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28.06.2011

22:40 Uhr

Lagarde wird IWF-Chefin

IWF-Chefin fordert von Griechenland Einigkeit

VonHolger Alich, dpa

Kaum ist Christine Lagarde zur IWF-Chefin gekürt worden, erhöht sie den Druck auf die griechische Opposition. Die Französin fordert deren Zustimmung zum Sparpaket - und warnt vor den Konsequenzen einer Ablehnung.

Die französische Finanzministerin Christine Lagarde antwortet auf Fragen von Journalisten kurz nach ihrer Benennung zur IWF-Chefin. Quelle: dapd

Die französische Finanzministerin Christine Lagarde antwortet auf Fragen von Journalisten kurz nach ihrer Benennung zur IWF-Chefin.

Paris/WashingtonDie französische Finanzministerin Christine Lagarde rückt als erste Frau an die Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF). Der Verwaltungsrat der Institution entschied sich am Dienstag für die 55-Jährige, wie der IWF in Washington mitteilte. Lagarde wird Nachfolgerin von Dominique Strauss-Kahn, der Mitte Mai wegen Vergewaltigungsvorwürfen festgenommen wurde. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zeigte sich in einer ersten Reaktion sehr erfreut über ihre Ernennung: „Das ist eine hervorragende Wahl“.

Nur wenige Minuten nach ihrer Ernennung hat Lagarde die griechische Opposition zum Schulterschluss mit der Regierung aufgefordert. Die derzeitige französische Finanz- und Wirtschaftsministerin sagte, die Opposition müsse die Regierungspartei in einem Geiste der nationalen Einheit unterstützen. Das griechische Parlament soll am Mittwoch und Donnerstag über das neue Sparpaket der Regierung abstimmen. Die Verabschiedung der von Ministerpräsident Giorgos Papandreou geplanten Leistungskürzungen, Steuererhöhungen und Privatisierungen ist Voraussetzung für weitere Milliarden-Hilfen von Europäischer Union und IWF. Eine Ablehnung könnte an den Finanzmärkten heftige Turbulenzen auslösen.

Die designierte IWF-Chefin Christine Lagarde hat nach ihrer Wahl bekräftigt, alle Länder in der Organisation gleich behandeln zu wollen. „Ich werde es zu meinem übergeordneten Ziel machen, dass unsere Institution weiter allen Mitglieder mit der selben Aufmerksamkeit und in dem selben Geist dient“, sagte die 55-Jährige laut einer Mitteilung des Währungsfonds.

Sie hatte schon während ihrer Vorstellung beim Exekutivrat des Fonds deutlich gemacht, sich für die Belange der Schwellenländer besonders stark machen zu wollen. Arme und aufstrebende Nationen befürchten, sie könnte sich als Französin vor allem um die Probleme Europas kümmern.  

Lagarde bedankte sich nach der Abstimmung zu ihren Gunsten auch für das Vertrauen der IWF-Mitglieder aus aller Welt, die sie einstimmig für die kommenden fünf Jahre zur Geschäftsführenden Direktorin ernannt haben. Ihrem unterlegenen Mitbewerber, dem mexikanischen Notenbankchef Agustín Carstens, sprach sie Respekt aus.

Carstens gratulierte seiner Konkurrentin Lagarde. Er begrüße ihre Wahl und werde die Französin unterstützen, teilte Carstens in einer Stellungnahme mit. Er hoffe, Lagarde werde an der Spitze des IWF einen „Prozess zur Stärkung der Institution“ anstoßen, hieß es in dem Schreiben weiter. Carstens war bei der Wahl zum geschäftsführenden IWF-Direktor der einzige Konkurrent der französischen Finanzministerin.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat die die Nominierung Lagardes als neue IWF-Chefin positiv bewertet. In einer Mitteilung lobte Barroso am Dienstagabend die „Expertise, Erfahrung und das Talent“ Lagardes. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die EU-Kommission hätten in den vergangenen Monaten Tag für Tag zusammengearbeitet, um den Euro-Staaten mit Schwierigkeiten zu helfen. „Ich wünsche mir, diese engen Beziehungen und die Kooperation zu verstärken“, sagte Barroso.

Christine Lagarde wird neue Chefin des IWF. Quelle: Reuters

Christine Lagarde wird neue Chefin des IWF.

Die Entscheidung im Rennen um den Chefposten war bereits am Nachmittag so gut wie gefallen, als die USA ihre Unterstützung für die französische Finanzministerin erklärten. Die Vereinigten Staaten haben das größte Stimmgewicht innerhalb des Fonds - und teilen die Spitzenposten beim IWF und der Weltbank schon immer unter sich aus. Die Europäer hatten sich bereits zuvor für Lagarde ausgesprochen, ebenso wie China als dem stärksten Vertreter der Schwellenländer.

Die internationale Erfahrung hatte von Anfang für die 55-jährige Lagarde gesprochen - doch lag auch gerade hier ihr Schwachpunkt: als eine der wichtigsten Finanzministerin der Eurozone ist sie maßgeblich an der Euro-Rettung beteiligt. Kritiker weisen daher auf einen potenziellen Interessenkonflikt hin. Dies war eines der Hauptargumente ihres Gegenkandidaten, dem Mexikaner Agustin Carstens.

Diese Kritik auszuräumen, war eines der Hauptanliegen Lagardes, als sie vergangene Woche drei Stunden lang von der IWF-Führung angehört wurde. "Damit das klar ist" erklärte sie kämpferisch, "wenn ich gewählt bin, denn werde ich nur eine Sache im Kopf haben, wenn es darum geht, einem Mitglied der Eurozone zu helfen; dass diese Hilfe vollständig im Einklang mit den Aufgaben des Fonds steht und dass dabei die Mittel des Fonds mit Vorsicht eingesetzt werden", erklärte sie in Washington. "Ich bin nicht hier, um die Interessen einer bestimmten Region zu vertreten, sondern aller Mitgliedsstaaten", fügte sie an.

Kommentare (21)

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whos_that_girl

28.06.2011, 16:02 Uhr

Wenn ich mir gerade die aktuellen Videos und Fotos aus Athen ansehe, dann ist der Euro wahrlich eine Friedenswährung, die den Völker Europas Wohlstand, Frieden und Gerechtigkeit brachte - muhahaha!
Genau wie „das Merkel“ philosophierte - tatsächlich eine Frage von „Krieg und Frieden“.
Schluß mit dem Wahnsinn und Rückkehr zur D-Mark.

Video:
http://www.youtube.com/watch?v=no_Pv7McXVg

Petition_gegen_Transferunion

28.06.2011, 16:28 Uhr

Die deutsche Europa-Politik ist für die Steuerzahler in Deutschland mittlerweile zu einem hohen Risiko geworden.

Sollten einige Pleitestaaten bei der Bewältigung der Eurokrise versagen, muss nun der deutsche Steuerzahler mit viel Geld auch dafür haften!


Schon mit den bisherig beschlossenen "PIGS-Rettungspaketen" hat der Deutsche Bundestag am 21. Mai 2010 zwei Drittel des Steueraufkommens des Bundes für die Staatsschulden anderer Länder verpfändet!!!!!!!

Das Experiment Euro verläuft nach Drehbuch:
Erst geht die Peripherie pleite, dann Deutschland.


Keine Geldgeschenke mehr an Griechenland, Irland, Portugal und Spanien!!!


Wie lange werden die Menschen in Deutschland dem noch tatenlos zusehen?

Bitte zeichnen Sie die Petition "18123" gegen den neuen "Europäischen Stabilitätsmechanismus" (ESM), der Deutschland und ganz Europa zu einer riesigen Transferunion verkommen lässt.


https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;pe tition=18123

Account gelöscht!

28.06.2011, 17:07 Uhr

Gibt es keine Banquiers mehr mit weißer Weste. Was hat ein Jurist auf diesem Posten zu suchen, noch dazu wenn er direkt aus der Politik kommt?

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