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12.07.2016

17:06 Uhr

Länderbericht

IWF erhöht Prognosen für Frankreich

Hohe Steuersätze, starrer Arbeitsmarkt, Produktivitätsprobleme: Frankreichs Wirtschaft kämpft mit vielen Strukturproblemen. Trotzdem hebt der IWF seine Prognose für das Wirtschaftswachstum des Landes leicht an.

Trotz zahlreicher Risiken hebt der IWF seine Wirtschaftsprognose für Frankreich an. Reuters

Frankreichs Präsident Hollande

Trotz zahlreicher Risiken hebt der IWF seine Wirtschaftsprognose für Frankreich an.

Washington, BerlinDer Internationale Währungsfonds (IWF) sieht Frankreichs Wirtschaftsperspektiven trotz Struktur- und Produktivitätsproblemen optimistischer als noch vor einigen Monaten. „Der Aufschwung verfestigt sich“, teilte der Fonds am Dienstag in seinem aktuellen Länderbericht mit. Das Wirtschaftswachstum dürfte 2016 und 2017 jeweils 1,5 Prozent betragen. Noch im April war der IWF lediglich von 1,1 Prozent in diesem und 1,3 Prozent im nächsten Jahr ausgegangen. Es gebe Anzeichen, dass wieder mehr investiert werde.

Aus IWF-Sicht bleiben aber eine ganze Reihe kurz- und mittelfristiger Risiken. Nicht nur müsse das Land mit einer längeren Phase der Unsicherheit in Europa umgehen, die aus dem britischen Votum für einen EU-Austritt rührten. Es schwächelten auch die Exporte wegen einer geringeren Nachfrage in wichtigen Abnehmerländern.

Hinzu kommen für den IWF altbekannte Strukturprobleme: vergleichsweise hohe Steuersätze und ein starrer Arbeitsmarkt. Dies sind laut IWF die größten Hindernisse für mehr Wachstum. Ohne weitere Reformen werde die strukturelle Arbeitslosigkeit hoch bleiben. Im Land wird seit Monaten erbittert gegen Reformen gestreikt, die den Arbeitsmarkt flexibler machen sollen.

Das Staatsdefizit Frankreichs dürfte nach Einschätzung des Fonds auch in diesem Jahr mit 3,3 Prozent über der europäischen Obergrenze von drei Prozent der Wirtschaftsleistung bleiben. Das dürfte sich dann nächstes Jahr ändern.

Frankreich und Deutschland: Enge Partner in unterschiedlicher Lage

Wirtschaft

Bei der Wirtschaftslage liegen zwischen den beiden Seiten des Rheins Welten. In Frankreich ist der Konjunkturmotor nach der Finanzkrise nicht wieder so recht in Fahrt gekommen, in den vergangenen beiden Jahren lag das Wachstum mit 0,2 und 1,2 Prozent spürbar niedriger als in Deutschland (1,6 und 1,7 Prozent). Richtig dramatisch tief ist der Graben am Arbeitsmarkt: In Frankreich sind 10,2 Prozent der Erwerbsfähigen ohne Job; die Quote ist nach Eurostat-Zahlen mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland (4,3 Prozent).

Flüchtlinge

Während Deutschland zum Zielland für Hunderttausende geworden ist, spürt Frankreich die Flüchtlingskrise deutlich weniger. Die Flüchtlingsbehörde registrierte 2015 knapp 73.500 Asyl-Erstanträge, 23,9 Prozent mehr als im Vorjahr. In Deutschland waren es fast 442.000, gut 150 Prozent mehr als 2014 – und viele Anträge waren da wegen des Andrangs noch gar nicht aufgenommen worden.

Demografie

In Deutschland bringt jede Frau im Schnitt 1,47 Kinder zur Welt. In Frankreich liegt die Geburtenquote dagegen bei zwei Kindern pro Frau, der höchste Wert in der EU. Das hat langfristig Auswirkungen beispielsweise auf Arbeitsmarkt und Rentensysteme, Wohnungsbedarf und Bevölkerungsentwicklung.

Staatshaushalt

Frankreich reißt seit Jahren die Brüsseler Drei-Prozent-Grenze für das Haushaltsdefizit – auch wenn das Minus dank der Niedrigzinsen zuletzt mit 3,5 Prozent etwas kleiner ausfiel als erwartet. Die Frist für das Erreichen der Zielmarke wurde mehrfach verschoben. Der deutsche Staat dagegen nimmt derzeit mehr Geld ein, als er ausgibt.

Terror

Frankreich steht unter dem Eindruck einer blutigen Terrorserie, die mit den Pariser Anschlägen vom November einen Höhepunkt fand. Die Debatte um Sicherheit ist deshalb zentral, das Land verunsichert. Auch in Deutschland ist Terrorismus nach den Anschlägen von Paris und Brüssel Thema; das Land blieb aber bislang von Anschlägen verschont.

Von

rtr

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