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.02.2015

08:10 Uhr

Konsumlust steigt

Deutsche Wirtschaft wächst schneller als erwartet

Kräftiger Zuwachs im Schlussquartal: Die Wirtschaft in Deutschland am Jahresende um 0,7 Prozent gewachsen. Der Konsum im Inland zieht weiter an. Auch im Gesamtjahr steht ein größeres Plus.

Niedrigpreise in Deutschland

So profitieren Sie von den Tiefpreisen

Niedrigpreise in Deutschland: So profitieren Sie von den Tiefpreisen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

WiesbadenGetrieben von der Kauflust der Verbraucher hat die deutsche Wirtschaft ihr Wachstumstempo Ende 2014 wieder deutlich beschleunigt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im vierten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 0,7 Prozent und damit deutlich stärker als zunächst erwartet. Das teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mit.

In einer ersten Schätzung waren die Statistiker ungefähr von einem Viertel Prozent Wachstum im Vergleich zum Vorquartal ausgegangen. Mit dem kräftigen Plus habe sich die konjunkturelle Lage nach dem schwungvollen Jahresauftakt und der Schwächephase im Sommer zum Ende des Jahres stabilisiert, betonten die Statistiker.

Dank des überraschend starken Schlussquartals korrigierten die Statistiker auch den BIP-Anstieg im Gesamtjahr leicht von 1,5 Prozent auf 1,6 Prozent nach oben.

Wichtigste Wachstumstreiber waren nach den Angaben erneut die Verbraucher, die ihre Konsumlust nochmals merklich steigerten. Zudem investierten aber auch die Unternehmen wieder mehr in Ausrüstungen und Bauten.

Vom Außenhandel gingen hingegen wenig Wachstumsimpulse aus: Zwar stiegen die Exporte von Waren und Dienstleistungen zum Vorquartal nochmals kräftig, wie die Statistiker erklärten: „Allerdings erhöhten sich die Importe in ähnlicher Größenordnung.“

Niedrige Inflation: Fluch oder Segen?

Warum ist Preisstabilität so wichtig?

Bei stabilen Preisen bleibt die Kaufkraft des Geldes erhalten. Das stützt den Konsum. Inflation steht hingegen für Geldentwertung: Bei steigenden Preisen können sich alle, die längerfristig gleichbleibende Einkommen beziehen wie Tarifgehälter, Renten oder Sozialleistungen, immer weniger von ihrem Geld kaufen. Auch für Menschen mit Geldvermögen und Sparer ist Inflation schlecht, weil sie am realen Wert des Vermögens knabbert.

Wie weit ist die Notenbank von ihrem Preisziel entfernt?

Das Statistische Bundesamt errechnete für September auf Jahressicht vorläufig einen Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland um 0,8 Prozent. Im Euroraum fiel die Inflation im September sogar auf 0,3 Prozent - den tiefsten Stand seit Oktober 2009. Insgesamt habe die EZB das Versprechen einer stabilen Währung aber eingehalten, betonte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erst am Montag: „In den ersten Fünfzehneinhalb Jahren nach der Euro-Einführung lag die durchschnittliche Inflationsrate bei 2,0 Prozent und damit grosso modo im Einklang mit dem Stabilitätsziel des EZB-Rats.“

Warum strebt die EZB eine höhere Teuerung an?

Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent gewahrt. Damit will die Notenbank ein Abrutschen in eine Deflation verhindern, also einen Preisverfall auf breiter Front. Denn in Erwartung einer weiter nachlassenden Inflation oder gar sinkender Preise könnten Unternehmen und Verbraucher Investitionen und Konsumausgaben zurückstellen. Das würde eine Spirale in Gang setzen, die die Konjunktur abwürgt und Arbeitsplätze kostet. Zudem hat EZB-Präsident Mario Draghi betont, dass der sehr geringe Preisauftrieb schlecht ist für Schuldner: „Ist die Inflation niedrig, sinkt der reale Wert der Schulden von Staaten und Unternehmen langsamer.“ Dadurch werde der Schuldenabbau erschwert.

Wie entwickeln sich die Preise für Nahrungsmittel?

Nach den vorläufigen Zahlen der Statistiker kosteten Nahrungsmittel im September 0,9 Prozent mehr als vor einem Jahr. Seither haben aber Discounter und Supermärkte eine neue Welle für Preissenkungen eingeläutet: So hatte Deutschlands Discount-Marktführer Aldi Anfang Oktober die Preise für Käse-Produkte wie Aufschnitt, Frisch- und Schmelzkäse oder Sahneprodukte zum Teil um mehr als 13 Prozent gesenkt. Der Billiganbieter begründete den Schritt mit gesunkenen Rohstoffpreisen. Seit Monatsmitte sind auch Pommes frites und Zucker billiger.

Was sind die Gründe für die niedrige Teuerung?

Insbesondere weltweit sinkende Energie- und Nahrungsmittelpreise haben die Inflation gedrückt. Zwischenzeitlich verbilligte zudem der starke Euro importierte Waren. Inzwischen hat die EZB eingegriffen und den Euro gegenüber dem Dollar geschwächt. Zwar führe der Rückgang des Ölpreises auch an den Zapfsäulen weiter zu sinkenden Preisen, erklärt der ADAC: Allerdings werde dieser Effekt auf die Spritpreise durch den schwächeren Euro teilweise aufgefangen. Trotzdem: Sprit wird seit Monaten immer billiger. Nach ADAC-Angaben kostete der Liter Diesel im September durchschnittlich 136,2 Cent. Vor einem Jahr mussten Autofahrer demnach noch 144,0 Cent bezahlen, vor zwei Jahren 152,4 Cent. Nach Angaben des Deutschen Mieterbunds sanken auch die Preise für Heizöl von Januar bis Juli um 5,4 Prozent.

Im Vergleich zum Schlussquartal 2013 stieg das preisbereinigte BIP um 1,6 Prozent. Damit hat das Wachstum auch auf Jahressicht wieder Fahrt aufgenommen: Im dritten Quartal hatte das Plus bei 1,2 Prozent gelegen, im zweiten Vierteljahr bei 1,0 Prozent.

Experten rechnen auch 2015 mit einem robusten Wachstum der deutschen Wirtschaft. Die Konjunktur wird demnach durch den niedrigen Ölpreis und den schwachen Euro, der deutsche Exporte auf den Weltmärkten billiger macht, befeuert. Zudem dürften die niedrige Arbeitslosigkeit und die Mini-Zinsen die Konsumlust der Verbraucher weiter anschieben. Das Wirtschaftsministerium hatte seine Konjunkturprognose erst kürzlich von 1,3 Prozent auf 1,5 Prozent angehoben.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Andreas Glöckner

13.02.2015, 08:36 Uhr

Die Leute sollen Öko kaufen. Wenn etwas unseren Konsum antreibt, dann muss es umweltfreundlich sein. Und teuer, damit Öko Schick wird.

Wie wäre es mit einem Nerz oder einem Pelz um die "eigene Naturverbundenheit" oder die "private" oder akademisch: die "höchst- subjektive Naturverbundenheit" zum Ausdruck zu bringen.

Wirtschaftswachstum wie zu Bismarckszeiten. Ihr seid ganz schön bescheuert.

Habermas könnt ihr übrigens vergessen. Er ist nur Philosoph. Und dann noch einer, der die "Kommunikation" gestalten will. Mensch, jetzt sagen Sie doch mal: vertical farming; climate change oder versuchen sie es in russischer oder chinesischer Sprache. Oder sagen Sie der deutschen Politik, dass sie uns beinahe den Fortschritt auch im Bereich der Energieerzeugungstechnololgien und Energieübertragungstechnologien gekostet hätte. Machen Sie das?
Unsere Gesellschaftsphilosphie, Herr Habermas, bringt nicht viel, wenn wir uns das Ergebnis des Gesprächs nicht gestatten. So wie zum Beispiel die Begriffe "Schuldenabbau" und "Schuldenbremse" darauf verweisen, das selbst einer der älteste Ratschläge des Kapitalismus, nämlich, dass man keine Schulden machen soll, erst noch gesetzlich erzwungen werden musste. Mit üblem Schimpf und Bürgerkriegsrhetorik.

Unsere Wirtschaft wächst nicht, so wie eine Pflanze wächst. Unsere Wirtschaft wird konstruiert und an den Konstruktionen ausgerichtet. Das überraschend starke Wachstum sagt nichts dazu. Vielleicht liegt es daran, dass der Durchlauf der Geldmenge M1 erhöht wurde. Nur so, versteht sich. Rein demokratisch. Da wirkte kein Imperativ auf die Ökonomen. Und da wirken auch keine Imperative auf die Gesellschaft.

Wollten die Familienunternehmer nicht Deutschland verlassen?
Dann will ich mal hoffen, dass das rasante Wachstum am Jahresende keine Unternehmensverkäufe waren. Ansonsten, viel Spaß in der neuen Heimat. Hohle Drohgebärden.

Also, wenn das hier nicht gut gehen sollte, dann würde ich überrascht sein. Und zwar jeden Tag aufs neue.

Account gelöscht!

13.02.2015, 08:39 Uhr

Deutschland ist klasse. Mir geht es finanziell exzellent. Der jungen First Lady und Muse geht es trotz Uni-Stress dank meiner Kreditkarte und der mtl. Apanage auch super.

In meinem Umfeld (alles auch hochqualifizierte Investmentbanker und Leistungsträger in Deutschland) mit 6 bis 7- stelligen Beträgen im Jahr an den Fiskus klagt auch niemand - alles bestens.

Also immer schön die Augen auf bei der Berufswahl. Jeder ist sein eigenes Glückes Schmied, und bekommt das was er verdient. C´est la vie.

Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope and HQ of Super-Mario.


Ralph

Investmentbanker (CFA, Eurex- und Xetra-Lizenz)
- selbst. Börsenhändler -
Algo- und System-Trading

Handelsbuch mit 5,0 Mio. € Handelslimit, genehmigt durch die hinterlegte Sicherheit in physischen Gold auf dem Margin-Konto

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×