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09.08.2012

17:35 Uhr

Künftiger DIW-Chef

Fratzscher rechnet nicht mit Rezession

ExklusivDer künftige Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher blickt optimistisch in die Zukunft. Die aktuelle Konjunkturschwäche in Deutschland hält er für den Tiefpunkt der Krise.

Die augenblickliche Schwächephase dürfte bereits der Tiefpunkt sein, glaubt der künftige DIW-Chef Fratzscher. dapd

Die augenblickliche Schwächephase dürfte bereits der Tiefpunkt sein, glaubt der künftige DIW-Chef Fratzscher.

FrankfurtDer künftige Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hält die aktuelle Konjunkturschwäche in Deutschland für den Tiefpunkt der Krise. „Eine Rezession erwarte ich nicht, das ist schon eine gute Nachricht zurzeit“, sagte er dem Handelsblatt.

Die augenblickliche Schwächephase dürfte bereits der Tiefpunkt sein, wenn sich die europäische Krise nicht verschärfe. „Das kommende Jahr dürfte stärker werden als dieses“, sagte er. Obwohl die deutsche Wirtschaft wettbewerbsfähiger sei als andere europäische Länder, sei sie aufgrund ihrer Offenheit über die engen Handelsverflechtungen und Finanzmärkte allerdings anfälliger für globale Risiken.

Zu den größten Risiken für die Konjunktur zählt der künftige DIW-Chef insbesondere die Euro-Krise. „Ich bin aber zuversichtlich, dass sich die Ungewissheit verkleinern wird, wenn die Strukturreformen in den Krisenstaaten ernsthaft fortgesetzt werden“, sagte er.

Langfristig sei eine stärkere Vernetzung in Europa wahrscheinlicher als ein Bruch: „Ich sehe die Krise vor allem als Chance, dass wir uns zu mehr Europa entscheiden und aufraffen.“ Er sei überzeugt, dass alle europäischen Staaten von einer stärkeren Integration profitieren werden. „Das ist nur mit gegenseitigen Zugeständnissen möglich, aber die einzige Möglichkeit, Wohlstand zu sichern und ein stärkeres Europa zu schaffen“, sagte Fratzscher. Deutschland habe als größtes und stabiles Land einen schwierigen Part in all diesen Verhandlungen. „Diese Verantwortung überträgt ihm aber zugleich ungeheure Gestaltungschancen“, sagte Fratzscher.

Fratzscher, der derzeit noch bei der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt arbeitet,  wurde gestern vom Kuratorium des DIW einstimmig zum neuen Vorsitzenden des Vorstands gewählt und soll im Februar 2013 die Leitung des größten deutschen Wirtschaftsforschungsinstitutes mit Sitz in Berlin übernehmen. Dann will er das Haus, das traditionell der politisch linken Ecke zugeordnet wird, umstrukturieren: „Mein Verständnis eines Wirtschaftsforschungsinstituts wie des DIW Berlin ist, dass es politisch neutral sein sollte“, sagte Fratzscher dem Handelsblatt. Wirtschaftspolitische Empfehlungen sollten auf soliden wissenschaftlichen Analysen beruhen. Fratzscher: „Was politisch gewollt ist, muss für Forscher Nebensache sein. Das DIW wird für Themen stehen, nicht für politische Aussagen.“

Von

doh

Kommentare (3)

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aspi

09.08.2012, 17:55 Uhr

Ein Lichtblick!

Ein_Sparsamer

09.08.2012, 20:34 Uhr

"Ich bin aber zuversichtlich, dass sich die Ungewissheit verkleinern wird, wenn die Strukturreformen in den Krisenstaaten ernsthaft fortgesetzt werden"...
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WENN meine Großtante Räder hätte, wäre sie ein Omnibus...
Hier sind mir zuviele "wenn" im Spiel... Substanzielle Strukturreformen im Club Med sehe ich jedenfalls noch nicht, in Griechenland nicht einmal ansatzweise...

DERRichter

09.08.2012, 21:13 Uhr

In einem gewissen Sinne könnten wir uns die Wirtschaftsforschungsinstitute und die selbstgefälligen und eitlen Kreaturen, mit den sie besetzt werden, sparen.
Mit schöner Regelmäßigkeit unterschätzen sie die sich anbahnenden Krisen. So wird es diesmal auch kommen. Wir werden -im Gegensatz zu Fratzschers Prognose- eine Rezession erleben. In einem dreiviertel Jahr wird derselbe Herr sich dann tolldreist hinstellen und mit viel Gelaber "begründen", warum das wahre Ausmass der Wirtschaftseintrübung nicht vorherzusehen war. Asche auf das Haupt dieser zunehmend wertlosen Zunft.

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