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31.05.2013

11:47 Uhr

Krise setzt sich fort

Arbeitslosigkeit in Europa wächst weiter

Im April kletterte die Arbeitslosenquote in den Euro-Ländern auf 12,2 Prozent. In Südeuropa ist fast jeder Vierte ohne Arbeit. Zugleich steigt die Inflationsrate im Euroraum sehr deutlich.

Lange Schlangen vor den Arbeitsämtern: 26,8 Prozent sind in Spanien arbeitslos. dpa

Lange Schlangen vor den Arbeitsämtern: 26,8 Prozent sind in Spanien arbeitslos.

LuxemburgDie Krise auf dem Arbeitsmarkt der Eurozone setzt sich fort: Die Zahl der Arbeitslosen steigt, betroffen sind weiterhin besonders die Südländer und junge Menschen. Die Arbeitslosenquote in den 17 Euro-Ländern kletterte im April auf 12,2 Prozent, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat am Freitag in Luxemburg mitteilte. Im Vormonat hatte der Wert noch bei 12,1 Prozent gelegen. Damit waren in der Eurozone 19,375 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit. In der gesamten EU sind es 26,588 Millionen (11,0 Prozent).

Besonders hart trifft die Krise auf dem Arbeitsmarkt weiterhin die südeuropäischen Länder. In Griechenland (27,0 Prozent) und Spanien (26,8 Prozent) war nach den letzten verfügbaren Zahlen mehr als jeder Vierte ohne Job. In Portugal hatten 17,8 Prozent der Männer und Frauen keine Arbeit.

EU-Prognosen für die Krisenländer

Frankreich

Erstmals seit 2009 dürfte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone in diesem Jahr wieder schrumpfen - wenn auch mit 0,1 Prozent nur minimal. "Die real verfügbaren Einkommen der Verbraucher schwächeln wegen der steigenden Arbeitslosigkeit und höherer Steuern", prophezeit die EU-Kommission. "Das anhaltend ungünstige Unternehmervertrauen dürfte die Investitionen weiter fallen lassen." 2014 wird ein Wachstum von 1,1 Prozent vorhergesagt, doch soll die Arbeitslosenquote trotzdem von 10,6 auf 10,9 Prozent steigen. Auch das Staatsdefizit soll im kommenden Jahr mit 4,2 Prozent etwas höher ausfallen als 2013 mit 3,9 Prozent, was den Schuldenberg auf 96,2 Prozent der Wirtschaftsleistung anschwellen lassen dürfte.

Italien

Die Rezession soll sich in diesem Jahr abschwächen. Das Minus dürfte mit 1,3 Prozent knapp halb so hoch ausfallen wie im Vorjahr mit 2,4 Prozent. "Es gibt keine klaren Signale für eine kurzfristige Erholung, da sich sowohl das Verbrauchervertrauen als auch das Geschäftsklima im negativen Bereich befindet", stellt die Kommission fest. 2014 soll ein Mini-Wachstum von 0,7 Prozent folgen. Die Neuverschuldung soll sich zwar mit 2,9 und 2,5 Prozent im erlaubten Rahmen bewegen. Mehr Sorgen macht aber der Schuldenstand: Er soll 2014 auf 132,2 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. Eigentlich sehen die EU-Verträge eine Obergrenze von 60 Prozent vor.

Spanien

Die Rezession dürfte sich in diesem Jahr verschärfen. Erwartet wird ein Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von 1,5 Prozent, nach minus 1,4 Prozent im Vorjahr. "Die Binnennachfrage wird wohl schwach bleiben, aber die preisliche Wettbewerbsfähigkeit solle sich schrittweise verbessern und die Exporte an Schwung gewinnen", sagt die Kommission voraus. 2014 soll dann ein Wachstum von 0,9 Prozent zu Buche stehen. Die Arbeitslosenquote soll dann vom Rekordniveau von 27,0 auf 26,4 Prozent fallen. Die Neuverschuldung dürfte mit 6,5 und 7,0 Prozent in beiden Jahren hoch bleiben. Der Schuldenberg soll bis 2014 auf 96,8 Prozent des Bruttoinlandproduktes wachsen - 2009 waren es noch 53,9 Prozent.

Griechenland

Die Wirtschaft dürfte 2013 das sechste Jahr in Folge schrumpfen, wenn auch mit 4,2 Prozent so langsam wie seit 2009 nicht mehr. "Die hohe Arbeitslosigkeit und Einschnitte bei Löhnen und Sozialleistungen werden den privaten Konsum weiter drücken", befürchtet die EU-Kommission. 2014 soll die Rezession enden: Erwartet wird ein Mini-Wachstum von 0,6 Prozent. Dann soll auch die Arbeitslosenquote fallen, die in diesem Jahr mit 27 Prozent einen Rekordwert erreichen dürfte. Das Staatsdefizit soll sich 2014 mit 2,6 Prozent wieder im erlaubten Rahmen bewegen. Der Schuldenberg dürfte etwas abgetragen werden - von 175,2 auf 175,0 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Schuldenstandsquote bleibt aber mit Abstand die höchste in der Euro-Zone und der EU.

Irland

Von allen Krisenstaaten macht Irland die größten Fortschritte. Das Wirtschaftswachstum dürfte sich in diesem Jahr auf 1,1 Prozent erhöhen und sich 2014 auf 2,2 Prozent verdoppeln. Die "Leistung ist ermutigend", so die EU-Kommission. Die unter Steuererhöhungen und Sparprogrammen leidende Binnennachfrage soll im kommenden Jahr erstmals wieder zum Wachstum beitragen. Die Arbeitslosenquote soll bis dahin auf 13,7 Prozent fallen, 2012 waren es noch 14,7 Prozent. Die Gesundung der Staatsfinanzen kommt aber nur langsam voran: Das Defizit dürfte sowohl in diesem Jahr mit 7,5 als auch im kommenden Jahr mit 4,3 Prozent klar über der Zielmarke der EU von drei Prozent liegen. 2014 soll der Schuldenberg schrumpfen.

Portugal

Auch hier verharrt die Wirtschaft in der Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt soll um 2,3 Prozent schrumpfen, nach 3,2 Prozent 2012. "Die Wachstumsaussichten für Portugals Exportmärkte haben sich eingetrübt, während sich die Lage am Arbeitsmarkt eintrübt", stellt die EU-Kommission fest. 2014 soll es wieder ein Wachstum von 0,6 Prozent geben - trotzdem dürfte die Arbeitslosenquote auf 18,5 Prozent steigen. Das Staatsdefizit soll in diesem Jahr auf 5,5 und 2014 auf 4,0 Prozent sinken, während der Schuldenberg bis dahin voraussichtlich auf 124,3 Prozent anschwillt.

Zypern

Mit 8,7 Prozent dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr so stark einbrechen wie in keinem anderen Euro-Land. "Das geht vor allem auf den dringlichen Umbau des Bankensektors zurück, der Kreditwachstum und Haushaltssanierung hemmt", befürchtet die EU-Kommission. "Unsicherheit belastet zudem die Binnennachfrage und Investitionen." 2014 soll die Rezession mit 3,9 Prozent deutlich schwächer ausfallen, die Neuverschuldung aber auf 8,4 Prozent steigen. Der Schuldenberg wächst bis dahin auf 124 Prozent. Er wäre dann mehr als doppelt so groß wie 2010.

Wie dramatisch die Lage in vielen Euro-Ländern ist, zeigt ein Blick auf die Jugendarbeitslosigkeit. In Griechenland liegt die Quote inzwischen bei 62,5 Prozent, in Spanien bei 56,4 Prozent. In Portugal sind 42,5 Prozent der unter 25-Jährigen ohne Job, in Italien sind es 40,5 Prozent. Die hohe Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen gehört zu den derzeit größten Sorgen der EU, die Politiker suchen seit Monaten nach schnell wirksamen Gegenmaßnahmen. In allen 27 EU-Ländern sind mehr als 5,6 Millionen Jugendliche ohne Job.

Deutschland gehört zu der Gruppe der Länder mit den geringsten Arbeitslosenzahlen. Bei der Jugendarbeitslosigkeit steht Deutschland mit einer Quote von 7,5 Prozent Eurostat zufolge am besten da. Die generelle Arbeitslosenquote liegt bei 5,4 Prozent, nur in Österreich ist sie mit 4,9 Prozent niedriger.

Die Teuerung in der Eurozone zieht wieder an. Die jährliche Inflationsrate kletterte im Mai auf 1,4 Prozent. Damit lag der Wert um 0,2 Punkte höher als im Vormonat, wie das Europäische Statistikamt Eurostat am Freitag in einer ersten Schätzung in Luxemburg mitteilte. Vor allem die Preise für Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak zogen noch einmal deutlich an. Die Energiekosten gingen hingegen wie bereits im Vormonat leicht zurück.

Insgesamt liegt die Inflationsrate im Euroraum weiter unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp zwei Prozent. Die Notenbank sieht die Preisstabilität bei Raten von bis zu oder nahe zwei Prozent gewährleistet. Im April hatte die Inflationsrate mit 1,2 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit August 2010 gelegen. Nähere Details zum Mai wird Eurostat Mitte Juni mitteilen.

Kommentare (7)

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Eurowahn

31.05.2013, 12:31 Uhr

Nein, alle sind auf einem guten Weg, sagt Her Schäuble !! Und das immer und zu jedem Anlaß zu den Krsienländern. Bestimmt sind das hier nur Milchmädchenrechnungen, würde er sagen. Und je öfter Sie so etwas behaupten, die Arbietslosogkeit würde steigen, dadurch wird es nicht richtiger. Und es ist ganz klar, die Rettungsschirme laufen naus, das haben wir klar vereinbart.
Etc. , nur ein paar Lügen unseres Lügenbarons. Alle Länder machen laut den Euroideologen ständig tolle Fortschritte. Und für das kommende Jahr wird dann edes Mal für die Pleitestaaten ein kleines Wachstum prognostiziert. So will man den Bürger ruhigstellen und hinhalten, wider besssern Wissens. Ist es dann so weit muss man zugestehen, dass die Länder noch stärker ins Strudeln gekommen sind. Das Lügen, Betrügen und Täuschen ist Politikeralltag in Sachen Euro. Eine scjhande für jeden ehrlichen Menschen und die Politik insgesamt. Eine Haufen von Euroideologen und Lügnern.

blaufisch

31.05.2013, 13:00 Uhr

AfD - Teil 1
OT:
Das Handelsblatt nimmt leider die gestrige verfälscht und rufschädigende Veröffentlichung eines Interviews von Herrn Lucke (AfD) mit Reuters nicht zurück und lässt damit eine Kommentierung dieses unglaublichen Vorganges nicht zu.

Herr Lucke schrieb an seine Mitglieder und Unterstützer:
"Liebe Mitglieder und Förderer der Alternative für Deutschland,
Sehr geehrter Herr ......,

ich möchte auf diesem Wege eine Meldung richtig stellen, die heute zuerst über Reuters und weiter über die Deutschen Wirtschaftsnachrichten verbreitet wurde:

In einem Reuters-Interview wurde ich gestern gefragt, unter welchen Bedingungen die Alternative für Deutschland zu Koalitionen oder Tolerierungen bereit sei. Ich habe diese Frage in allgemeiner Form (ohne Bezug auf konkrete Parteien) beantwortet mit der gültigen Linie unserer Partei: Koalitionen oder Tolerierungen sind nur denkbar, wenn der jeweilige Partner seine Position in der Euro-Rettungspolitik grundsätzlich verändert.

Das wurde von Reuters als ein "Koalitionsangebot an Schwarz-Gelb" vermarktet. Dies ist eindeutig falsch und wir haben dies inzwischen in einer Presseerklärung (Anlage) richtiggestellt. Ich habe CDU und FDP genausowenig ein Koalitionsangebot gemacht wie SPD und Grünen. Ich werde dies auch nicht tun. Ich habe eine rote Linie gezogen, über die wir nicht gehen werden, egal mit welcher Partei: Zusammenarbeit kann es nur geben bei einer grundlegenden Abkehr von der Eurorettungspolitik.

Die DWN haben ebenfalls wahrheitswidrig behauptet, ich würde lediglich eine schärfere Auflagenerfüllung in ESM-Programmen fordern und "der Deal wäre gemacht". Richtig ist, dass ich von Reuters gefragt worden bin, unter welchen Bedingungen sich die Alternative für Deutschland zu einer bloßen Tolerierung bereitfinden könnte. Dazu habe ich gesagt, dass Tolerierungsvereinbarungen unter schwächeren Bedingungen zustande kommen könnten als Koalitionsvereinbarungen.

blaufisch

31.05.2013, 13:07 Uhr

AfD - Teil 2
OT:
"Beispielsweise habe ich als eine mögliche Bedingung für Tolerierung angegeben, dass keine neuen Programme im ESM aufgelegt werden und dass in den alten Programmen (zu denen sich die Bundesrepublik vertraglich verpflichtet hat) neue Tranchen Geldes nur noch ausgezahlt werden, wenn die Empfängerländer die vereinbarten Programmauflagen auch wirklich eingehalten haben. Der wesentliche erste Teil meiner Aussage ist in der Reuters-Berichterstattung einfach weggefallen.

Lassen Sie mich abschließend darauf hinweisen, dass dies das zweitemal in kurzer Zeit ist, dass Interviewäußerungen von mir sinnentstellend oder sogar böswillig (Handelsblatt online) verzerrt werden. Ich glaube nicht, dass das Zufall ist. Es zeigt, dass unsere Gegner die Alternative für Deutschland ernst nehmen und mit allen Mitteln zu diskreditieren versuchen. Wir werden Ähnliches vermutlich auch in Zukunft erleben. Bitte bewahren Sie sich gegenüber missgünstiger Presseberichterstattung daher eine gesunde Skepsis.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Bernd Lucke

Nun, liebe Mitforisten, ob pro oder kontra der AfD gegenüber, wer lesen - und denken kann, der ...........

Schönen Tag noch - ein AfD Mitglied

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