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12.11.2014

10:20 Uhr

Kritik am Mindestlohn

Merkel weist Wirtschaftsweise zurecht

Die Kanzlerin reagiert verwundert auf Kritik der Wirtschaftsweisen. Diese sei „nicht ganz trivial zu verstehen“. Die Professoren hatten ihre Wachstumsprognose gekappt und dafür den Mindestlohn verantwortlich gemacht.

Einschätzung der Wirtschaftsweisen

Regierung mitverantwortlich am langsameren Wachstum

Einschätzung der Wirtschaftsweisen: Regierung mitverantwortlich am langsameren Wachstum

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BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die scharfe Kritik der fünf Wirtschaftsweisen am schwarz-roten Rentenpaket und dem Mindestlohn zurückgewiesen. In Anspielung auf den Mindestlohn, der erst 2015 eingeführt wird, sagte Merkel am Mittwoch bei der Übergabe des Gutachtens im Kanzleramt: „Es ist nicht ganz trivial zu verstehen, wie ein Beschluss, der noch nicht in Kraft ist, jetzt schon eine konjunkturelle Dämpfung hervorrufen kann.“

Dennoch werde die Regierung sich mit den Ratschlägen der Ökonomen „konstruktiv“ auseinandersetzen. Die Wirtschaftsentwicklung habe sich in den vergangenen Monaten und Wochen verlangsamt, erklärte Merkel, die dafür vor allem weltweite Krisen verantwortlich machte. Die Regierung werde einige Maßnahmen ergreifen, um gegenzusteuern.

Nach Einschätzung der fünf Wirtschaftsweisen wirke sich der eingeschlagene Kurs in der Energiepolitik sowie in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik negativ aus. Dies könnte die Konjunktur in Deutschland stärker abkühlen als bisher befürchtet. Die Top-Berater der Bundesregierung erwarten 2015 nur noch ein Wachstum von 1,0 Prozent.

Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf das neue Jahresgutachten, das die Professoren heute in Berlin übergeben. Mit ihrer Prognose sind die Ökonomen noch pessimistischer als die Regierung. Diese hatte ihre Vorhersagen vor kurzem zwar auch deutlich reduziert, für das kommende Jahr aber immerhin noch ein Plus von 1,3 Prozent erwartet. Für das laufende Jahr wollen die Wirtschaftsweisen nun ihre Prognose von 1,9 Prozent auf 1,2 Prozent senken.

Um zusätzliche Wachstumsimpulse auszulösen, will Schwarz-Rot nun ein zehn Milliarden Euro umfassendes Investitionsprogramm auflegen – ohne dafür neue Schulden machen zu müssen. Das hatte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in der vorigen Woche angekündigt. Das Ziel eines ausgeglichenen Bundeshaushalts will Schäuble dennoch erreichen.

Der Arbeitsmarkt soll laut den Wirtschaftsweisen unverändert robust, die Beschäftigung auf Rekordniveau bleiben. dpa

Der Arbeitsmarkt soll laut den Wirtschaftsweisen unverändert robust, die Beschäftigung auf Rekordniveau bleiben.

Der Arbeitsmarkt in Europas größter Volkswirtschaft ist laut dem Gutachten unverändert robust. Für 2014 rechnen die Wirtschaftsweisen mit 42,641 Millionen, für 2015 mit 42,795 Millionen Erwerbstätigen. Damit soll die Beschäftigung auf Rekordniveau bleiben.

Die Arbeitslosenquote werde in beiden Jahren konstant bei 6,7 Prozent liegen. Der hohe Beschäftigungsstand stütze den Konsum, heißt es in dem Gutachten mit dem Titel „Mehr Vertrauen in Marktprozesse“.

Auch große Wirtschaftsverbände hatten zuletzt von deutlich trüberen Aussichten für die Wirtschaft gesprochen. So rechnet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) damit, dass manche Betriebe demnächst wieder zu Kurzarbeit gezwungen werden könnten. Es gebe jedoch keinen Grund für allzu großen Pessimismus. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) senkte seine Exporterwartungen.

Von

dpa

Kommentare (39)

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Herr Theo Gantenbein

12.11.2014, 10:33 Uhr

Die Kanzlerin mag ein gute Physikerin sein, aber in Wirtschaft stellt sie sich ignorant.

Es ist ein elementares Gesetz, dass die Nachfrage abnimmt, wenn der Preis eines Gutes zunimmt. Wird also Arbeit teurer, dann nimmt die Nachfrage danach ab. So einfach ist das.

Das ist nicht Uni-VWL, sondern Berufsschule erstes Lehrjahr. Ich denke das versteht auch die keinesfalls dumme Kanzlerin, aber sie macht sich die Welt so wie sie ihr gefällt...

Herr Fred Meisenkaiser

12.11.2014, 10:42 Uhr

"Es ist ein elementares Gesetz, dass die Nachfrage abnimmt, wenn der Preis eines Gutes zunimmt. Wird also Arbeit teurer, dann nimmt die Nachfrage danach ab. So einfach ist das."
Genau so simpel ist es, dass die erhöhten Einkommen zu mehr Nachfrage führen.

Weiterhin: Nehmen sie eine Milliarde und verteilen sie diese unter 1 Million Menschen. Dies wird dazu führen, dass dies zu einer Nachfrage von fast einer Milliarde führen wird.
Nehmen sie jedoch die gleiche Milliarde und geben sie irgendeinem Reichen, so wird das Geld verzockt. Eine Nachfrage wird daraus kaum entstehen.

Ursache der mittlerweile ewigen Krisen ist die Konzentration des Vermögens in immer weniger Händen, und die daraus begründete stets sinkende Nachfrage.
Dies wurde mit dem Mindestlohn zumindest abgemildert!

Herr Theo Gantenbein

12.11.2014, 10:49 Uhr

@Herr Fred Meisenkaiser:

Da bewegen wir uns aber in die Diskussion Keynesianismus vs. Neoklassik ... und dann wirds kompliziert.

Aber Sie können mir als Reichem gerne eine Million geben.
Ich würde es nicht verzocken, sondern für schnelle Autos und Nutten ausgeben. Bei letzteren käme es dann zum Trickle-Down-Effekt, bei dem auch weniger gut gestellte Menschen etwas von den Ausgaben der Reichen abbekommen...

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