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02.04.2013

11:54 Uhr

Leichter Rückgang

Arbeitslosigkeit in Italien sinkt überraschend

Erstmals seit Mitte 2012 ist im rezessionsgeplagten Italien die Arbeitslosigkeit gesunken - wenn auch nur leicht. Noch zum Jahresauftakt war sie auf den höchsten Stand seit 21 Jahren geklettert.

Ein Geschäftsmann macht ein Nickerchern auf einem Spielplatz. Die Arbeitslosigkeit in Europa bleibt auf einem Rekordhoch. dpa

Ein Geschäftsmann macht ein Nickerchern auf einem Spielplatz. Die Arbeitslosigkeit in Europa bleibt auf einem Rekordhoch.

Rom/LuxemburgDie Arbeitslosigkeit im rezessionsgeplagten Italien ist erstmals seit Mitte 2012 wieder etwas gesunken. Die – um jahreszeitliche Schwankungen bereinigte – Arbeitslosenquote fiel von Januar auf Februar auf 11,6 von 11,7 Prozent, wie das nationale Statistikamt Istat am Dienstag mitteilte.

Noch zum Jahresauftakt hatte es den höchsten Wert seit 21 Jahren gegeben. Von Reuters befragte Analysten hatten im Mittel mit einem weiteren Anstieg auf 11,8 Prozent gerechnet. Daher kommt der erste Rückgang seit Juli 2012 überraschend. Auch die Jugendarbeitslosigkeit ging zurück auf 37,8 Prozent, nach einem Rekordhoch von 38,6 Prozent im Januar.

Italien steckt derzeit tief in der Rezession und macht konjunkturell die längste Durststrecke seit 20 Jahren durch. Die Industrie beschleunigte im März ihre Talfahrt. Zudem verharrt die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone nach der Parlamentswahl immer noch in einer politischen Pattsituation. Staatspräsident Giorgio Napolitano will den Stillstand überwinden. Er beauftragte am Osterwochenende Experten mit der Ausarbeitung von Gesetzesvorschlägen, die alle politische Parteien im Parlament unterstützen könnten.

Die Arbeitslosenquote in der Eurozone hat im Februar bei 12,0 Prozent gelegen. Das teilte die Europäische Statistikbehörde Eurostat am Dienstag in Luxemburg mit. Nachdem die Zahl der Arbeitslosen in den vergangenen Monaten auf immer neue Rekordstände angewachsen war, wurde die Zwölf-Prozent-Marke Eurostat zufolge jetzt schon im zweiten Monat in Folge erreicht, da die Behörde die Quote für den Januar nun nachträglich nach oben korrigierte.

So viele Schulden kann sich ein Staat leisten

Der Ökonom

Im Oktober 1990 hat Olivier Blanchard, Professor der Volkswirtschaftslehre am Massachusetts Institute of Technology (MIT), eine alte Frage beantwortet. Wie viele Schulden kann sich ein Staat leisten? Grob unterscheidet er drei Szenarien.

Neutrales Szenario

Das Bruttoinlandsprodukt wächst in einem Jahr um zwei Prozent, ein Land muss auf alle Staatspapiere durchschnittlich zwei Prozent Zinsen zahlen. Das Staatsdefizit ist tragfähig, wenn das Land einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen kann, also Staatsausgaben gleich Steuereinnahmen sind.

Gutes Szenario

Das Bruttoinlandsprodukt wächst um zwei Prozent, der Staat kann sich günstig refinanzieren und zahlt auf Staatsanleihen weniger als zwei Prozent Zinsen. Das Staatsdefizit ist sogar dann tragfähig, wenn dem Staat weniger Steuern zufließen als er Geld ausgibt.

Schlechtes Szenario

Das Bruttoinlandsprodukt wächst wieder um zwei Prozent, allerdings wollen Investoren mehr als zwei Prozent Zinsen pro Jahr, um ihr Geld dem Staat zu leihen. Das Staatsdefizit ist nur dann tragfähig, wenn die höheren Zinszahlungen über erhöhte Steuereinnahmen in gleichem Umfang gedeckt sind.

In den 17 Ländern der Währungsunion waren somit 19,071 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit. In der gesamten Europäischen Union haben 26,338 Millionen Menschen keinen Job.

Weiterhin zeigt sich dabei eine deutliche Spaltung zwischen dem Norden und dem krisengeschüttelten Süden Europas: Während Österreich mit 4,8 Prozent, Deutschland mit 5,4 Prozent und Luxemburg mit 5,5 Prozent Arbeitslosigkeit Eurostat zufolge am besten dastehen, sind Griechenland und Spanien mit jeweils mehr als 26 Prozent sowie Portugal mit 17,5 Prozent am härtesten von der Arbeitslosigkeit betroffen.

Die neuen Wachstumsmärkte der deutschen Exporteure

Malaysia

Fast fünf Prozent Wachstum jährlich werden dem aufstrebenden Land bis 2025 vorausgesagt. Im gleichen Zeitraum könnte sich das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln. Ein Grund dafür ist die wachsende Wettbewerbsfähigkeit. Im internationalen Standort-Vergleich des World Economic Forum belegt Malaysia Platz 25, knapp hinter Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich (21), aber noch vor China (29) und Italien (42). "Malaysia ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt", lobt das Prognos-Institut.

Indonesien

Das muslimisch geprägte Land lockt mit einem riesigen Binnenmarkt: Indonesien ist gemessen an der Bevölkerung die Nummer vier der Welt. 240 Millionen Einwohner leben hier. Bis 2060 wird Indonesien zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt aufrücken und Deutschland überholen, sagt die Industriestaaten-Organisation OECD voraus. "Das rohstoff- und bevölkerungsreiche Land wird 2012 und 2013 um mehr als sechs Prozent wachsen", prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Die Wirtschaft des Inselreichs profitiert von niedrigen Zinsen und einer niedrigen Inflation."

Kolumbien

Reiche Rohstoffvorkommen von Kohle über Öl und Gold bis zu Seltenen Erden, die Öffnung der Volkswirtschaft und nicht zuletzt eine deutlich verbesserte Sicherheitslage durch die Friedensgespräche mit den marxistischen FARC-Rebellen lassen auch hier ein jährliches Wirtschaftswachstum um die fünf Prozent erwarten. Für die Weltbank zählt Kolumbien zur Spitzengruppe in den lateinamerikanischen Staaten, wenn es um den Schutz geistigen Eigentums und Regulierung geht. "Das Land wird damit für ausländische Investoren interessanter", so der DIHK. Zusätzliche Impulse kommen von dem in Kraft getretenen Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union. Der DIHK hält deshalb sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten Steigerungsraten von mehr als 20 Prozent für möglich.

Peru

Noch mehr Wachstum wird Peru vorausgesagt: Sechs Prozent kann die Wirtschaftsleistung dort pro Jahr zulegen. Auch Peru hat ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet und verfügt über viele Rohstoffe. Der DIHK hält deshalb ein Ausweitung des Handels um mehr als 20 Prozent für möglich. Besonders gefragt sein dürften Fahrzeuge. Dieser Markt lockt dem Prognos-Institut zufolge mit jährlichen Steigerungsraten von sieben Prozent.

Tunesien

Das World Economic Forum hält Tunesien, wo der arabische Frühling begann, für das wettbewerbsfähigste Land Afrikas. "Zu den größten Pluspunkten gehören die geografische Nähe zu Europa, eine belastbare Infrastruktur sowie die günstigen Lohnkosten", betont das Prognos-Institut. "Das Bildungssystem ist im regionalen Vergleich gut ausgebaut. Zudem haben zahlreiche Tunesier im Ausland studiert."

Vietnam

Schon jetzt zählt das asiatische Land mehr Einwohner als Deutschland, 2025 sollen es fast 100 Millionen sein. "Die konsumfreudige und zunehmend kaufkräftige Bevölkerung verspricht ein gewaltiges Absatzpotenzial: In kaum einem anderen Land Asiens wächst die Mittelschicht schneller als in Vietnam", so das Prognos-Institut. Mehr als sechs Prozent jährlich soll das Bruttoinlandsprodukt zulegen. Vietnam verfügt über unzählige billige Arbeitskräfte. Viele Unternehmen haben ihre Produktion deshalb schon aus dem teurer werdenden China in das Nachbarland verlagert.

Auch die jungen Menschen leiden im Süden Europas besonders unter der Krise. In Griechenland hat den letzten verfügbaren Zahlen zufolge inzwischen fast jeder sechste unter 25 Jahren keine Arbeit (58,4 Prozent). In Spanien liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 55,7 Prozent, in Portugal bei 38,2 Prozent und in Italien bei 37,8 Prozent. Am geringsten ist die Quote in Deutschland mit 7,7 Prozent, gefolgt von Österreich mit 8,9 Prozent und den Niederlanden mit 10,4 Prozent. Im Durchschnitt lag die Jugendarbeitslosigkeit in der Eurozone im Februar bei 23,9 Prozent und damit leicht unter dem Wert des Vormonats.

Kommentare (1)

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apt3844

07.04.2013, 08:57 Uhr

Der künstliche Alarmismus, der hier in Deutschland absichtlich ignorantperfide verbreitet wird, ist die Ursache
der herrschenden Globalvoreingenommenheit gegenüber Italien.
In der Tat ist aber Italien die 2. Wirtschaftsmacht in Europa
und der tatsächliche Nettozahlungsmeister in Europa.
Und dies weit vor Frankreich!
Dies wollen die Germans nicht zur Kenntnis nehmen. macht nichts!.
Italiener brauchen die Deutschen nicht und benötigen auch nicht deren arrogantes Geld!

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