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16.01.2014

12:03 Uhr

Lebenshaltungskosten

Inflation sinkt im Euroraum

Die Inflation ist in Deutschland auf einem so niedrigen Stand wie zuletzt vor drei Jahren. Damit liegt der Bund im Trend des Euroraums. Besonders bei Kraftstoffpreisen macht sich der Preisverfall bemerkbar.

Entlastet wurden die Verbraucher durch billigeres Öl, das wegen der schwachen Weltkonjunktur deutlich weniger kostete. dpa

Entlastet wurden die Verbraucher durch billigeres Öl, das wegen der schwachen Weltkonjunktur deutlich weniger kostete.

Berlin/BrüsselSinkende Preise für Benzin und Heizöl haben in Deutschland die Inflation 2013 in Schach gehalten. Die Kosten für die Lebenshaltung stiegen im Vergleich zu 2012 um 1,5 Prozent. „Eine niedrigere Teuerung im Jahresdurchschnitt hatte es zuletzt 2010 mit 1,1 Prozent gegeben”, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. 2012 lag die Inflationsrate bei 2,0 und 2011 bei 2,1 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) spricht bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen.

Wegen der anziehenden Konjunktur rechnen Experten in diesem Jahr mit stärker steigenden Preisen. Die Commerzbank geht von einem Plus von 1,7 Prozent aus. Wegen der besseren Wirtschaftslage dürfte es den Unternehmen leichter fallen, steigende Kosten - etwa durch höhere Löhne - an ihre Kunden weiterzureichen

Der Preisdruck in der Euro-Zone hat Ende 2013 nachgelassen und damit wieder Sorgen vor einer Deflation geschürt. Waren und Dienstleistungen kosteten im Dezember im Schnitt nur noch 0,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistikamt Eurostat am Donnerstag mitteilte und damit eine erste Schätzung bestätigte. Im November hatte die Jahresteuerung noch bei 0,9 Prozent gelegen. Auch aus Sorge vor einer Deflation - einem Preisverfall auf breiter Front - hatten die Währungshüter im November die Leitzinsen auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. EZB-Chef Mario Draghi hatte zuletzt bekräftigt, die EZB sei zu weiterem Handeln bereit, sollte sich die Lage am Geldmarkt verschlechtern oder die Inflation niedriger ausfallen als für die Notenbanker hinnehmbar.

Inflationsrisiken

Lohn-Preis-Spirale

Wegen der guten Konjunktur haben die Gewerkschaften kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt: Die Chemie-Beschäftigten bekommen 4,5 Prozent, die Metaller 4,3 Prozent mehr Geld, mit einer Laufzeit von rund einem Jahr. Die Beschäftigten bei Bund und Kommunen handelten ein Plus von 6,3 Prozent für zwei Jahre aus. Unternehmen und Staat werden versuchen, die höheren Personalkosten aufzufangen, indem sie ihre Preise beziehungsweise Gebühren und Abgaben anheben. Verteuert sich die Lebenshaltung dadurch merklich, werden die Gewerkschaften in der nächsten Lohnrunde einen Ausgleich verlangen. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln.

Lockere EZB-Geldpolitik

Bei ersten Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale müsste die EZB ihre Zinsen anheben. Mit teurerem Geld kann sie Konsum und Investitionen drosseln, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen könnte. Aus Rücksicht auf die schwere Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird die Zentralbank ihren Leitzins aber wohl noch längere Zeit auf dem Rekordtief von einem Prozent lassen - oder sogar weiter senken. Die extrem niedrigen Zinsen aber können den Konsum im prosperierenden Deutschland weiter befeuern und die Preise anheizen.

Schwacher Euro

Wegen der eskalierenden Schuldenkrise steht der Euro unter Abwertungsdruck. Mit rund 1,25 Dollar ist er so billig wie seit Sommer 2010 nicht mehr. Das Problem: Deutschland als rohstoffarmes Land muss Öl, Metalle und andere Materialien im Ausland kaufen. Auf dem Weltmärkten werden die Rohstoffe überwiegend in Dollar abgerechnet. Ein schwächerer Euro macht damit deutsche Importe teurer.

Enorme Liquidität

Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der Europäischen Zentralbank aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. Allein Ende 2011 und Anfang 2012 hat sie mehr als eine Billion Euro zum Zins von aktuell einem Prozent für drei Jahre in den Finanzsektor gepumpt. Zieht die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal an, kann das viele Geld schnell in Inflation münden.

Entlastet wurden die europäischen Verbraucher durch billigeres Öl, das wegen der schwachen Weltkonjunktur deutlich weniger kostete. Kraftstoffe waren 1,5 Prozent günstiger als vor Jahresfrist. Zudem verbilligten sich Dienstleistungen rund um die Telekommunikation um knapp vier Prozent. Von November auf Dezember stiegen die Verbraucherpreise um 0,3 Prozent und damit wie von Experten erwartet.

Deutlich tiefer in die Taschen greifen mussten die deutschen Verbraucher unterdessen für Nahrungsmittel. Sie kosteten durchschnittlich 4,4 Prozent mehr als 2012. „Preiserhöhungen gab es 2013 in allen Nahrungsmittelbereichen”, erklärten die Statistiker. Besonders deutlich fiel der Preisaufschlag bei Kartoffeln (+28,7 Prozent), Äpfeln (+14,9) und Butter (+16,1) aus. Grund dafür waren die weltweit steigende Nachfrage und witterungsbedingte Ernteausfälle.

Von

rtr

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

16.01.2014, 08:56 Uhr

Das sind immer noch 1,5% reale Geldentwertung. Aber Dragi wird sicher bald noch mehr Geld drucken, denn mit 1,5% geht die Entschuldung der Pleitestaaten (inkl. DLand) nicht schnell genug

gRentner

16.01.2014, 09:39 Uhr

In diesem Zusammenhang nur, damit es nicht in Vergessenheit gerät:
Der normale Rentner (West) erhielt im letzten Jahr eine "Diätenerhöhung" von sage und schreibe 0,25% und kein Wähler schrieb eine Quittung!

Bankster

16.01.2014, 10:31 Uhr

Tja, mehr als die Hälfte der Rentner haben das Merkel gewählt. Jedes Volk bekommt die Regierung die es verdient.
Programm von Merkel war weiter wie bisher, also weiterschlafen.

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