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07.04.2011

07:05 Uhr

Kreditprogramm

Japans Notenbank hilft Wirtschaft mit Milliarden

Japans Notenbank versucht zu helfen: Das Institut hat heute nicht nur wie erwartet den Leitzins stabil bei Null belassen, sondern auch Milliarden bereitgestellt. Das Kreditprogramm soll in der Erdbebenregion helfen.

Das Hauptquartier der Bank of Japan in Tokyo: Milliarden gegen die Not. Quelle: dapd

Das Hauptquartier der Bank of Japan in Tokyo: Milliarden gegen die Not.

TokioDie Bank von Japan stellt angesichts der Belastungen für die heimische Wirtschaft durch Beben und Tsunami Sonderkredite in Milliardenhöhe bereit. Den Banken im besonders betroffenen Nordosten des Landes solle mit umgerechnet 8,2 Milliarden Euro (eine Billion Yen) unter die Arme greifen, teilte die japanische Zentralbank am Donnerstag nach ihrer zweitägigen geldpolitischen Sitzung mit. Die Zinsen ließ sie unverändert in der Spanne von null bis 0,1 Prozent und signalisierte zugleich ihre Bereitschaft, an der lockeren Geldpolitik angesichts der erschwerten Umstände nach den Naturkatastrophen festzuhalten.

Die wirtschaftliche Lage schätzte die Notenbank schlechter ein. „Die japanische Wirtschaft steht wegen des Erdbebens unter erheblichem Abwärtsdruck, vor allem die Produktion“, erklärte die Zentralbank. Die Notkredite mit einer Laufzeit von einem Jahr sollen zu einem Zinssatz von 0,1 Prozent bereitgestellt werden.

Japan befindet sich in der schlimmsten Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, nachdem ein schweres Erdbeben und ein darauffolgender Tsunami am 11. März weite Teile des Nordostens verwüsteten. Die Schäden in Folge der Havarie des Atomkraftwerks Fukushima sind zudem kaum abzuschätzen. Als erste Reaktion auf die Katastrophe hatte die Zentralbank vergangenen Monat den Banken bereits zusätzliche Liquidität bereitgestellt.

Den Kurs des japanischen Yen setzt die Stützungspolitik der Bank of Japan weiter unter Druck. Die japanische Währung notierte im Vergleich zum Dollar am Morgen weiter oberhalb von 85 Yen je Dollar. Nach dem Erdbeben, als an den Märkten massive Repatriierungen von Auslandsinvestments japanischer Investoren befürchtet worden waren und Spekulanten Carry-Trade-Positionen auflösten, mussten in der Spitze für einen Dollar weniger als 78 Yen bezahlt werden.

Doch die wachsende Schere zwischen der Geldpolitik der Bank of Japan und ihrer Pendants in anderen Ländern hat für einen drastischen Kurswechsel gesorgt. Auch im Vergleich zum Euro hat der Yen deutlich nachgegeben. Mit mehr als 122 Yen je Euro war der Yen zuletzt so günstig wie seit fast einem Jahr nicht mehr. Verstärkt wird der Trend dadurch, dass Investoren sich wenige Wochen nach dem Beben schon wieder an Carry-Trades herantrauen. Dabei nehmen sie zu Niedrigzinsen Kredite in japanischen Yen auf und investieren das Geld in Anlagen aus Ländern mit deutlich höheren Zinsen.

Die unterschiedlichen Erwartungen an die Notenbanken zeigen sich auch in den Renditeabständen (Spred) von Staatsanleihen. Der Spread zwischen zweijährigen japanischen Staatsbonds und deutschen Schatzbriefen mit gleicher Laufzeit ist so hoch wie seit Ende 2008 nicht mehr.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird heute voraussichtlich erstmals seit Beginn der Finanzkrise die Zinszügel anziehen. Experten gehen davon aus, dass der EZB-Rat unter Führung von Präsident Jean-Claude Trichet den Schlüsselzins um einen Viertel Prozentpunkt auf 1,25 Prozent anheben wird. Er liegt seit Mai 2009 mit 1,0 Prozent so niedrig wie nie zuvor. Trichet und weitere EZB-Führungsmitglieder hatten zuletzt signalisiert, dass sie wegen der anziehenden Inflation in der Euro-Zone eine geldpolitische Wende für geboten halten. Die Teuerungsrate in der Euro-Zone ist im März auf 2,6 Prozent gestiegen und damit der EZB-Stabilitätsmarke von knapp zwei Prozent weit enteilt. Bei einem Schritt dürften es die Währungshüter nicht belassen: Experten rechnen für das Jahresende mit einem Zinsniveau von 1,75 Prozent.

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