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21.06.2013

13:51 Uhr

Kritik an Schweizer Notenbank

Ackermann kämpft für höhere Zinsen

VonHolger Alich

Der Ex-Chef der Deutschen Bank meldet sich zurück - und funkt seiner Zentralbank ins Geschäft: Der Euro-Mindestkurs des Franken müsse überdacht werden. Doch da spricht kein Banker, sondern ein Versicherungsvertreter.

Josef Ackermann ist Verwaltungsratspräsident des Versicherungskonzerns Zurich - gewesen. dpa

Josef Ackermann ist Verwaltungsratspräsident des Versicherungskonzerns Zurich - gewesen.

ZürichEs war ruhig um ihn geworden. Als Chef der Deutsche Bank beherrschte Joe Ackermann oft die Schlagzeilen. Nun ist er Verwaltungsratspräsident der Zurich Insurance Group. Doch auch in diesem Posten vermag er noch Aufsehen zu erregen.

So kritisierte Ackermann nun die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank. Es werde "langsam Zeit, den geldpolitischen Kurs zu überdenken und die Abkehr von der Euro-Untergrenze rechtzeitig vorzubereiten", sagte Ackermann laut „Basler Zeitung“ vor dem Business Club Basel.

Ein Tag zuvor noch hatte die Schweizerische Nationalbank den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro erneut bekräftigt. Damit will die Notenbank die Flucht der Anleger in den Franken bremsen, denn eine massive Aufwertung des Schweizer Franken bedeutet den Tod der Schweizer Exportindustrie.

In der Schweizer Bankenszene dagegen regt sich kaum Widerstand gegen die Mindestgrenze. Zumal die Schweizer Notenbank nur im Konzert der großen Zentralbanken Fed und EZB mitläuft, die seit Jahren schon die Märkte mit billigem Geld fluten und damit die Zinsen auf Rekordtiefs drücken.

Ackermann spricht aber nun im Namen eines großen Versicherungskonzerns. Und die Zurich muss jedes Jahr Milliarden Anlegen; rentable Anlagen sind aber zunehmend rar. Und die Niedrig-Zinsen machen klassische Lebensversicherungspolicen zunehmend unattraktiv. In Deutschland ist die Zurich daher aus dem Geschäft bereits ausgestiegen.

Ackermann hält eine langsame Abkehr vom Franken-Mindestkurs daher mit Blick auf die "leicht anziehende Weltkonjunktur" für machbar. So würden auch die langfristigen Zinsen in den USA bereits leicht steigen. Der Franken-Mindestkurs hindere aber die SNB daran, die Leitzinsen anzuheben. "Niedrigzinsen betrafen vor allem die Sparer von heute und die Pensionäre von morgen", zitiert die "Basler Zeitung" Ackermann weiter.

Thomas Flury, Chef-Devisenstratege der UBS, teilt nicht die Ansichten Ackermanns. "Europa ist noch lange nicht über den Berg", urteilt er, "und solange die EZB ihre Zinsen nicht erhöhen kann, solange wird auch die Schweizer Notenbank an der Kursgrenze festhalten müssen. Das kann also noch dauern."

Kommentare (1)

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21.06.2013, 14:59 Uhr

Währungen haben heute keinen absoluten Bezugspunkt mehr (so wie ehemals den Goldstandard). Sie verhalten sich wie Kinder auf einem Wasserbett: wenn eines hüpft, geraten ale anderen in eine Gegenschwingung, unterschiedlich je nach ihrem Gewicht.

Insofern ist es problematisch seine Währung an eine einzige andere Währung zu binden. Man schwingt zwangsweise mit.

mondahu fühlt sich nicht berufen, hier die Ideallösung vorzuschlagen, sofern es eine solche überhaupt gibt. Aber angestrengtes Nachdenken könnte da schon weiterhelfen. Herr Ackermann ist zumindest schon nachdenklich.

Ein Währungskorb könnte weiterhelfen, oder die Abbildung der eigenen Währungsreserven (Gold inklusive). Letzteres würde die Wertschwankungen in der SNB-Bilanz minimieren.

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