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06.11.2013

16:46 Uhr

Krankheit und Konsum

6,58 Millionen Deutsche sind überschuldet

Die Überschuldung in Deutschland stagniert, öfter als früher wegen übermäßigen Konsums. Jeder zehnte Erwachsene ist so hoch verschuldet, dass er langfristig von seinem Schuldenberg nicht herunterkommt.

Die Auskunftei Creditreform macht die Zahl der überschuldeten Verbraucher daran fest, ob jemand seine offenen Rechnungen bei mindestens drei Gläubigern trotz zwei bis drei Mahnungen nicht begleicht – und damit seinen Zahlungsverpflichtungen in absehbarer Zeit nicht nachkommt. dpa

Die Auskunftei Creditreform macht die Zahl der überschuldeten Verbraucher daran fest, ob jemand seine offenen Rechnungen bei mindestens drei Gläubigern trotz zwei bis drei Mahnungen nicht begleicht – und damit seinen Zahlungsverpflichtungen in absehbarer Zeit nicht nachkommt.

NeussDie Zahl der Verbraucher mit zu hohen Schulden in Deutschland stagniert. 6,58 Millionen Menschen hierzulande waren im Oktober 2013 überschuldet, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Mittwoch mitteilte. Vor einem Jahr waren es demnach 6,59 Millionen Menschen. Damit sind aktuell 9,81 Prozent der volljährigen Erwachsenen so hoch verschuldet, dass sie auch langfristig nicht in der Lage sind, ihre Außenstände zu begleichen.

Hauptursachen für Überschuldung sind laut Creditreform weiterhin Arbeitslosigkeit, die familiäre Situation, Krankheit, Konsum und gescheiterte Selbstständigkeit. Da die wirtschaftliche Lage in Deutschland aber mittlerweile deutlich besser sei und die Arbeitslosigkeit zuletzt gesunken, habe die Arbeitslosigkeit als Schuldenursache in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren. Das gleiche gelte für die gescheiterte Selbstständigkeit, da die Gründerzahlen gesunken seien.

Die Kosten für das bequeme Zahlen mit der Karte

Betrifft das überhaupt viele Menschen?

Ja. Dem Handelsforschungsinstitut EHI zufolge lag der Anteil des Kartenumsatzes 2012 am Gesamtmix der Zahlungsarten im deutschen Einzelhandel erstmals bei mehr als 40 Prozent - und das ist im EU-Vergleich noch ein geringer Anteil. Bei jeder Zahlung fallen dann Gebühren an.

Um welche Entgelte geht es?

Die Pläne beziehen sich auf die sogenannten Interbanken-Entgelte. Diese stellt die Bank eines Kunden dem Finanzinstitut eines Händlers in Rechnung, wenn der Verbraucher per Karte zahlt. Kreditkarten-Unternehmen wie Mastercard und Visa verdienen an diesen Gebühren - für Händler bedeuten sie aus Sicht der EU-Kommission unnötige Kosten in Milliardenhöhe, die durch höhere Produktpreise auf die Verbraucher abgewälzt werden. Zudem sieht die Kommission ein Hindernis für moderne und sichere Zahlungsmethoden, wenn es aufgrund der Gebühren für Händler billiger ist, Bargeld anstatt Karten zur Bezahlung zu akzeptieren.

Wie hoch sind die Gebühren?

Das ist von Land zu Land sehr unterschiedlich: Die Gebühren für Debitkarten reichen der "Financial Times" zufolge von 0,1 Prozent in Dänemark bis zu 1,6 Prozent in Polen. Die Entgelte für Kreditkarten betragen demnach in Deutschland 1,8 Prozent, in Frankreich jedoch nur 0,5 Prozent. Auch das stört die EU-Kommission, die für ganz Europa möglichst einheitliche Geschäfts- und Wettbewerbsbedingungen anstrebt.

Auf welcher Höhe sollen die Entgelte gedeckelt werden?

Die Gebühren für Kreditkarten-Zahlungen sollen höchstens 0,3 Prozent des Zahlungsbetrags betragen dürfen. Für Debitkarten will die Kommission die Grenze auf 0,2 Prozent festlegen. Das soll zunächst für grenzüberschreitende Zahlungen gelten, knapp zwei Jahre später dann auch für Transaktionen im Inland. Zuerst müssen allerdings EU-Staaten und Europaparlament zustimmen.

Was bedeutet das für Deutschland?

Für Deutschland könnte das besonders Änderungen bei Kreditkarten bedeuten. Die deutschen EC-Karten dürften von den Bestimmungen für Debitkarten aufgrund eines einfacheren Systems ausgenommen bleiben. In Deutschland fällt bei der Zahlung mit EC-Karten in der Regel eine Gebühr in Höhe von 0,3 Prozent des Umsatzes an, mindestens jedoch acht Cent. Große Handelsunternehmen handeln mit den Banken aber auch eigene Sätze aus, die darunter liegen dürften. Die EU-Kommission hofft zudem, dass in Deutschland die Akzeptanz für das bargeldlose Bezahlen steigt.

Was ist das Ziel?

Neben einheitlichen Regeln und größerem Wettbewerb zwischen den Zahlungsanbietern strebt die EU-Kommission vor allem geringere Kosten für Verbraucher an. Doch das betroffene Unternehmen Mastercard warnt, dass genau das Gegenteil erreicht werden könnte, wenn die Kartenanbieter zum Ausgleich für die verlorenen Entgelte direkt von den Karteninhabern höhere Jahresgebühren fordern.

In welcher Höhe drohen den Kreditkarten-Unternehmen Verluste?

"10,5 Milliarden Euro fließen in der EU jährlich vom Handel in die Taschen der Kartenanbieter, davon bei Debitkarten 4,8 Milliarden Euro, bei Kreditkarten sogar 5,7 Milliarden Euro", sagt der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold. Der EU-Kommission zufolge könnten die Händler Abgaben in Höhe von rund sechs Milliarden Euro sparen.

Was ist noch geplant?

Die Kommission will Extragebühren verbannen, die etwa bei einer Flugbuchung per Karte anfallen. Verbraucher sollen außerdem besser vor Betrug und Missbrauch geschützt werden, indem ihr Verlust bei nicht autorisierten Kartenzahlungen nicht über 50 Euro hinausgehen soll, anstatt bisher 150 Euro.

Deutlich zugenommen hat laut Creditreform allerdings Krankheit als Ursache für Überschuldung. Das gleiche gilt demnach für zu hohe Konsumausgaben. Damit zeige sich die Kehrseite des wirtschaftlichen Aufschwungs, erklärte Creditreform: „Verbraucher trauen sich die Finanzierung ihres Konsums eher zu.“

Den höchsten Anteil überschuldeter Bürger haben der Auskunftei zufolge vor allem größere Städte. An der Spitze steht Bremerhaven, wo 19,84 Prozent der volljährigen Erwachsenen ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen können. An zweiter Stelle steht Offenbach am Main (18,61 Prozent), gefolgt von Wuppertal (17,89 Prozent), Pirmasens (17,73 Prozent) und Halle an der Saale (17,57 Prozent). Die niedrigsten Schuldnerquoten haben hingegen durchgehend Städte in Franken: Eichstätt (3,71 Prozent), Erlangen-Höchstadt (4,63 Prozent) und Schweinfurt (4,81 Prozent).

Kommentare (2)

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Treudoof

06.11.2013, 20:26 Uhr

Wen interessiert eine Privatinsolvenz?
Die lernen mit vorauseilendem Gehorsam von den Griechen.
Das Schlimmste was blüht ist doch Hartz 4 obwohl bei der Pöbelei gegen die PIGS ( heißt das Schweine?) man wohl demnächst eine Niere abliefern darf um die Zinsen bei Prekariatskanzlers Nachfolgern zu bezahlen.
Natürlich zahlt das Niemand mehr zurück: Dümmliches Papier, hastig gedruckt und ohne tieferen Wert also Warendeckung.
Und nun schwabbelt dieses sog. "Geld" ohne Deckung schädlich in der Gegend rum.
Aber statt nun zu entwerten stürzt es immer mehr Leute in immer neue Schulden.
Am Ende zahlt man dann mit einer Rolle benutztem Klopapier zurück was bei dem ganzen Elend keinen mehr interessiert. Und Krieg ist.

Account gelöscht!

07.11.2013, 17:09 Uhr


Eine schöne Zahl. Zusammen mit den Bad Banks sind wir eigentlch schon gut im Schuldenrennen.

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