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14.04.2011

14:24 Uhr

Kritik an Josef Ackermann

"Das Fukushima des deutschen Finanzmarktes"

VonDietmar Neuerer

Erst hatte der IWF kein gutes Bild von den europäischen Banken gezeichnet, jetzt legen Ökonomen nach. Sie sehen angesichts einer laschen Regulierung der Branche selbst Institute wie die Deutsche Bank anfällig für Krisen.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bei der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. Quelle: Reuters

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bei der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt.

"Eine Krise der Deutschen Bank könnte sich zu einem Fukushima des deutschen Finanzmarktes entwickeln", sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, Handelsblatt Online. Der Grund sei nicht die Größe des Instituts. "Der Grund ist ihre Vernetzung mit dem Investment Banking und den damit verbundenen hohen Risiken." Diese Risiken gehörten nicht in eine Bank, die wesentlich für die Stabilität des Finanzsektors sei und die daher letztlich vom Steuerzahler gestützt werden müsste. "Diese Risiken gehören in den Investment-Bankbereich, der im Notfall ausdrücklich nicht vom Steuerzahler gestützt wird, sondern wo die Haftung ausschließlich privat ist". Die Politik müsse daher den Mut aufbringen, eine solche Regulierung durchzusetzen.

Horn reagierte damit auf Äußerungen von Ex-IWF-Chefökonom Simon Johnson, der in einem Interview mit der "taz" ungewöhnlich deutlich die Krisenfestigkeit der Deutschen Bank in Zweifel gezogen hatte. „Der deutsche Finanzsektor ist sehr problematisch, und die Deutsche Bank ist besonders gefährdet, sich selbst in die Luft zu jagen", sagte Johnson. „Ihr Chef Josef Ackermann ist einer der gefährlichsten Bankmanager der Welt, weil er darauf besteht, eine Eigenkapitalrendite von 20 bis 25 Prozent zu erzielen." Ein so hoher Gewinn sei nur möglich, weil er genau wisse, dass die Deutsche Bank ein Systemrisiko darstelle und daher von den Steuerzahlern gerettet würde, falls ein Konkurs droht.

Johnson forderte deshalb, die Eigenkapitalrichtlinien des Bankenabkommens Basel III deutlich zu verschärfen. "Wenn das Finanzsystem sicher sein soll, muss das Eigenkapital bei 20 bis 45 Prozent der Bilanzsumme liegen. Momentan kommt die Deutsche Bank nur auf 4 Prozent", so Johnson. Auch der internationale Währungsfonds (IWF) hatte in seinem am Mittwoch veröffentlichten Globalen Finanzstabilitätsbericht (GFSR) kein sonderlich gutes Bild von den europäischen Banken gezeichnet und gefordert, die Institute sollten generell über mehr und härteres Eigenkapital verfügen. Die Quote sollte möglichst weit über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen, so der IWF.

Der renommierte Krisenökonom Max Otte teilt die Kritik des Ex-IWF-Chefökonoms. "Teils verbreitet Simon Johnson die übliche angelsächsische Miesmacherei gegenüber dem in weiten Teilen überlegenen deutschen Finanzsektor, teils hat er reicht", sagte Otte Handelsblatt Online. In Summe sei der deutsche Finanzsektor, getragen durch ausreichend kapitalisierte Volks- und Raiffeisenbanken wie auch Sparkassen, erheblich stabiler und besser, als alles, was England und die USA aufzubieten hätten. Doch, fügte Otte hinzu: "In Bezug auf die Deutsche Bank hat Johnson allerdings recht, wobei die Deutsche Bank auch nicht toxischer als zum Beispiel Goldman Sachs agiert."

Dagegen nahm der frühere Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, die Deutsche Bank gegen Kritik in Schutz. "Mit Forderungen nach utopischen Eigenkapitalquoten kann man auch das Finanzsystem kaputt reden, auch wenn die Ausweitung der Eigenkapitalanforderungen notwendig ist", sagte Zimmermann Handelsblatt Online. Mindestens genauso wichtig sei aber die Globalisierung der Bankenaufsicht, die Zertifizierung von Risikoprodukten und die regelmäßigen Stresstests der Banken. "Lehman Brothers war im übrigen nur ein Symptom, nicht der Kern der Finanzkrise."

Kommentare (9)

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HansBoecklersBockwurst

14.04.2011, 14:31 Uhr

Herr Horn bläst ins Horn, er haßt bestimmt den Herrn Ackermann, wie es sich eben für einen Gewerkschaftsnahen
Linken gehört.

Sven

14.04.2011, 14:51 Uhr

Ganz schön clever die Ökonomen..... - so ein alter Hut
Die Weichen für einen weltweiten Finanzcrash sind schon länger gestellt - und er kommt. Sehr bald sogar.
Die Herren Bankster, deren Polit-Vasallen und die Strippenzieher im Hintergrund haben alles vorbereitet dafür.
Ich bin nur mal gespannt, welches von den vielen Damoklesschwertern benutzt wird, um das Chaos auszulösen.

phingx.com

14.04.2011, 15:03 Uhr

Jede Deutsche Bank ist gefährdet, da Sie risikoreich agieren und die Gelder, die bei Ihnen liegen zum größten Teil aus ausländischen Investoren stammen. Wenn diese Ihre Gelder zurückziehen, ist jede Deutsche Bank in Gefahr. Das ganze System ist eh eine Blase. Der FOREX Markt, macht die ganze Sache nochmal gefährlicher, da Sie mit Hebelwirkung in Höhe von mal 200 - 400 arbeitet. Ich nenne dies Brechstangenwirkung. Mal sehen, wie lange dies noch gut geht!

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