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19.01.2010

09:53 Uhr

Kreditvergabe

Finanzierungsengpass bedroht Konjunkturerholung

VonDorit Marschall

Die Vorabauswertung einer DIHK-Umfrage zeigt: Exportlastige Unternehmen beklagen sich zunehmend über die Kreditvergabe. Doch gerade auf den Exportchancen ruhen die Hoffnungen auf eine weitere konjunkturelle Erholung.

Container an einem Verladeterminal im Hamburger Hafen: Die deutsche Wirtschaft ist massiv vom Export abhängig. Quelle: ap

Container an einem Verladeterminal im Hamburger Hafen: Die deutsche Wirtschaft ist massiv vom Export abhängig.

FRANKFURT. Die exportorientierten Unternehmen in Deutschland klagen verstärkt über Finanzierungsprobleme. Das lässt sich an der vorläufigen Auswertung einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter rund 4 000 Exportunternehmen ablesen. „Dass die Finanzierungsbedingungen im Exportbereich sichtlich schlechter werden, stellt eine Gefährdung der konjunkturellen Erholung dar“, sagt DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann dem Handelsblatt. Gerade auf die wieder deutlich aufgehellten Exportaussichten stütze sich aber die Hoffnung auf eine weitere konjunkturelle Erholung.

Maschinenbauer haben mit die größten Sorgen

Die deutsche Wirtschaft wurde von der globalen Krise vor allem deswegen so hart getroffen, weil sie massiv vom Export abhängt. Aufgrund der unsicheren Wirtschaftslage hatten Kunden aus aller Welt Investitionen in Maschinen und Anlagen zurückgestellt – und damit der deutschen Industrie zweistellige Produktionseinbrüche beschert. Dass sich die Weltwirtschaft dank zahlreicher Konjunkturpakete in den vergangenen Monaten wieder etwas erholte, sorgte wiederum dafür, dass die Erholung in Deutschland schneller und kräftiger einsetzte als anderswo.

Nun fürchten die hiesigen Unternehmen der DIHK-Umfrage zufolge um die Finanzierung der Produktionssteigerung – weil ausgerechnet die Firmen mit den besten Geschäftsaussichten nach eigenen Angaben verschärft um Kredite kämpfen müssen.

Mit am schwierigsten ist die Situation bei den Investitionsgüterproduzenten: So klagt jedes dritte Maschinenbauunternehmen über verschlechterte Kreditkonditionen für das Exportgeschäft. Im Fahrzeugbau ist es gut jedes fünfte Unternehmen. In der Vorleistungsbranche ist die Lage etwas besser: 22 Prozent der Chemieunternehmen sehen Finanzierungsprobleme vor allem im Exportgeschäft – im Herbst 2009 waren es noch 14 Prozent. Bei den Metallerzeugern klagen nach vier Prozent im Herbst nun 19 Prozent. Im Exportgroßhandel berichtet mit 39 Prozent ein noch weit größerer Anteil von Finanzierungsproblemen im Exportgeschäft.

Der Wirtschaftsverband appelliert an die Banken

Laut DIHK zeigen diese Umfrageergebnisse, dass die Kreditinstitute die Abnehmerländer deutscher Lieferungen heute als deutlich riskanter einstufen als vor der Krise. Das führe zu steigenden Zinsen, höheren Anforderungen an die Sicherheiten sowie teureren Kreditversicherungen. „Die Banken sind aufgerufen, die wieder besseren Exportperspektiven beim Rating der Unternehmen und somit bei der Kreditvergabe stärker zu berücksichtigen“, fordert DIHK-Präsident Driftmann. Das KfW-Programm zum Ankauf bundesgedeckter Exportkredite zur Verbesserung der Refinanzierungsmöglichkeiten müsse „unbedingt“ über 2010 hinaus verlängert werden: „Ohne diese Planungssicherheit werden die Kreditinstitute das Programm kaum nutzen.“

Kommentare (2)

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zarakthuul

19.01.2010, 12:09 Uhr

in den Finanzierungsschwierigkeiten der produzierenden Unternehmen zeigt sich der ganze Widersinn der gegenwärtigen Finanzpolitik. Statt gezielt die Wertschöpfung zu unterstützen wird das Geld den Spekulanten förmlich geschenkt. Die Wirtschaft kämft noch mit den Folgen der letzten Finanzblase, da bauen sich schon die nächsten auf.
Zinsen rauf und dafür gezielte Kreditprogramme für Mittelstand und Exportwirtschaft!

Dieter

19.01.2010, 12:09 Uhr

Dass die banken keine Rotkreuz-institute für marode Unternehmen sind, leuchtet jedem ein. Dennoch ist zu beklagen, dass sie die effizienten Konjunkturfördermaßnahnen der Regierung in der konsequenten, erfolgreichen Weiterführung nicht mit Krediten unterstützen. Gerade die Rating beurteilungen sind während der abgelaufenen bankenkrise ins Gerede gekommen, da sie oft fehlerhaft oder sogar völlig daneben waren. Früher konnte jeder Firmeninhaber oder Selbstständige mit einem gefüllten Auftragsbuch Kredite für investitionen erhalten. Heute muss die ganze Firma als Sicherheit herhalten und selbst dann ist die Kreditvergabe nicht gesichert. Die banken können natürlich mit Derivaten und sonstigen Anlagepapieren erheblich höhere Gewinne erzielen, als mit der Vergabe von Krediten an die industrie. Dennoch muss man speziell die, welche mit Steuergeldern gerettet wurden auf ihre originäre Aufgabe, die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen, hinweisen oder gar verpflichten. Denn viele haben mit staatlichen Subventionen ihre Schulden zurückgezahlt und glauben nun, bis zum nächsten Crash wieder frei jeder Verantwortung schalten und walten zu können. Vorige Woche war von einem banker zu hören, dass banken keine Soziale Verantwortung übernehmen müssen. Die Perversion solcher Aussagen liegt nicht in der Selbstverständlichkeit des abgehobenen Elitedenkens der banker, sondern in der Gewissheit als System relevante Körperschaft immer unter dem Schutzschirm der Politik zu stehen. Hier wäre mal wieder ein Gipfeltrefen Wirtschaft, Politik, banken angesagt, denn es geht um die Zukunft unserer überlebensnotwendigen Exportindustrie und der bundesrepublik schlechthin. Die guten beziehungen von Fr. Merkel zu bankenkreisen könnte bei entsprechendem Einsatz zum Wohle Deutschlands genutzt werden. Das bei vielen anderen Problemen geforderte Kanzler-Machtwort wird wohl wieder ausbleiben.

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